Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Usedom Gebürtige Wolgasterin schreibt Bestseller
Vorpommern Usedom Gebürtige Wolgasterin schreibt Bestseller
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:54 13.03.2019
Da war die Welt noch in Ordnung: Ines Gillmeister, Sohn Leonard, Tochter Emma und Papa Simon sowie die beiden Familienhunde. Quelle: privat
Wolgast/Berlin

Sie waren eine vierköpfige Familie aus Berlin: Emma-Lina, Leonard Fridolin, Papa Simon und Mama Ines Gillmeister. Hört sich normal an, war es aber nicht, denn sie lebten mit dem multiplen Myelom, einer Form von Blutkrebs. Die Prognose für Papa Simon lautete: nicht heilbare Krankheit mit stark reduzierter Lebenserwartung. Im vergangenen Sommer hat der Familienvater den Kampf gegen den Krebs verloren.

Ines Gillmeister, eine gebürtige Wolgasterin, die bis zu ihrem 16. Lebensjahr hier zu Hause war, hat bis zur letzten Minute für ihren Mann gekämpft. 2012 kam die niederschmetternde Diagnose – kurz nachdem sie ihm eröffnet hatte, dass sie ein zweites Kind erwarten. Seitdem versuchte sie alles, um ihm mehr Zeit zum Leben zu schenken. Während des vierjährigen Kampfes gegen den Krebs hat sie einen Blog veröffentlicht und sich alles von der Seele geschrieben, was sie bewegte. „Wir haben unser Leben reflektiert mit all seinen schönen und auch furchtbaren Seiten“, sagt die heute 33-Jährige.

Bloggen als Anker in einer schweren Zeit

Der Blog von Ines Gillmeister https://cancer-is-an-asshole.blog/ war nicht nur der Anker für die junge Frau, in dieser schweren Zeit durchzuhalten, sondern er wird von unzähligen Menschen gelesen. Menschen, die ein ähnliches Schicksal durchlebt haben, die Stammzellspender waren, die durch eine Typisierung anderen geholfen haben, wieder mehr Lebenszeit zu erhalten und auch einfach nur Menschen, die am Schicksal der Familie Anteil nehmen. Und immer wieder hört sie den Wunsch, den auch schon ihr Mann Simon zu Lebzeiten geäußert hat, weil er liebte, was sie da über ihr gemeinsames Leben schreibt: „Erzähle unsere/eure Geschichte in einem Buch!“

Buch wird ein Bestseller

Nach dem Tod von Simon im Juli vergangenen Jahres wollte sie bei verschiedenen Verlagen anfragen, „doch die kamen mir zuvor. Ich konnte zwischen vier Verlagen auswählen und habe mich für den jungen Verlag Eden Books entscheiden“, sagt Ines Gillmeister. Im Februar ist ihr Buch „Rock den Himmel, mein Held“ erschienen. Nur wenige Tage danach war die erste Auflage vergriffen. „Damit hatte ich nicht gerechnet“, bekennt die gelernte Integrationserzieherin. Inzwischen ist bereits die dritte Auflage im Verkauf. Das Buch landete auf der Spiegel-Bestsellerliste, die gebürtige Wolgasterin war Gast in der Fernsehsendung von Markus Lanz. „Berührend und Mut machend. Eine Kampfansage an den Krebs und ein Beispiel für grenzenlose Liebe“, hieß es nach Erscheinen des Buches.

„Es ist kein tieftrauriges Buch. Wir haben doch auch viele schöne Momente miteinander erlebt. Ich möchte anderen Krebspatienten und deren Angehörigen Mut machen und aufklären“, erklärt die Autorin. So erfahren die Leser, dass Tochter Emma Papas Blutkrebs „Krabbe Kunibert“ getauft hat und er unerbittlich mit Chemorittern gegen die Krankheit kämpft. Als »Krabbe Kunibert« 2016 noch heftiger wiederkehrt, kooperiert die Familie mit der Deutschen Knochenmarkspende und Ines organisiert eine der größten Registrierungsaktionen, die Berlin je gesehen hat: Über 1200 Menschen registrieren sich neu als Stammzellenspender und geben den vielen Patienten bis heute Hoffnung.

Lesung in der Wolgaster Kaffeemühle

Auch in ihrer Geburtsstadt Wolgast bittet sie um Hilfe: Ihre Mutter Ingetraut, die auf der Peene-Werft gearbeitet hat, hängt dort Plakate aus mit der Bitte, sich typisieren zu lassen. Die Geschäftsführung der Werft unterstützt die Aktion ausdrücklich. Für ihren Schwiegersohn Simon kann kein geeigneter Spender gefunden werden. Im Juni 2017, ein Jahr bevor er dem Krebs erliegt, heiraten ihre Tochter und er – als Zeichen gegen den Krebs und für die Liebe. „Ich hätte so gerne gesehen, dass Simon unserem Sohn das Fahrradfahren beibringt und er seine Einschulung miterleben kann ...“, sagt Ines Gillmeister. Das sei nun nicht mehr möglich, auch wenn sie immer das Motto ausgab: „Ohne Papa geht es nicht!“ Die Hoffnung aber habe sie nicht verloren: „Vielleicht gelingt es der Forschung, dass doch noch ein Verfahren gefunden wird, dass das Multiple Myelom heilen oder dauerhaft aufhalten kann“, meint die Zweifach-Mama.

Seit dem Tod von Simon lassen Ines Gillmeister und ihre beiden Kinder jeden Freitag Luftballons mit kleinen Botschaften in den Himmel steigen ... Post für Papa nennen sie die Aktion. „Es ist unsere Art zu trauern, Hoffnung zu schöpfen und den Alltag zu meistern“, erläutert sie. Am 3. Mai kommt die Autorin zur Lesung auch in ihre Geburtsstadt Wolgast. Im Museum will sie den Zuhörern von einer Familie berichten, die beschlossen hat, sich nicht unterkriegen zu lassen.

„Rock den Himmel, mein Held“, 240 Seiten, 14,95 Euro, ISBN: 978-3-95910-213-1

Das Buch der gebürtigen Wolgasterin Ines Gillmeister wurde sofort ein Bestseller. Quelle: privat

Cornelia Meerkatz

Usedom Morgens um 6 auf Usedom - Morgens um 6 Uhr: Pizza brennt an

Ein 32 Jahre alter Mann wollte sich wohl zum Frühstück eine Pizza machen. Diese brannte ihm im Ofen an und rief die Einsatzkräfte auf den Plan.

13.03.2019

Welche geeigneten Mittel und Wege gibt es, mehr Leben in den Wolgaster Stadtkern zu bringen? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Altstadtforum wieder ganz neu. Am Dienstag war der Auftakt.

13.03.2019

Als 1934 die Peenebrücke eröffnet wurde, glaubten viele Wolgaster, nun endlich vom Tourismus auf der Insel Usedom stark zu profitieren. Doch diese Rechnung ging schon damals nicht automatisch auf.

13.03.2019