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Usedom Das Buch verändert sich
Vorpommern Usedom Das Buch verändert sich
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00:00 25.10.2018

OSTSEE-ZEITUNG: Als leidenschaftliche Leserin und Literaturliebhaberin, die ja auch von berufs wegen einfach vieles kennen muss: Welches Buch lesen Sie gerade?

Ute Henze ist Buchhändlerin durch und durch. In Wolgast ist sie eine Literaturinstanz. Quelle: Foto: Steffen Adler

Ute Henze: „Die Gewitterschwimmerin", eine außerordentlich interessante Familiengeschichte über mehrere Generationen, worin auch deutsche Geschichte, Widerstand in der NS-Zeit und die Entwicklung der DDR eine große Rolle spielen.

Und was lag zuvor auf Ihrem privaten Lesetisch? Und wie schmökern Sie am liebsten? Manch einer liest ja parallel etliche Bücher ...

Davor „Grenzgänger“, in dem ein Vater, tief gezeichnet von den Untaten des Krieges, nach Hause zurückkehrt, Trost in der Kirche sucht, sich abschottet, so dass seine Frau allein mit drei Kindern klar kommen muss. Aus der Not heraus wird der Schmuggel an der deutsch-belgischen Grenze zur Erwerbsquelle der Familie. Auf Dauer kann das natürlich nicht gut gehen ... Und davor habe ich den neuen Usedom-Krimi von Elke Pupke gelesen. Zum Lesen komme ich immer erst abends, nicht im Bett, wegen der Müdigkeit, aber ansonsten so lange, bis mir die Augen zufallen. Das parallele Lesen verschiedener Titel ist nicht so mein Ding.

Gibt es ein Literaturgenre, das sie besonders mögen und das ihre Lesegewohnheiten bestimmt?

Mich begeistern vor allem Gesellschafts- und Familienromane. Zeitporträts bringen mir Gewinn, Krimis sind es inzwischen weniger geworden.

Sie sind seit dreieinhalb Jahrzehnten im Buchhandel, seit März 1991 selbstständig. Wie sehen Sie heute die unglaubliche Schnelllebigkeit des Literaturmarktes?

Zweigeteilt. Zum einen haben junge, noch unbekannte Autoren heutzutage ganz andere Möglichkeiten, auf sich aufmerksam zu machen, den Markt zu erobern. Früher war alles komplizierter, Autoren, Verlage, Kataloge - das zog sich mitunter lange hin und blieb dann womöglich doch erfolglos. Heute bietet allein das Internet ganz andere Chancen, die Eigenvermarktung ist völlig normal geworden. Zum anderen ist heute ein Titel in aller Munde, ein paar Wochen später spricht kaum noch jemand darüber.

Oft schon vorhergesagt, aber bislang - trotz rückläufiger Kaufzahlen - nicht eingetreten: Sehen Sie die Gefahr, dass das gedruckte Buch ausstirbt?

Solche Hiobsbotschaft ist ja nicht neu, hat sich aber nicht erfüllt. Und ich glaube auch nicht daran. Das Buch wird bleiben, aber in veränderter Form. Das elektronische Lesen ist eine ernsthafte Konkurrenz und da wird sicher noch Neues hinzukommen. Bei uns im Geschäft zeichnet sich ganz klar ein neuer Trend ab: Die Kunden legen mehr Wert auf das schöne, aufwändig gestaltete, wertvolle, gebundene Buch. Etwa als Naturreihe oder Kinderbuchausgabe. Die Leidenschaft für Schönes ist wieder entfacht. Das darf auch ruhig etwas mehr kosten.

Vor dem Hintergrund der großen deutschen Buchmessen haben sich ja auch die Kollektionen vollständig verändert. Wie schlägt sich das in den Nachfragen Ihrer Kundschaft nieder?

Ausgaben, die noch vor zwei, drei Jahrzehnten der große Renner waren, sind inzwischen völlig weg vom Markt: Gesetzestexte, Autokarten, Ratgeber, Lexika, EDV-Anleitungen. Es boomen Kinderbücher, Heimat- und Regionalliteratur, spannende Zeitgeschichten, Biografien.

Die Leipziger Buchmesse gönne ich mir übrigens jedes Jahr, da lass ich mich treiben, schaue mich um, lasse mich drei Tage lang inspirieren. Das verschafft stets neue, wichtige Erkenntnisse.

Gerade hat OZ-Autor Tom Schröter sein zweites großes Wolgast-Buch veröffentlicht. Wie ist die Resonanz?

