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Usedom Besondere Schule für besondere Kinder
Vorpommern Usedom Besondere Schule für besondere Kinder
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16:33 02.02.2018
Ausgelassene Stimmung herrschte unter den Mädchen und Jungen beim Schul- und Dankesfests an der Wolgaster Korczak-Schule. Quelle: Fotos: Sandra Grüning
Wolgast

Pünktlich zum Beginn des Schul- und Dankesfestes kommt die Sonne hinter den Wolken hervor und bescheint die zwei Mädchen und zwei Jungen, die vor der versammelten Schüler-, Lehrer- und Schulunterstützerschar in coolen Posen einen Hit von Adel Tawil performen. Die Vier ernten jede Menge Beifall. Ein schöner Lohn für das viele Üben mit Musiklehrerin Petra Weißmann.

Die Jugendlichen gehören zur Janusz-Korczak-Schule Wolgast. Insgesamt gehen in Wolgast und im Nebenstandort Usedom 140 Schüler in 13 Klassen auf diese besondere Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Hier werden Kinder und Jugendliche unterrichtet, die wegen erheblicher Lernbeeinträchtigungen sowie Beeinträchtigungen der motorischen, kognitiven, sprachlichen und emotionalen Fähigkeiten die Ziele der allgemeinen Schule trotz der dortigen Förderung nicht erreichen können und dadurch sowohl sozial als auch wissenstechnisch auf der Strecke bleiben würden.

In der Korczak Schule erhält jeder Schüler von der 3. bis zur 9. Klasse einen individuell zugeschnittenen Förderplan. „Wir holen jedes Kind dort ab, wo es steht und unterstützen Neigungen und Talente“, erklärt die Schulleiterin Marina Licht. In einem freiwilligen 10. Schuljahr kann die Berufsreife erlangt werden.

Die gezielte Förderung wird möglich durch das sonderpädagogisch ausgebildete Lehrerkollegium und die geringe Zahl von maximal 15 Schülern in einer Klasse. „Wir lernen im Kreis. Da können wir jeden anschauen und mit jedem reden“, erklärt der Siebtklässler Maximilian Radtke. Er mag es, dass er Zeit zum Lernen hat, bis er den Stoff richtig kann.

Den Schülern die Zeit zu geben, die sie entsprechend ihren Fähigkeiten brauchen, ist ein Schwerpunkt in der Ausrichtung der Schule, die neben dem Standort Wolgast einen weiteren mit drei Klassen in Usedom hat. In Usedom lernen die Schüler unter einem Dach mit den dortigen Grundschülern.

Eine weitere Säule der Schularbeit ist die Berufsvorbereitung. Ab der 7. Klasse können verschiedene Neigungsfächer wie Töpfern, Arbeit/Wirtschaft/Technik-Unterricht, Arbeiten an einem Holzprojekt, das Projekt Cafeteria zur Pausenversorgung, Theater spielen, Junge Hausmeister und viele andere belegt werden.

Einmal in der Woche haben die Schüler einen Praxislerntag, an dem sie Berufe kennenlernen, sich ausprobieren können oder für ein Praktikum in einen Betrieb gehen. 2017 hat sich dafür das Hotel „Seeklause“ in Trassenheide zur Verfügung gestellt. „Und seitdem weiß ich, was ich machen will“, sagt Felix Fürst (16). Nach dem Praktikum dort steht fest: Im September fängt er in der Seeklause eine Lehre an.

Etwas ganz Besonderes ist der wöchentliche Snoezel-Unterricht. In dem heißt es: entspannen und mit der Snoezel-Lehrerin Petra Weißmann über alles reden, was bewegt oder auch bedrückt. Beim Snoezelen (Wortschöpfung aus dem Niederländischen) werden die Sinne Sehen, Hören und Tasten stimuliert. „Über visuelle und akustische Reize oder indem sie sich gegenseitig massieren, entspannen die Kinder und trainieren ihre Körperwahrnehmung“, erklärt Weißmann. Und die Schulleiterin fügt hinzu: „Das Snoezelen ist fester Bestandteil des Unterrichts und ein wichtiger Baustein im Kommunikationstraining, der Entwicklung der sensorischen Fähigkeiten und im Abbau von Ängsten.“

Für das Snoezelen hat sich die Schule 2003 einen Snoezel-Raum eingerichtet. Mit weichem Boden, Matten und einem veränderbaren Lichtkonzept. Der Förderer und Schulsponsor Biochem aus Lohne hatte die Einrichtung dieses besonderen Raumes ermöglicht.

Das Konzept macht Schule. Inzwischen haben in der Region mehrere Schulen solch einen Snoezel-Raum. „Snoezelen ist das beste am ganzen Unterricht“, steht zumindest für Maximilian Radtke fest.

Sandra Grüning

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