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Usedom Auf der Suche nach Strandschätzen
Vorpommern Usedom Auf der Suche nach Strandschätzen
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00:29 13.06.2018

Meter für Meter schreitet Mario Sommer den Strand von Zinnowitz ab. Hoch und runter, von links und rechts. In alle Richtungen treibt es den 43-Jährigen mit seinem Metallsuchgerät. Gestern war am Strand aufgrund des moderaten Wetters relativ wenig los. Gut für ihn, denn so hat der Mann mit der siebartigen Plastikschaufel in der Hand „freie Bahn“. In seiner Freizeit sucht er den Strand nach metallischen Gegenständen ab und hält sich so körperlich fit.

Mit der Metallsonde schwenkt Mario Sommer im Halbkreis von links nach rechts. Rund 30 Zentimeter tief kann er damit suchen.
Klassischer Müll bei der Suche am Strand. Quelle: Foto: Hannes Ewert

Wenn es seine Zeit erlaubt, dann ist der gebürtige Zinnowitzer so oft wie möglich am Wasser unterwegs, um nach metallischen Überresten zu suchen. Das können Geldmünzen, Kronkorken, Schmuck, Löffel, Wunderkerzen oder auch Dosenverschlüsse sein. Gestern morgen hatte der 43-Jährige eine Menge Müll in der Tüte dabei. „Ich nehme alles mit, was nicht hierher gehört. Der Müll kommt in die Tonne, die anderen Gegenstände schaue ich mir genau an. Danach entscheide ich, was damit passiert“, erklärt er. Andere seiner Art hätten es seiner Meinung nach nur auf Bares abgesehen und würden den Dreck liegen lassen. „Mir geht es auch darum, dass der Strand sauber ist“, betont er.

Bis in eine Tiefe von 30 Zentimetern kann Sommer mit seiner Sonde suchen. „Gegenstände von der Größe einer Kamera, kann er auch aufspüren. Bei Münzen wird es aber schwierig. Für die kleineren Teile gibt es ein Gerät, welches die Form eines großen Stiftes hat.“ Via Kopfhörer nimmt er die Piepgeräusche wahr, wenn sich im Sand etwas Unbekanntes verbirgt. „Münzen haben in der Regel ein sehr klares Signal, ein durchgängiges Piepen. Ein Kronkorken hingegen kann Rauschen und Kratzen beim Piepen“, erklärt er.

Zahlreiche Kilometer läuft der gelernte Schweißer auf diese Weise regelmäßig am Strand ab. „Manchmal gehe ich von Zinnowitz bis nach Koserow und wieder zurück. Da kommen bis zu 15 Kilometer zusammen, manchmal auch mehr.“

Sein bislang größter Schatz ist der Fund einer Silbermünze von 1653. Wo genau er diese gefunden hat, möchte er nicht verraten. Aber: In Koserow fand der Hobbyschatzsucher einen Reichspfennig von 1875. „Nach der Sturmflut im Oktober 2016 war die See sehr aufgewühlt. Da kann man viel finden“, sagt er.

Wenn Mario Sommer über den Strand geht, zieht er die Blicke der Strandspaziergänger auf sich. „Die meisten Urlauber sind neugierig und fragen nach, wie das Gerät funktioniert“, sagt er. Ärger gab es noch nicht. „Häufig kommt auch die Frage auf, ob ich damit Bernsteine aufspüren kann, aber das ist damit leider nicht möglich“, sagt er und lacht. Eigentlich kam Mario Sommer durch seine Ex-Freundin zu diesem außergewöhnlichen Hobby. Das war vor etwa acht Jahren. „Meine damalige Freundin vermisste schöne Spaziergänge am Strand. Und nachdem ich mir das Gerät geholt hatte, waren wir unterwegs.“

Heute sind die beiden kein Paar mehr.

Im Frühjahr und im Herbst schaut Mario Sommer auf Feldern, Äckern und Wäldern nach – alles in Absprache mit deren Besitzern. „Das sind interessante Gebiete. Oft merkt man, dass es Kampfgebiete waren.

Davon zeugen Reste von Munitionen, Knöpfe von Uniformen oder andere Metallreste. „Die Besitzer sind selbst daran interessiert, was dort noch schlummert. Nach Bodendenkmälern gräbt Sommer allerdings nicht.

Die schönste Geschichte mit einem wirklichen Happy-End erlebte er in einem Forum von Sondengängern bei Facebook. „Ein Fotograf schoss Hochzeitsfotos im Wasser. Das Problem: Durch die Kälte war ein Ring im Wasser verschwunden. Ein Sondentaucher aus Berlin rückte an und fand das Stück nach zwei Stunden in 30 Zentimetern Tiefe. Es war das erste Mal, dass Facebook einen richtigen Sinn hatte. Das Brautpaar freute sich wahnsinnig.“, sagt er.

Übrigens: Sollte Mario Sommer Schmuck finden, gibt er diesen im nächsten Fundbüro ab. „Wenn sich der rechtmäßige Besitzer nach einem halben Jahr nicht meldet, kann ich mir die Sachen dort wieder abholen“, erklärt er. Dann endet nämlich die Aufbewahrungsfrist.

Hannes Ewert

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