Großartig, es verkauft sich ausgezeichnet. Das gilt übrigens auch für andere Titel, die den Lesern Usedom, Wolgast und sein Umland nahe bringen, die unmittelbaren Bezug zur Region haben. Da spielen wohl auch Heimatgefühl und die Suche nach Identität der Menschen eine wichtige Rolle.

Wie strukturiert sich heutzutage Ihre Kundschaft der Literaturliebhaber im Nordosten?

Unsere Käufer und Interessenten kommen aus allen sozialen Bereichen, natürlich sind es sehr viele Senioren, die ihr Leben lang bereits begeistert lesen, aber auch Kinder und Mütter mit ihren Kindern. In der Altersgruppe zwischen 30 und 50 klafft vielleicht eine kleine Lücke, was mich nicht wundert. Wer einen Job hat, ist gerade in diesem Alter voll ausgelastet, im permanenten Berufsstress.

Welche Rolle spielen Touristen in Ihrer Buchhandlung?

Eine sehr wichtige. Zwischen Juni und August machen sie bis zu 70 Prozent der Käufer aus, während des restlichen Jahres ist es umgedreht, da verkörpern die Einheimischen etwa drei Viertel meiner Kundschaft.

Sie sind seit Jahrzehnten auch sehr aktiv, die Altstadt und den Kulturkatalog Wolgasts mit literarischen Veranstaltungen verschiedenster Art zu bereichern, manchmal gemeinsam mit dem städtischen Museum. Lohnt der große Aufwand, den Sie dafür regelmäßig betreiben?

Finanziell betrachtet nicht. Denn manchmal ist der Kreis der Zuhörer überschaubar, was den Autoren, die sehr gern zu uns kommen, aber nicht missfällt. Denn dann ist der Kontakt enger, wird der Dialog offener und persönlicher. Prinzipiell aber ist es für mich eine Herzenssache, Autoren, Bücher und Leser zusammen zu bringen.

Was wünschen Sie sich von den politisch für Wolgast Verantwortlichen, damit die historische Altstadt wieder attraktiver wird?

Zunächst - Wolgast und seine Altstadt haben Potenzial, da geht wirklich noch mehr. Wir müssen durchhalten. Ich bin sicher: Eines Tages wird diese schöne Kleinstadt aus dem Dornröschenschlaf aufwachen. Dabei setzte ich auch Hoffnung auf den neuen Stadtmanager. Und auf die jungen Menschen von hier. Traut Euch, stellt selbst etwas auf die Beine und geht damit an die Öffentlichkeit. Es lohnt sich!

Interview: Steffen Adler

Bücher von hier – neue Serie

Im gut sortierten Buchhandel findet sich eine Fülle regionaler Titel. Tendenz: zunehmend. Ob Krimi, historischer Roman, Sachbuch, Bildband oder Poesieheft – wer sich in gedrucktem Format über die Insel Usedom, die Stadt Wolgast und deren Umgebung informieren und unterhalten lassen will, hat eine nahezu unüberschaubare Auswahl. Dazu zählt auch leichte Kost für den Strandkorb wie Liebesgeschichten und Thriller. Um etwas Licht in den Bücherdschungel zu bringen, stellen die OZ und Wolgasts Buchhändlerin Ute Henze in einer wöchentlichen Reihe ausgewählte Titel vor.

Von der Pike auf

Die gelernte Buchhändlerin ist Jahrgang 1964 und in Mölschow auf Usedom geboren, wo sie bis heute zu Hause ist. Nach Schule und der Ausbildung in Leipzig begann sie 1982 als Angestellte in der Wolgaster „Buch und Kunst“-Filiale zu arbeiten, übernahm diesen Buchhandel 1991 käuflich von der Treuhand und führt ihn seitdem sehr erfolgreich. Zum langjährigen Stammteam zählen außerdem Kathrin Burmeister und Cornelia Lada.

Im Geschäft in der Langen Straße hält Henze etwa 5000 Titel für Literaturliebhaber bereit. Wessen Favorit nicht dabei ist, erhält ihn allerdings per Bestellung aus dem Zentrallager in Bad Hersfeld vom Nachmittag auf den nächsten Morgen. Ute Henze ist verheiratet, hat einen erwachsenen Sohn und engagiert sich vielfältig für eine attraktive Altstadt von Wolgast. Ihre Veranstaltungen gehören zu den meistbesuchten in der Stadt.

OZ

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