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Auf Waldspaziergang mit dem Gutachter

Heringsdorf Auf Waldspaziergang mit dem Gutachter

Heringsdorf verpflichtet sich per Zertifikat zur nachhaltigen Bewirtschaftung seines grünen Wohnzimmers

Heringsdorf. Wer sich für einen Urlaub in Heringsdorf entscheidet, zieht neben Ostsee und Strand konkret auch den Erholungseffekt der umliegenden Wälder ins Kalkül. Das berücksichtigten schon die Gründer des Seebades um die Brüder Hugo und Adelbert Delbrück, als die von ihnen gegründete Aktiengesellschaft touristische Attraktionen, wie die Rennbahn, die Bismarkwarthe oder den Wildpark, im Wald platzierten. Sie schätzten das Klima des Ostseewaldes.

Mit der Auflösung der Aktiengesellschaft wurde die Verantwortung an die Gemeinde Heringsdorf übertragen, die dieses Erbe auf der 266 Hektar großen Waldfläche auch heute noch mit Verantwortung trägt.

Freiwillig verpflichtete sie sich im November 2015 auf die Standards für nachhaltige Waldbewirtschaft, deren Einhaltung das Landeswaldgesetz festgeschrieben hat. Dokumentiert wird die Selbstverpflichtung durch eine PEFC-Urkunde (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes / Programm für die Anerkennung von Forstzertifizierungssystemen). In dieser Woche wurde die Einhaltung der Kriterien durch Gutachter Karl Gruss im Rahmen eines Waldaudits überprüft.

„Der Heringsdorfer Wald wird längst nachhaltig bewirtschaftet. Darum bedeutet die Unterziehung der Kontrolle keine Veränderung. Allerdings bekämen wir ohne anerkanntes Zertifikat keine Fördermittel für den Kur- und Heilwald“, sagt Katja Aehnlich, verantwortliche Bauamtsmitarbeiterin. Wie berichtet, installiert Heringsdorf gerade den ersten Kur- und Heilwald Deutschlands.

Nach einem straffen Zeitplan prüfte Gutachter Gruss die Einhaltung der Kriterien für das Zertifikat. Mit am Tisch saß der Korswandter Revierförster Sven Prabel. Mit dem Inselforstamt in Neu Pudagla unterhält die Gemeinde einen Betreuungsvertrag für die Waldbewirtschaftung, den Prabel umsetzt. Der Forstmann steht hinter der Entscheidung der Gemeinde, sich unter den drei möglichen Zertifizierern (PEFC, FCSC – Forest Stewardship Council – oder Naturbund) für die Qualitätskontrolle durch PEFC entschieden zu haben, weil auch die übrigen vom Forstamt bewirtschafteten Inselwälder dieses Zertifikat tragen, und weil es auch die Wirtschaftlichkeit berücksichtigt. Für Heringsdorf, das mit seinem Wald eine schwarze Null erwirtschaftet, habe der Wald eine hohe Bedeutung, sagt Prabel: „Vor allem der Küstenwald gehört einfach zur Gemeinde. Im Wesentlichen haben wir hier Mischwälder, in denen Kiefern und Buchen dominieren, und in denen die Buche sich in jüngster Zeit wieder erfreulich entwickelt.“ Vor allem innerörtliche Flächen stünden im Fokus der Öffentlichkeit. Und gerade diese würden mitunter auch Reibungspunkte darstellen, an denen sich die Interessen des Küstenschutzes, der Waldbewirtschaftung und des Tourismus’ widersprechen, so Prabel.

Bevor die Prüfung der Waldbewirtschaftung mit einer Stippvisite fortgesetzt wurde, standen Sven Prabel und Katja Aehnlich Gutachter Gruss in vielen Details Rede und Antwort: Zum Beispiel, ob neben der natürlichen Verjüngung standortgerechte Arten angebaut würden, so genannte „Fremdländer“, wie Douglasien oder Robinien, nicht dominierten. Geprüft wurde ferner, ob der Wildbestand angepasst ist.

„Es ist wichtig, das Wild in Grenzen zu halten, damit es auf der Suche nach Nahrung nicht an den Rinden frisst“, begründete der Gutachter diesen Kontrollaspekt. Den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln musste Prabel nicht belegen, weil im Heringsdorfer Wald gänzlich darauf verzichtet wird. Selbst woher das Pflanzenmaterial für die Aufforstungen stammt, ob es genetisch geprüft ist, und ob auch die mit Arbeiten im Wald beauftragten Unternehmen zertifiziert sind, wollte der Gutachter wissen.

Die fundierten Antworten und Nachweise veranlassten ihn schließlich zu der Einschätzung, dass die Gemeinde in Förster Prabel einen sachkundigen und verlässlichen Berater hat. Die Kontrollfahrt durch den Wald bestärkte ihn darin. „So muss ein Wald aussehen“, sagte Gruss bei der Begutachtung eines Buchenbestandes nahe der Eisenbahnlinie Heringsdorf-Bansin, der auf natürliche Art verjüngt wird: „An diesen gerade nach oben gewachsenen Spitzen der jungen Bäume sieht man, dass sie hierher gehören. Die werden sicher gut gedeihen.“ Im Gegensatz dazu hatten die Forstmänner zuvor vergebliche Versuche besprochen, zum Beispiel masurische Kiefern auf Usedom anzusiedeln. Nach 20 Jahren habe sich gezeigt, dass die Entwicklungsbedingungen einfach nicht passten. Aber da war es zu spät.

Einmal pro Jahr unterzieht sich die Gemeinde künftig einer Selbstkontrolle der jetzt geprüften Kriterien. Die Ergebnisse sind wiederum Arbeitsdokument für den Gutachter, der das Festhalten an der nachhaltigen Waldbewirtschaft auch in Zukunft mit jährlichen Kontrollen begleitet.

Angelika Gutsche

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