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Usedom Blaulicht, Sprechchöre und Lieder: Der Protest geht weiter
Vorpommern Usedom Blaulicht, Sprechchöre und Lieder: Der Protest geht weiter
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00:01 04.11.2016

„Wir geben nicht auf!“ Unter diesem Motto sind gestern Abend erneut etwa 1000 Menschen dem Ruf der Bürgerinitiative gefolgt, gemeinsam mit der Gruppe „Frieden, Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit“ (FFDG) in Wolgast für die Wiedereröffnung der gynäkologischen und Geburtsabteilung sowie der Station für Kinderheilkunde zu demonstrieren. Für anderthalb Stunden war deshalb die Chaussee- straße ab 17.30 Uhr gesperrt. Nur Rettungsfahrzeuge mussten bemerkenswert oft den Ort des Protestes queren. Die friedliche Veranstaltung wurde daher immer wieder unterbrochen. „Eine Provokation?“, fragte Moderator Norbert Kühl.

Lampions tragende Kinder mit ihren Eltern, Lokalpolitiker von Wolgast und der Insel Usedom, ehemalige Mitarbeiter des Kreiskrankenhauses und viele mit der Gesundheitspolitik der Landesregierung Unzufriedene zogen vom Platz der Jugend zur Klinikeinfahrt – begleitet vom Blaulicht von Feuerwehr- und THW-Einsatzfahrzeugen, deren Besatzungen so ihre Solidarität zeigten. „Wir sind hier, und wir sind laut, weil man uns die Klinik klaut!“, skandierten immer wieder Teilnehmergruppen. Dass Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) sowie ein Vertreter seiner Fraktion ebenso ihre Teilnahme abgesagt hatten wie der neue Staatssekretär für Vorpommern, Patrick Dahlemann (SPD) und CDU-Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe, löste großen Unmut unter den Demonstranten aus. „Typisch die da oben, die immer noch nicht begriffen haben, dass sie an der Bevölkerung vorbei, ja gegen sie Politik machen“, sagte eine ältere Dame, die anonym bleiben wollte.

Ähnlich äußerten sich dann auch die ersten Rednerinnen, MdL Jeannine Rösler (Die Linke) und Silke Gajek (B 90/Grüne), die den Protestlern ihre Unterstützung zusagten. Gajek rief zugleich dazu auf, nach neuen Wegen für eine medizinische Modellregion zu suchen. „Die Unimedizin Greifswald ist das Problem, sie ist ein Monster, das alles ringsherum auffrisst“, sagte die Grüne unter großem Beifall.

„Weiter kämpfen, weiter sich wehren!“, forderte Rösler. Gleiches sicherte auch Usedom Süd-Amtsleiter Karl- Heinz Schröder (CDU) zu. Sebastian Ehlers, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, hatte sich etlicher Pfiffe und Buh-Rufe zu erwehren, kündigte aber einen Runden Tisch mit allen Beteiligten an, den Minister Glawe im November einberufen wolle.

Wolgasts Bürgermeister Weigler dankte der Bürgerinitiative für ihren großen Einsatz für das Krankenhaus und forderte aus Schwerin „endlich Taten“. Versprechen habe es genug gegeben, die zudem nicht erfüllt worden seien; etwa jenes nach einer kindernotärztlichen Versorgung in Wolgast. Was sind dann noch Worte der Landespolitiker wert?

Für Gänsehautfeeling und basisdemokratisches Aufbegehren sorgte dann Thomas „Pute“ Putensen mit Liedern am Klavier („Alles bewegt sich und nichts ist für immer!“). Mit ihm sang die 16-jährige Gina Müller aus Hanshagen Udo Lindenbergs legendären Song „Wozu sing Kriege da?“. Putensen ließ keinen Zweifel: Wenn in einer Gesellschaft, die zig Milliarden (!) für die Rüstung ausgibt, kein Geld für eine wohnortnahe medizinische Grundversorgung der Menschen mehr da ist, laufe etwas gewaltig verkehrt.

Als letzter Redner trat mit Professor Ralph Weber (AfD) der Gewinner des Direktmandates vom 4. September ans Mikro. Er sicherte zu, die Interessen seiner Wähler vertreten und die Schließung rückgängig machen zu wollen. Mit den Stimmen seiner Parteifreunde, der Linken und der vorpommerschen „Patrioten“ von CDU und SPD sei das sogar im Landtag möglich. Dafür gab’s lautstarken Beifall.

Während des Protestes im Zentrum von Wolgast brannten inselweit entlang der B 111 die Kerzen auf den symbolischen Kreuzen. Auch sie sollen die Politiker mahnen, menschlich zu entscheiden.

Steffen Adler

Das Kreiskrankenhaus in Wolgast wird weiter ausgedünnt. Wie Geschäftsführer Dr. Thorsten Wygold auf Nachfrage bestätigt, soll das Labor der Klinik zum 1. Januar 2017 geschlossen werden.

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