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Bei „Dodis“ gehen bald die Lichter aus

Heringsdorf Bei „Dodis“ gehen bald die Lichter aus

Die Tage der Pommernstube in Heringsdorf sind gezählt. Im Oktober gehen die bisherigen Pächter, Doris und Hartmut Wuhrow, mit 66 Jahren in Rente. Sie blicken auf eine „gute Zeit“ zurück. Ein Nachfolger ist allerdings noch nicht in Sicht. Auch andere Lokale haben zu Jahresbeginn schon dichtgemacht.

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Bis zum 15. Oktober wird an der Neuhofer Straße noch Bier gezapft. Dann ist Feierabend für Doris und Hartmut Wuhrow. FOTOS (2): HENRIK NITZSCHE

Heringsdorf. „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an! Mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran. Mit 66 Jahren, da kommt man erst in Schuss! Mit 66 ist noch lange nicht Schluss!“ Bis auf die letzte Zeile von Udo Jürgens Song-Klassiker würden das Doris und Hartmut Wuhrow sofort unterschreiben. Sie sind 66 und machen jetzt Schluss.

OZ-Bild

Die Tage der Pommernstube in Heringsdorf sind gezählt. Im Oktober gehen die bisherigen Pächter, Doris und Hartmut Wuhrow, mit 66 Jahren in Rente. Sie blicken auf eine „gute Zeit“ zurück. Ein Nachfolger ist allerdings noch nicht in Sicht. Auch andere Lokale haben zu Jahresbeginn schon dichtgemacht.

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In ihrer „Dodis Pommernstube“ in der Neuhofer Straße wird am 15. Oktober abgeschlossen. Für immer. Nach einem Auf und Ab in 20 Jahren Selbstständigkeit, blickt Doris Wuhrow mit einem lachenden und weinenden Auge zurück. Über 50 Jahre in der Gastronomie liegen hinter der Heringsdorferin. „Jetzt wollen wir unser Zuhause genießen. Mal Radfahren, Spazierengehen, ein Buch lesen und verreisen“, sagt die 66-Jährige zu ihren Zukunftsplänen.

Das kam in der Vergangenheit viel zu kurz. Mit 15 Jahren ging sie in die Gastronomie – im damaligen „Meeresstrand“ in Bansin. Mit 36 machte sie eine Ausbildung als Köchin. Sie war Küchenleiterin bei Seetel und im Bansiner „Hotel zur Post“. „Ich qualifizierte mich als Lehrlingsausbilderin“, sagt Doris Wuhrow, die 1997 ihr eigenes Geschäft eröffnete – „Dodis Pommernstube“ auf der Promenade gegenüber der Heringsdorfer Seebrücke. Das Paar hat sein Restaurant entworfen, selbst gebaut und eingerichtet. Hartmut Wuhrow kam aus dem Baugewerbe und stieg zwei Jahre später in die Gaststätte ein – seine Bandscheibe machte nicht mehr mit.

Mit dem Euro ging es bergab

„Anfangs lief es richtig gut. In Spitzenzeiten hatten wir neun Angestellte. Als der Euro kam, ging es zunächst bergab“, erinnert sich die Heringsdorferin. Die Jahre an der Promenade beschreibt sie mit dem Titel einer TV-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“: „Wir haben gelacht, wir haben geweint. Im Schnitt haben wir 13 Stunden gearbeitet. Von morgens bis in die Nacht stand ich am Herd.“

Denn nach dem Kochen war längst nicht Schluss, Wuhrows mussten Gastraum und Küche noch putzen.

Vor drei Jahren gaben sie ihren Standort auf der Promenade auf, das Geschäft allerdings nicht. „Dodis Pommernstube“ – der Name „Dodis“ kommt daher, weil das Kind einer Bekannten beim Vornamen Doris das „r“ nicht richtig aussprechen konnte – zog nun in die Neuhofer Straße an die Kreuzung Aldi/Edeka-Markt. An diesem Standort hatten sich schon mehrere Gastronomen verschluckt. Vor den Wuhrows hatte im früheren Restaurant „Ostseestrand“ ein Pächter aus dem offenen Küchenfenster heraus Döner verkauft. Danach stand die Gaststätte zwei Jahre leer.

Mit 63 wollten die beiden Heringsdorfer zeigen, dass ein Restaurant auch an einer stark befahrenen Hauptstraße funktioniert. Sie investierten und richteten die Gaststätte nach ihrem Geschmack ein.

„Im Mai 2014 bauten wir unser Restaurant an der Promenade zurück, am 1. Juni eröffneten wir in der Neuhofer Straße“, sagt Hartmut Wuhrow.

Bereut haben sie es nicht. „Das Restaurant läuft gut. Entscheidend ist nicht der Standort sondern die Küche“, sagt Doris Wuhrow, die für den 16. Mai Freunde, Wegbegleiter und Stammgäste zur großen Abschiedsparty eingeladen hat. Sie findet es schade, „wenn die Gaststätte danach eingeht. Wenn jemand kommt und bereit ist, alles so zu übernehmen, wären wir auch glücklich. Ansonsten räumen wir hier alles raus.“ So weit ist es noch nicht. Bis Mitte Oktober steht sie noch in der Küche, während ihr Mann kellnert.

Und weil beide noch „gut in Schuss sind“, wie es Udo Jürgens sang, soll es im nächsten Jahr in die Karibik gehen – Urlaub auf den Niederländischen Antillen.

Restaurant-Sterben zu Jahresbeginn

Anfang des Jahres war im Restaurant „Essbar“ am Kurhotel in Heringsdorf Schluss. Die Betreiber Ramona Stenzel und Henry Böhm schlossen nach knapp acht Jahren ihr Restaurant, in dem Bio das große Thema war.

Nach 15 Jahren schloss das Kulm-Eck von Brian Seifert in Heringsdorf. Er wechselte ins Bansiner „Hotel zur Post“. Das Restaurant am Kulm hat inzwischen einen neuen Betreiber.

Henrik Nitzsche

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