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Usedom Das Ende einer Ära: Dittmeier hört auf
Vorpommern Usedom Das Ende einer Ära: Dittmeier hört auf
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00:00 11.12.2017
Ein Teil der Belegschaft vor den Portraits des Vaters (l.) und Großvaters von Dittmeier: Markus Wiesner, Christian Reimann, Silvia Steinfeld, Ronald Dittmeier, Renata Zielinska, Dennis Oelkers und Ivonne Dittmeier (von links).
Ahlbeck

Tradition verpflichtet, heißt es. Doch Ronald Dittmeier will sich nicht mehr verpflichten lassen. Zum Jahresende gibt der 63-Jährige seine Gaststätte am Ahlbecker Grenzübergang zu Swinemünde auf. „Ich will mich stärker der Familie widmen. Meine Kinder sind 5 und 8 Jahre alt. Zudem habe ich erlebt, dass die Gastronomie in den letzten Jahren keine vernünftige Wertschätzung mehr erfährt. Fachkräfte gibt es auch kaum noch“, nennt er drei Gründe seines Rückzuges.

Damit endet eine Ära, die vor 45 Jahren begann. 1972 wurde die Gaststätte von Mitropa (Bewirtungs- und Beherbergungsgesellschaft) eröffnet, sechs Jahre später übernahmen die Eltern des heutigen Inhabers das Haus, das besonders bei Grenzgängern beliebt ist. 1983 folgte der Junior ins Geschäft – „meine Wanderjahre hatte ich hinter mir“, sagt Ronald Dittmeier, der in der dritten Generation seiner Familie Küchenmeister ist. Mit Mitropa ging es in die Wendezeit. „1992 wurde das Unternehmen abgewickelt. Fast 6000 Arbeitsplätze gingen damals den Bach runter“, erinnert sich der heutige Korswandter, der in dem Jahr ein Gewerbe anmeldete und sich mit der Raststätte selbstständig machte. Und das mit einem originellen Namen, denn aus geografischer Sicht ist es die „letzte deutsche Gaststätte vor Moskau“. Die Idee schnappte er übrigens auf Sylt auf, weil es dort ein Haus gab, was sich als „letzte deutsche Kneipe vor England“ bezeichnete.

Dittmeier startete nun richtig durch und investierte 1996 in einen Neubau. Ostern 1997 wurde die Kultgaststätte an der Grenze in einem neuen Outfit wieder eröffnet. Für die Grenzgänger gab es nebenan nun auch eine neue öffentliche Toilette. In Spitzenzeiten beschäftigte der Gastronom 24 Mitarbeiter. „Viele Jahre haben wir Lehrlinge ausgebildet und übernommen. Zwei von ihnen sind schon seit zehn Jahren im Unternehmen.“

Hoffnung auf eine Weiterbeschäftigung dürfte die Belegschaft haben, denn die Gaststätte soll weiter betrieben werden. „André Domke übernimmt das Haus ab 2018. Er will wohl auch erstmal umbauen. Ob es hier künftig nur Fisch gibt, weiß ich nicht“, sagt Ronald Dittmeier, der seinen Nachfolger übrigens auch mal zu seinen Lehrlingen zählte.

Und der rückblickend auf 40 Jahre Gastronomie von Höhen und Tiefen spricht, die vor allem auch der politischen Lage geschuldet waren. Als Deutsche und Polen noch der Schlagbaum trennte, galt der Grenzbereich mit der Gaststätte als ein Nadelöhr der Verkehrsströme. Anfangs war es ein Grenzübergang nur für Fußgänger. Die Europabuslinie, die bis Swinemünde führt, gab es damals nicht. Die Usedomer Bäderbahn fuhr auch nur bis zur Grenze. Radfahrer konnten noch nicht über die Europapromenade ins Nachbarland und mussten die Ahlbecker Chaussee nutzen. Irgendwie kam jeder bei Dittmeier vorbei. „Gute, schnelle Gastronomie und Selbstbedienung, das war unser Konzept. An guten Tagen gingen 1000 bis 1500 Mittagsportionen weg. Schnitzel war beliebt, Königsberger Klopse auch“, so Dittmeier, der ab Dezember 2007 einen finanziellen Einbruch erlebte. Die deutsch-polnische Grenze wurde für den Verkehr freigegeben. Pkw rollten an seinem Haus nun vorbei. „Der Umsatz verringerte sich um etwa 30 Prozent.“ Durch die Wildvermarktung, die der Jäger seit gut zehn Jahren anbietet, konnte er die Verluste auffangen. Mit seiner Frau Ivonne hat er auch eine Finanzerin an seiner Seite, die ab 2018 der Gastronomie ebenfalls den Rücken kehrt und für die Deutsche Bank als selbstständige Finanzberaterin tätig ist.

Sein Engagement bei der Organisation von Veranstaltungen in den Kaiserbädern – „die Zusammenarbeit mit Karin Lehmann war immer sehr gut“, so Dittmeier – hat er zurückgefahren. Bis auf einen Termin im Jahr: „Das Ulrichshorster Dorffest werden wir auch weiter begleiten.“ Legendär ist dort die Torten- und Kuchenparade. Dieser Tradition fühlt sich Ronald Dittmeier verpflichtet.

16. Dezember, ab 11 Uhr,

Raststätte zur Grenze in Ahlbeck:

Ausverkauf mit gemütlichem

Beisammensein

Henrik Nitzsche

In mindestens 69 Filmen wirkte Reginald Pasch mit. Hier ein Auszug: 1912: „Wenn die Maske fällt“ 1915: „Drei Väter – ein Sohn“ 1916: „Die Reise ins Jenseits“ ...

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