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Heringsdorf Vom Schwarzen Meer an die Ostsee

Junge Gastronomen aus Georgien sammeln Berufspraxis in drei Hotels der Insel Usedom

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Ana Khazhumia, Nona Ghabaidze, Thea Takidze und Nana Inaishvili (v.l.) absolvieren gerade ein Praktikum auf Usedom. Fotos (2): Dietmar Pühler

Heringsdorf. Hohen Besuch hatte am vergangenen Wochenende das Strandhotel Heringsdorf. Dort weilte der georgische Botschafter Lado Chanturia, der von 1998 bis 1999 Justizminister seines Landes und von 1999 bis 2004 Präsident des Obersten Gerichts von Georgien war. Von 2011 bis 2013 hatte Chanturia eine Gastdozentur an der Universität Kiel am Institut für Osteuropäisches Recht inne. Seit 2014 vertritt er Georgien als Botschafter in Berlin. Sein Besuch war nicht rein privater Natur, sondern er galt den jungen Georgiern, die zurzeit ein Praktikum in Hotels auf Usedom absolvieren.

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Junge Gastronomen aus Georgien sammeln Berufspraxis in drei Hotels der Insel Usedom

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Allein sechs Praktikanten aus dem Land am Schwarzen Meer beschäftigt das Hotel Hanse Kogge in Koserow, zwei das Strandhotel Heringsdorf und einen das Kaiserstrand Beachhotel Bansin. Zustande gekommen sind die auf die Zeit von drei Monaten befristeten Arbeitsverhältnisse durch eine Kooperation der Fachhochschule des Mittelstandes in Schwerin und der Staatlichen Universität Shota Rustaveli in Batumi.

Neue Lebensweise

Prof. Dr. Gerald Wetzel und sein georgischer Partner Dr. Merab Diasamidze aus der Schwarzmeerstadt Batumi organisieren den Studentenaustausch, der allerdings vor allem von georgischer Seite genutzt wird. Nana Inaishvili hat ihr Studium in Batumi bereits abgeschlossen und arbeitet nun bis 10. Oktober in der Hanse-Kogge. Ihre ersten Eindrücke schildert sie so: „Die Lebensweise hier ist eine andere als in Georgien. Wir können viel von den Deutschen lernen. Sie arbeiten hart, sind verantwortungsvoll und freundlich zu den Gästen – und pünktlich“, merkt sie obendrein an. Ihr berufliches Ziel hat sie bereits vor Augen. Ihr Vater plant einen Hotelneubau, in dem sie später das Management übernehmen möchte.

Auch wenn es noch mit der Sprache hapert, ist sie wie ihre Freundinnen Ana, Nona und Thea gewillt, viel an Wissen und Erfahrung mit in ihre Heimat zu nehmen. „Ein Praktikum ist besser als aus Büchern zu lernen“, findet Thea. Nona Gabaidze studiert im vierten und letzten Studienjahr Tourismus in Batumi. Für sie ist es wichtig, auch international Praxiserfahrung in Hotels und Restaurants zu sammeln.

Duale Berufsausbildung

Ihre berufliche Zukunft sieht sie wie die meisten Praktikanten in ihrer Heimat. Dort ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Zahl der ausländischen Besucher übersteigt mit 5,7 Millionen die Einwohnerzahl des Landes von 3,7 Mio. bei weitem. Vor allem aus der Ukraine, der Türkei, Russland und Armenien kommen die Touristen an die Schwarzmeerküste und in die Altstadt von Tiflis, durch die einst die Seidenstraße führte.

Botschafter Chanturia, der bereits als Student in Göttingen war, findet den Studentenaustausch gut. „Das ist die Zukunft Georgiens“, sagt er, gibt aber auch zu bedenken, dass es jetzt schon eine „Überzahl von Akademikern“ im Lande gebe, „aber nicht viele gut ausgebildete Handwerker“. Deshalb will sich der Diplomat dafür stark machen, dass Georgien die duale Berufsausbildung nach deutschem Vorbild einführt.

Deutsches Rechtssystem kopiert

Lado Chanturia erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass aufgrund der guten Beziehungen zwischen dem damaligen deutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher und dem letzten russischen Außenminister Eduard Schewardnadse, der 1992 georgischer Staatsratsvorsitzender wurde, das deutsche Recht in Georgien übernommen wurde. Viele georgische Juristen, die in Deutschland studierten, seien wieder in ihr Land zurückgekommen und hätten das Rechtssystem in Georgien neu aufgebaut.

Nicht zuletzt auch wegen der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen feiern beide Länder von April 2017 bis Oktober 2018 das Deutsch-Georgische Jahr.

Weitere Gründe für die Feierlichkeiten sind das 100-jährige Bestehen der diplomatischen Beziehungen, die 1921 durch die sowjetische Okkupation unterbrochen wurden, sowie das 200-jährige Jubiläum der ersten deutschen Siedlung in Georgien.

Insgesamt gab es dort 20 deutsche Städte und Siedlungen, die von ausgewanderten Schwaben gegründet wurden. Höhepunkt des Festjahres wird sein, dass Georgien Ehrengast bei der Buchmesse in Frankfurt ist.

Stimmen zum Inselbesuch und Informationen über deren Heimat

Guram Gegetchkori , Kaiserstrand Beachhotel Bansin: „Ich möchte mein Deutsch verbessern. Für mich ist es gut hier. Ich versuche jeden Tag etwas Neues zu lernen.“

Thea Takidze, Hotel Hanse-Kogge Koserow: „Ein Praktikum ist besser als aus Büchern zu lernen. Die Lebensweise hier ist eine andere als in Georgien.“

Nana Inaishvili, Hotel Hanse-Kogge Koserow: „Mein Vater will ein Hotel bauen an einem Fluss in Georgien. Ich will ihm später dort helfen.“

Nutsa Tsigroshvili , Strandhotel Heringsdorf: „Ich habe in der Deutschen Schule in Telawi Deutsch gelernt und schon ein Aupair-Jahr in Bayreuth verbracht. Es ist immer schwer ein Jahr weg zu sein von zuhause.“

Darejan Andiashvili, Strandhotel Heringsdorf: „Es ist sehr schön hier, nur zu kalt. Ich will Erfahrung sammeln. Im Strandhotel helfe ich im Service. Ich muss noch ein Jahr studieren und will auf jeden Fall in Georgien arbeiten.“

Karin Molik , Strandhotel Heringsdorf: Sie helfen uns schon in der Hoch-Hochsaison.

Dr. Werner Molik, Strandhotel Heringsdorf: Ich war 1971 in Abchasien. Die Georgier sind ein gastfreundliches Volk. Ihre Lebenslust ist mir bis heute in Erinnerung geblieben.

Lado Chanturia , Georgischer Botschafter in Berlin: Die Auswirkung ist, dass jeder dieser Studenten einen Job bekommt.

Das Land Georgien

• Landesfläche: 69.700 qkm (entspricht der Größe Bayerns)

• Einwohner: etwa 3,7 Millionen

• Hauptstadt: Tiflis (georgisch: Tbilisi; etwa 1,2 Mio. Einwohner)

• Lage: südlich des Kaukasus am Schwarzen Meer

• Nachbarländer: Russland, Türkei, Armenien, Aserbaidschan

Dietmar Pühler

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