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Charlotte mag die echten Seehunde in Rostock

Rostock Charlotte mag die echten Seehunde in Rostock

Im Robbenforschungszentrum Hohe Düne sehen Besucher den Forschern bei der Arbeit zu / Gäste dürfen die Tiere streicheln und mit ihnen schwimmen

Rostock. Tamara Heinrich blickt auf das Freiwasserbecken im Robbenforschungszentrum des Marine Science Center (MSC) in Hohe Düne bei Rostock. „Komm her, ,Luca’“, ruft die Wissenschaftlerin. Wenige Sekunden später springt ein Seehund aus dem Wasser auf die Plattform am Beckenrand. „Super!“, lobt Tamara Heinrich und wirft dem Tier einen Fisch zur Belohnung zu. „Luca“

reißt das Maul auf und spitze Zähne sind zu sehen. „Auch wenn er süß aussieht, ist er ein Raubtier“, erklärt sie.

Schüchtern beobachtet die vierjährige Charlotte aus Leipzig das Geschehen. Mit ihrer Mutter erlebt das Mädchen heute Seehunde hautnah. „Sie ist fasziniert von den Robben im Zoo und hat viele Seehund-Kuscheltiere“, sagt Silvana Erdmann.

„Luca“ hat es sich derweil auf der Plattform gemütlich gemacht. Der Seehund schließt die Augen. „Er genießt es, sich zu sonnen“, sagt Tamara Heinrich. Sie wendet sich Charlotte zu, die sich hinter ihrer Mutter versteckt. „Du kannst ihn gern streicheln.“ Vorsichtig macht Charlotte einen Schritt auf das Raubtier zu. Mit ihrer rechten Hand streicht sie über das nasse Fell. Charlotte lacht. „Das ist ganz glitschig“, meint sie. Seit 2008 befindet sich das MSC auf einem Forschungsschiff am Seekanal im Yachthafen Hohe Düne. Dort leben zwölf männliche Robben im Alter zwischen zwei und 34 Jahren. Unter anderem in drei Freiwasserbecken führen Mitarbeiter des Instituts für Biowissenschaften der Universität Rostock Studien zu Verhaltensweisen der Säugetiere durch. Besucher können von einem Sonnendeck aus die wissenschaftliche Arbeit und das Training mit den neun Seehunden, einem afrikanischen Seebären und zwei kalifornischen Seelöwen, verfolgen.

Frederike Hanke erforscht die visuellen Fähigkeiten der Tiere. „Ich habe Experimente durchgeführt, bei denen die Tiere spielerisch ihre Augen anstrengen mussten“, erzählt die 37-Jährige. So konnte nach mehreren Versuchen die Sehstärke der Tiere bestimmt werden. „Unter Wasser sehen Seehunde und Seelöwen ungefähr fünfmal schlechter als ein Mensch an Land“, sagt Frederike Hanke. Daher seien die Meeressäuger vor allem auf ihre Barthaare angewiesen. Mit denen können sie unter Wasser Bewegungen, etwa die von Fischen, wahrnehmen.

„Unsere Robben sind sehr motiviert“, sagt die Rostockerin. Ein Anreiz biete die Belohnung nach einer geglückten Aufgabe. Täglich bis zu zwei Kilogramm Fisch, meist Hering oder Sprotte, frisst ein Raubtier im Sommer. Im Winter ist es doppelt so viel. Doch ihre Nahrung erhalten sie nicht nur von den Forschern. „Das Freiwasserbecken ist lediglich durch ein Netz von der Ostsee getrennt“, sagt Frederike Hanke. „Im vergangenen Jahr hat sich einmal ein Heringsschwarm zu uns verirrt. Das war eine erfolgreiche Jagd. Unsere Tiere haben sich die Bäuche vollgeschlagen.“

Neben der Futterbelohnung motiviere auch die enge Bindung zwischen Mensch und Tier die Robben zur Mitarbeit. Ein Experiment beruhe auf Vertrauen. „Sie lassen sich von uns überall anfassen. Wir können beispielsweise ihren Mund öffnen und die Zähne untersuchen“, sagt die Expertin. „Wir muten ihnen nur so viel zu, wie sie auch selbst wollen.“

Neben der Möglichkeit, die Arbeiten zu beobachten und die Seehunde zu streicheln, können Gäste auch mit den Säugetieren schwimmen und tauchen. Praktikantin Nora Gierlings aus Nordrhein-Westfalen war im vergangenen Sommer mit „Henry“ im Wasser. „Das war ein Tag, den ich nie vergessen werden“, sagt die 27-Jährige. „An Land gab es den ersten Kontakt. Als ich mir den Neoprenanzug angezogen habe, war ich aufgeregt.“

Die Robbe sei ihr beim Schwimmen nicht von der Seite gewichen. „Seehunde sind so unfassbar schöne und intelligente Tiere“, schwärmt die Kfz-Mechatronikerin, die nach dieser Erfahrung für ein dreiwöchiges Praktikum zum MSC zurückgekehrt ist. „Es ist wunderbar, täglich mit diesen Wesen in Kontakt zu kommen“, sagt Nora Gierlings. „Ich freue mich immer, wenn Besucher das Forschungszentrum genauso glücklich und lächelnd verlassen, wie ich damals.“

Katharina Ahlers

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