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Usedom „Aussagen schaden dem Image der Insel“
Vorpommern Usedom „Aussagen schaden dem Image der Insel“
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00:00 28.05.2016

Dass ausgerechnet ein führendes Mitglied des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes gegen Ausländer im Internet Stimmung macht und damit für deutschlandweite Schlagzeilen sorgt, stößt auf der Insel auf Empörung. Peter Drechsler, Regionalchef der Dehoga in Ostvorpommern, veröffentlichte auf seiner privaten Facebook-Seite islamfeindliche Äußerungen. Er schreibt in der Kommentarfunktion eines Beitrages unter anderem, dass der Islam Deutschland erobern wird und dass sie die Weltherrschaft an sich nehmen wollen. Außerdem verbreitete er durch das Teilen anderer Seiten diskriminierende Türkenwitze. Er machte seine Freunde auch auf offensichtlich rechtspopulistische Seiten aufmerksam, die Hetze gegen Muslime verbreiten.

Die Insel Usedom wirbt international mit dem Spruch „Wir lieben unsere Gäste“. Das soll für Weltoffenheit, Toleranz und Sympathie stehen. „Es besteht in Deutschland Religionsfreiheit und niemand sollte wegen seiner Herkunft oder der Religion diskriminiert werden. Toleranz ist maßgeblich für eine positive touristische Entwicklung“, sagt Dörthe Hausmann, Geschäftsführerin der Usedom Tourismus GmbH. Sie sagt, dass rund zwei Prozent der ankommenden Gäste auf Usedom aus anderen Ländern kommen, vorrangig aus Österreich und der Schweiz. „Der Anteil ausländischer Urlaubsgäste nimmt stetig zu“, betont sie.

„Diese Meinung kann man abends bei Kerzenschein am heimischen Kamin haben, aber nicht als Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes, der für eine Region wie die Insel Usedom spricht“, sagt Sebastian Ader, Geschäftsführer vom „Hotel zur Post“ in Bansin. „Dass ist in einem gewissen Maße schon ausländerfeindlich. Allein in unserem Hotel arbeiten 35 Prozent polnische Mitarbeiter. Und ohne Polen würde der Hotel- und Gaststättenbereich auf der Insel Usedom nicht funktionieren“, sagt Ader. „Seine Aussagen schaden dem Tourismus auf der Insel und jedem Hotel. Welche Konsequenzen er aus den Äußerungen zieht, muss er selbst sehen. Er ist alt genug, um das zu entscheiden“, sagt Ader.

Uwe Deter, Chef des „Wikinger“-Hotels in Zempin, vertritt die Meinung, dass man als Hotel nach außen neutral auftreten sollte. „Was man privat über das Thema denkt, ist eine andere Sache. Gut finde ich, dass verschiedene Meinungen dazu bestehen. Außerdem lässt sich das Thema hier auf Usedom nicht lösen“, sagt Deter. Der Hotelchef kritisiert außerdem, dass die Verbandsarbeit kaum noch stattfindet. „Ab und zu gibt es mal eine E-Mail, mehr nicht. Wir sind ein riesiger Regionalverband, aber von dieser Größe nehme ich nichts mehr wahr“, sagt Deter.

Der Betroffene selbst, Peter Drechsler, entschuldigte sich gestern am Telefon für seine Äußerungen. „Bei den Worten habe ich mich im Ton vergriffen“, sagt er. Außerdem hätte er einen „etwas schärferen Witz“ geteilt. „Wäre es über Ostfriesen oder Bayern gewesen, wäre wahrscheinlich nichts passiert“, sagt er. Als Dehoga-Chef heißt er weiterhin alle Besucher, auch Asylbewerber und ausländische Gäste, herzlich willkommen. „Es muss nur in geordneten Bahnen zugehen“, sagt er mit Blick auf die Asylpolitik. Nach seinen Angaben haben die Äußerungen bei Facebook keinen bösen Hintergrund. Bereits am Nachmittag sind der Türkenwitz und der besagte Kommentar entfernt worden.

Hannes Ewert

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