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Brandopfer wehrt sich gegen Jobcenter

Wolgast Brandopfer wehrt sich gegen Jobcenter

Behörde in Wolgast lehnt Wohnungsangebot ab, das nur 1,6 Quadratmeter über der Angemessenheitsgrenze liegt

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Am frühen Morgen des 5. August war die Wolgaster Feuerwehr zum Wohnungsbrand im Aufgang Diesterwegstraße 7 ausgerückt.

Quelle: Tilo Wallrodt

Wolgast. Ungewöhnliche Aktion gestern Vormittag im Jobcenter Vorpommern-Greifswald Nord: Gegen 10 Uhr betritt Ronald Hank die Wolgaster Filiale in der Pestalozzistraße. In der Hand hält er ein Transparent, um öffentlich gegen das Vorgehen der Behörde in seinem Fall zu protestieren. „Ich will Aufmerksamkeit erreichen“, sagt der 27 Jahre alte Hartz IV-Bezieher. „Es kann doch nicht sein, dass jemandem, der wegen eines Brandes seine Wohnung verloren hat und in Not ist, eine neue Wohnung abgelehnt wird, nur weil diese ganze 1,6 Quadratmeter zu groß ist“, schimpft der Wolgaster.

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Behörde in Wolgast lehnt Wohnungsangebot ab, das nur 1,6 Quadratmeter über der Angemessenheitsgrenze liegt

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Die Angemessenheit war hier für eine Person zu prü- fen. Für eine Person werden 45 qm Wohnfläche als oberste Angemessenheits- grenze gesehen.“Jobcenter Vorpommern-Greifswald Nord

Doch der Reihe nach: Am frühen Morgen des 5. August brannte es um 2.11 Uhr im Erdgeschoss des Wohnblocks in der Diesterwegstraße 7. In der Wohnung von Ronald Hank standen Möbel und anderes Inventar in Flammen. Der junge Mann, der zu jenem Zeitpunkt nicht zu Hause war, hat eigenen Angaben zu Folge sein Hab und Gut nahezu komplett verloren. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung. Möglicherweise war ein Brandsatz durch ein einige Tage zuvor eingeworfenes Fenster in die Wohnung gelangt.

Zunächst, so Hank, sei er nach dem Brand bei seiner Mutter untergekommen. Zurzeit wohne er bei einem Cousin. Um möglichst schnell wieder eine eigene Bleibe zu haben, stellte er einen „Antrag auf Zusicherung zu den Aufwendungen einer neuen Unterkunft“, der am 11. August beim Wolgaster Jobcenter einging. Hank hatte sich zuvor an die Wohnungswirtschafts GmbH (WoWi) gewandt und dort drei Wohnungsangebote eingeholt. Zwei Wohnungen maßen gut 58 Quadratmeter, die kleinste 46,62 Quadratmeter. Aus Sicht der Behörde sind all diese Wohnungsangebote „unangemessen“.

Der Sachbearbeiter des Jobcenters beruft sich auf seine Vorschriften und belehrt seinen offenbar unschuldig in Not geratenen Kunden: „Die Angemessenheit war hier für eine Person zu prüfen. Für eine Person werden 45 qm Wohnfläche als oberste Angemessenheitsgrenze gesehen.“ Die Kaltmiete plus Betriebskosten dürfe maximal 287,73 betragen. Zwar lägen diese Kosten im Falle der kleinsten angebotenen Wohnung nur bei 281,43 Euro; allerdings seien die Wasserkosten von 20 bis 30 Euro noch nicht berücksichtigt, so dass auch dieses Wohnungsangebot zu teuer und der Antrag daher abzulehnen sei.

Ronald Hank ist empört: „Andere Leute bekommen alles bewilligt“, sagt er vieldeutig und fügt hinzu: „Ich wäre auch bereit, den Differenzbetrag von maximal 20 Euro selbst zu zahlen. Aber diese Möglichkeit hat man mir gar nicht erst eingeräumt.“ Das Jobcenter bleibt hingegen bei seiner Entscheidung. „Solange wir in Wolgast angemessenen Wohnraum haben, treffen wir im Normalfall keine Einzelfallentscheidung“, stellt Andrea Lehnhoff klar, Leiterin des Leistungsbereichs. Gleichwohl könne Ronald Hank trotz Ablehnung in eine Wohnung ziehen, die größer als 45 Quadratmeter sei. Die Kostendifferenz ab 287,73 Euro müsse er jedoch selber tragen. Im abschlägigen Bescheid sei dies – etwas verklausuliert – auch aufgeführt.

Damit wird Hanks Vorschlag, die Mehrkosten zu übernehmen, doch noch praktikabel. Und: Nach Brand stelle das Jobcenter laut Lehnhoff für den Betroffenen eine Wohnungserstausstattung bereit.

Tom Schröter

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