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Zu kalt, zu trocken: Mieses Erntejahr

Anklam/Mölschow Zu kalt, zu trocken: Mieses Erntejahr

Vorsitzender des Kreisverbandes rechnet mit bis zu 40 Prozent weniger Ertrag / Schädlinge setzen Kulturen zu

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Mit dem Mähdrescher beim Haferprobedrusch an der Trassenheider Straße in Mölschow. Fotos (2): Henrik Nitzsche

Anklam/Mölschow. Miese Laune bei den Bauern in der Region: „So ein schlechtes Ernteergebnis wie in diesem Jahr hatten wir seit über 25 Jahren nicht mehr“, sagt Gerd Rupnow, Vorsitzender des Bauernverbandes Ostvorpommern. Dazu kommen seit Monaten die niedrigen Milchpreise, die den Landwirten zusetzen. „Weil das mit dem Ackerbau diesmal nicht auszugleichen ist, kann ich schon von einem existenzbedrohenden Jahr sprechen“, nimmt Rupnow kein Blatt vor dem Mund. Als Ursachen für das schlechte Ergebnis hat er die kurze Frostperiode zum Jahresanfang und die lange Trockenheit ausgemacht. Den Ertragsverlust beziffert der Vorsitzende mit 20 bis 40 Prozent.

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Vorsitzender des Kreisverbandes rechnet mit bis zu 40 Prozent weniger Ertrag / Schädlinge setzen Kulturen zu

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Der Verband

119 341 Hektar umfasst die landwirtschaftliche Nutzfläche im ehemaligen Kreis Ostvorpommern. Dazu gehören die Regionen Insel Usedom und Wolgast sowie die Altkreise Anklam und Greifswald.

87 ordentliche Mitglieder zählt der Bauernverband OVP gegenwärtig. Das sind vor allem landwirtschaftliche Unternehmen.Die Geschäftsstelle befindet sich in Anklam. Geschäftsführerin ist seit 2002 Katy Albrozeit.

Von einer Existenzbedrohung will Landwirt Martin Haß aus Mölschow zwar nicht sprechen, aber von einer „miesen Ernte“ schon. „Unsere Ausfälle liegen bei 30 bis 40 Prozent“, sagt der Produktionsleiter der Marktfrucht GbR Mahlzow. Mit insgesamt neun Mitarbeitern bewirtschaftet das Unternehmen in den Gemeinden Mölschow und Sauzin rund 1200 Hektar.

Besonders der Jahreswechsel 2015/2016 hätte den Kulturen zugesetzt. „Weihnachten hatten wir zehn Grad plus, ein paar Tage später lagen wir im zweistelligen Minusgradbereich. Da konnten sich die Pflanzen nicht anpassen“, sieht Martin Haß eine Ursache für die schlechte Ernte. Durch die Wärme wären auch die Zugvögel viel länger hier geblieben. „Sie haben die Wintergetreidebestände abgefressen“, so Haß. Hinzu kam die lange Trockenperiode in den Monaten März, April und Mai. „Da konnten sich die Ähren nicht richtig ausbilden“, so der 34-Jährige.

Was für die Kulturen wie Raps, Gerste, Hafer und Weizen misslich war, war für Schädlinge umso besser. „Wir haben massive Probleme mit den Blattläusen. Beim Raps hatten wir enormen Insektenfraß und allgemein eine starke Verunkrautung“, sagt Haß, der aufgrund der schlechten Ergebnisse in diesem Jahr geplante Investitionen verschieben muss. „Neue Technik muss nun warten.“ Von zwei Mitarbeitern, die in diesem Jahr in Rente gehen, soll 2017 nur eine Stelle wieder besetzt werden. „Wir hoffen aber, dass wir im nächsten Jahr einen guten Lehrling bekommen.“

So wie in Mölschow ist vielerorts im Altkreis der Drusch noch in vollem Gange. „Wir haben etwa 50 Prozent unserer Flächen abgedroschen“, berichtet Ursel Schulz, Geschäftsführerin der Marktfrucht GbR.

Sie rechnet bis Mitte August mit dem Dreschen der restlichen Fläche, ehe bereits die Wiederbestellung für das neue Jahr beginnt. Die Chefin habe zuletzt 1996 so ein schlechtes Jahr erlebt. „Wir wirtschaften unter freiem Himmel, da kann man auch mal so eine Klatsche bekommen.“

Laut Rupnow muss jetzt besonders der Weizen runter, weil er reif ist. „Wenn der Weizen jetzt zu viel Niederschlag bekommt, ist das für den Verkauf schlecht. Dann wird nämlich aus Qualitätsweizen nur Futterweizen“, betont Gerd Rupnow.

Von einem „außerordentlich schlechten Jahr“ spricht Jörg Espig, Geschäftsführer der Agrar GmbH Usedom. „Durch die Frühsommertrockenheit sind die Rapskörner nur halb so groß. Da erwarte ich einen Ertrag von 50 Prozent zu normalen Jahren. Beim Weizen erreichen wir zwei Drittel vom Vorjahr“, so Espig, dessen Firma rund 1600 Hektar bewirtschaftet.

Henrik Nitzsche

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