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Usedom DJ Ötzi, Vanessa Mai und Co: Ein Stück heile Welt in Anklam
Vorpommern Usedom DJ Ötzi, Vanessa Mai und Co: Ein Stück heile Welt in Anklam
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16:23 26.07.2018
Steht am Sonnabend in Anklam auf der Bühne: Sängerin Michelle (hier 2017 beim Sommer-Hit-Festival am Timmendorfer Strand). Quelle: Olaf Malzahn
Anklam

Für die einen ist es Kitsch, für die anderen Kult: Kaum eine Musik polarisiert so wie der deutsche Schlager. Mit Stars wie Helene Fischer, die in knappen Höschen und Walle-Mähne auf der Bühne steht, hat sich er sich längst vom angestaubten Rentner-Image verabschiedet und ist gesellschaftsfähig, ja sogar hip geworden. Und tatsächlich stellen Stars wie Andrea Berg, mit mehr als 13 Millionen verkauften Tonträgern, viele Konkurrenten aus dem Rockbereich in den Schatten. Doch was fasziniert junge Menschen an diesem Phänomen?

Am Sonnabend kommen die Stars der Schlager-Szene zum Mega-Festival „Schlager pur“ nach Mecklenburg-Vorpommern. Doch was macht deren Faszination aus?

„Schlagertexte versteht jeder“

„Schlagertexte versteht jeder. Mit der Musik werden Geschichten erzählt, die man selbst erlebt hat oder gern erleben würde“, sagt Marcel Glöden vom Haus neuer Medien in Greifswald. Mit seinem Mega-Festival „Schlager pur“ lädt er am 28. Juli zum zehnstündigen Schlager-Marathon nach Anklam ein. Mit dabei: Schlager-Größen wie Beatrice Egli, Vanessa Mai, Michelle, DJ Ötzi, Bernhard Brink. Es ist auch ein Stück heile Welt, die Glöden den Besuchern präsentieren will. „Das ist das, wonach sich die Leute sehnen, und der Grund, warum Schlager so erfolgreich ist.“ Von 7000 Karten sind bereits rund 5000 verkauft. „Die Resonanz war riesig. Es gab sogar Anrufe aus anderen Städten, in denen Schlagerfreunde einen Bus gechartert haben, um gemeinsam herzukommen“, so Glöden.

Herz, Schmerz, Sehnsucht, Geborgenheit

„Eine einfache Melodie, ein einprägsamer Refrain, dazu Themen wie Herz, Schmerz, Sehnsucht, Geborgenheit, Liebe und Romantik“, das ist für Musikethnologen Julio Mendivil, Professor an der Universität Wien, das Erfolgsrezept des Schlagers. „Das hat auch etwas mit Wohlbefinden zu tun“, sagt Mendivil, der seine Doktorarbeit über den deutschen Schlager verfasst hat. „Viele Menschen benutzen die Musik, um sich eine Art klangliche Heimat zu konstruieren.“ Auch die Rostockerin Steffi Geißler ist leidenschaftlicher Schlager- Fan: „Früher war es Helene Fischer, mittlerweile höre ich gern Michelle oder Vanessa Mai, je nach Laune“, sagt die 39-Jährige. „Die Texte sind eingängig und handeln oft von Liebe und Verlassenwerden, was einen ja auch betrifft.“ Als „Schlagerpop“ würde sie die Musik bezeichnen. „Der Schlager von damals ist ja inzwischen viel moderner geworden.“

„Konservative Oma-Musik“

Diese Entwicklung bestätigt auch Mendivil: „Wenn man Musikstücke der 60er und 70er Jahre betrachtet, sieht man, dass der Schlager schon immer Einflüsse aus der Popmusik übernommen hat und daher eine dauerhafte Aktualität besitzt.“ Eine Ausnahme sieht er in den 80er Jahren, wo er plötzlich nicht mehr omnipräsent war, sondern in den Bereich Volksmusik verbannt wurde. „Das hat den Schlager altern lassen. Die Musik wurde als konservative Oma-Musik abgetan“, so Mendivil. Das habe sich in den letzten Jahren dank Stars wie Helene Fischer wieder radikal geändert: „Sie ist jung, hübsch, dynamisch und macht eine supercoole Show, das macht den Schlager wieder attraktiv für junge Leute.“

Mecklenburg-Vorpommern liebt den Schlager“

Das zeigt sich auch beim Schlagersender Radio B2, der erstmals 2016 in Mecklenburg-Vorpommern auf Sendung ging und zunehmend an Fans gewinnt: In Vergleich zum Vorjahr hat der Sender die Zahl der Hörer fast verdreifacht. In der jüngsten Media-Analyse von 2018 verzeichnet er ein Wachstum von fast 190 Prozent und erreicht damit durchschnittlich rund 23 000 Hörer in MV in der Stunde. Für Radio B2 Geschäftsführer Oliver Dunk ein Zeichen dafür, dass das Konzept aufgeht: „Mecklenburg-Vorpommern liebt den Schlager und wir bringen ihn zurück auf UKW“, sagt er. Zu den derzeit vier Frequenzen soll in diesem Jahr in Wismar ein weiterer UKW- Sender aufgeschaltet werden. Das Thema Schlager hatte in MV immer wieder für Schlagzeilen gesorgt, auch das Musikprogramm von NDR 1 Radio MV stand in der Kritik, weil sich der Sender weitgehend von Schlagern verabschiedet hatte. Dagegen hatte sich die Bürgerinitiative „Für mehr deutsche Musik im Radio“ eingesetzt. Auch Julio Mendivil plädiert für mehr Toleranz gegenüber den Schlagerfans: „Sie sind keinesfalls naiv oder realitätsfremd. Viele nutzen die scheinbar heile Welt lediglich, um eine Weile aus dem Alltag auszusteigen und sich besser zu fühlen.“

Stefanie Büssing

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