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Usedom Bröckelnde Brücken unter der B 111
Vorpommern Usedom Bröckelnde Brücken unter der B 111
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00:01 11.03.2016
Weil die Kreisstraße OVP 35 zwischen Benz und Balm tief eingeschnitten unter der B 111 hindurchführt, gilt der geplante Neubau der Kreuzung in Neppermin als kompliziert und teuer. Quelle: Siegfried Denzel

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute zuerst: Im Landkreis Vorpommern-Greifswald sind fast alle Fernstraßen-Brücken in einem akzeptablen bis guten guten Zustand. Und nun die schlechte Nachricht: Selbst wenn im kommenden Jahr die seit Herbst laufende Brückensanierung auf der B 109/110 nördlich von Anklam planmäßig abgeschlossen werden sollte, gibt es noch zwei Bauwerke, deren Zustand das Bundesverkehrsministerium mit „nicht ausreichend“ oder gar mit „ungenügend“ bewertet.

Beide sind Teil der B 111 — nämlich die Ziese-Brücke kurz vor Wolgast aus Richtung Moeckowberg sowie die altersschwache Brücke in Neppermin; letztere weist laut Ministerium so große Strukturschäden auf, dass sie in die unterste Kategorie eingestuft wurde. Eine weitere Verschlechterung ihres Zustands würde die teilweise oder vollständige Sperrung nach sich ziehen.

Dafür aber gibt es nach Angaben des Straßenbauamtes Neustrelitz noch keine Vorbereitungen: „Einschränkungen sind derzeit nicht beabsichtigt“, betont Behördenchef Jens Krage. Das heißt: Weil sich die Brücke in der geschlossenen Ortschaft befindet, ist auch kein zusätzliches Tempolimit wie auf der Ziese-Brücke geplant, wo der Verkehr seit Jahren bereits nur noch mit 70 Stundenkilometern unterwegs sein darf.

Allerdings sind die Pläne für einen Neubau der Nepperminer Brücke schon weiter gediehen als für die Brücke bei Wolgast. Laut Amtsleiter Krage untersucht seine Behörde derzeit „Knotenpunktsformen und Gestaltungsmöglichkeiten“ — mit anderen Worten: Es soll nicht nur die Brücke neu gebaut, sondern auch die unter ihr verlaufende Kreisstraße OVP 35 zwischen Benz und Balm besser integriert werden;

bislang gehören die spitz und steil verlaufenden Rampen von der Kreis- zur Bundesstraße zu den unübersichtlichsten Stellen im Usedomer Straßennetz.

Das heißt auch: Der Landkreis Vorpommern-Greifswald muss sich an den Kosten beteiligen. In der mittelfristigen Finanzplanung seien dafür etwa eine Million Euro vorgesehen, sagt Kreis-Sprecher Achim Froitzheim. Das seien etwa 40 Prozent der voraussichtlichen Gesamtkosten — obwohl der Verkehr auf der Kreisstraße nicht einmal 20 Prozent des Fahrzeugaufkommens auf der B 111 ausmache.

Für den Neubau der Ziese-Brücke indes ist der Bund allein zuständig; trotzdem ist das Planungsverfahren noch komplizierter als für Neppermin. Schließlich sei das Vorhaben Teil der schon seit Jahren verzögerten Wolgaster Stadtumgehung, bestätigt Michael Zarth von der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) in Berlin. Noch immer laufe das Planfeststellungsverfahren für das Gesamtprojekt, und noch immer gebe es keine Prognose zur Dauer der Vorbereitungen beziehungsweise zum möglichen Baustart. Deshalb prüfe die Deges gemeinsam mit dem Land, ob die Ziese-Brücke aus dem großen Stadtumgehungs-Paket herausgelöst und schon früher gebaut werden kann. „Ob dies gelingt“, räumt Deges-Sprecher Zarth ein, „kann derzeit nicht verlässlich vorhergesagt werden“.

Verschlusssache Brückenschäden

Dass viele der knapp 40 000 Autobahn- und Bundesstraßen-Brücken in Deutschland in einem besorgniserregenden Zustand sind, ist zwar schon seit Jahren bekannt. Detaillierte Angaben machte das Bundesverkehrsministeriums jedoch erst jetzt nach einem fast siebenjährigen Rechtsstreit mit einem Journalisten sowie einer Anfrage der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Demnach befinden sich derzeit gut 2550 Brücken in einem „nicht ausreichenden“ oder gar „ungenügenden“ Zustand. Weitere 12 000 bekommen nur noch ein „ausreichend“ — und damit die Schulnote 4.

Von Siegfried Denzel

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