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Betrüger probieren neuen Trick

Greifswald Betrüger probieren neuen Trick

Leiterin der Seniorenresidenz: „Eine fiese Masche“.

Greifswald. Betrugsversuch in der Seniorenresidenz Medigreif: Bewohner des Altenheims sollen 135 800 Euro erhalten, wenn sie ihren Fingerabdruck an ein Postfach schicken und 25 bis 35 Euro beilegen. In den Briefen an die Bewohner heißt es, dass zunächst noch zu prüfen sei, ob die Teilnehmer zu der Gruppe der „Alteriten“ gehörten. Sollte dies der Fall sein, fließe das Geld. „Das wird jedoch nie passieren“, sagt Sybille Benecke, Leiterin der Stralsunder Beratungsstelle für Verbraucherfragen.

Benecke staunt über die neue Art, Rentner übers Ohr zu hauen: „Eigentlich arbeiten Betrüger fast nur noch mit E-Mails oder Anrufen.“ Briefe seien out, weil sie ausgedruckt werden müssten und Porto kosteten. Für Matthias Wins von der Verbraucherzentrale MV in Rostock ist daher klar: „Hier sind Profis am Werk.“ Denn nur wenn es sich lohne, würden sich Betrüger eine die Mühe machen und vierseitige Briefe versenden. „Die müssen Erfolg haben“, sagt der Experte. „Viele Menschen sind offenbar bereit, die geforderte Summe zu zahlen.“ Wie seine Kollegin Benecke hat auch Wins noch nichts von der neuen, esoterisch angehauchten Masche gehört. Den Empfängern wird vorgegaukelt, dass sie eine besondere Seele besitzen und Greifswald ein Ort mit höchster Energie sei. Als Absender-Adresse ist in den Briefen der spanische Pilgerort Santiago de Compostela vermerkt.

„Diese Form der Ansprache ist mir neu“, sagt Wins. Das Muster sei jedoch dasselbe wie bei vielen anderen Methoden: Es werde ein hoher Gewinn in Aussicht gestellt, während die Opfer einen vergleichsweise winzigen Betrag zu zahlen hätten. „Was sind 30 Euro, wenn ich die Chance auf 100 000 Euro habe? Viele denken so und investieren das Geld“, sagt der 59 Jahre alte Jurist.

„Eine fiese Masche“, sagt Ute Kranich, Leiterin der Seniorenresidenz. Sie erfuhr durch Bewohner Hardy Hennig von den Schreiben. „Er entdeckte die Briefe im Papiermüll und regte sich tierisch darüber auf.“

Hennig sei es unangenehm gewesen, den Vorfall zu melden. „Ich krame ja nicht im Müll anderer Leute“, sagt der 77-Jährige. „Aber die groß- und fettgedruckte Summe von 135 800 Euro stach mir sofort ins Auge. Ich will andere warnen.“

 

André Wornowski

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