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Usedom Das Ende eines Lebens-Kapitels
Vorpommern Usedom Das Ende eines Lebens-Kapitels
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00:00 08.02.2018
Regina Krüger führte 27 Jahre lang die Strandbuchhandlung in Ahlbeck. Jetzt hat sie mehr Zeit für ihre Familie. Quelle: Foto: Ingrid Nadler
Albeck

Für Regina Krüger hat zu Jahresbeginn ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Darüber freuen sich ihr Mann, die beiden Töchter und die vier Enkelkinder. Freut sie sich auch? Die in Loddin wohnende Buchhändlerin, die 27 Jahre lang die Strandbuchhandlung in Ahlbeck inne hatte, hat einen klugen Sinnspruch parat: „Hör nie auf anzufangen, fang nie an aufzuhören.“ Es sei Zeit gewesen, sich an ein Leben ohne tägliche Verpflichtungen und den damit verbundenen Stress zu gewöhnen, sagt die 67-Jährige. Sie hat die weithin bekannte und geschätzte Buchhandlung an ihre junge Kollegin Karolin Asmus übergeben, von der sie weiß, dass auch sie den Beruf liebt.

Als bekannt geworden war, dass Regina Krüger in den Ruhestand treten will, hat es etliche Begehrlichkeiten von Geschäftsleuten gegeben, die den lukrativen Standort in der Seestraße für sich gewinnen wollten. Sie hatten nicht die Spur einer Chance. Für Regina Krüger kam weiterhin nur eine Buchhandlung in Frage. Für ihre langjährige Kundschaft, die sowohl aus Einheimischen, als auch aus Generationen von Urlaubern besteht, wäre der Verlust schmerzlich gewesen. Das weiß sie.

Sie spricht vom sinnlichen Vergnügen, ein Buch aufzuschlagen, darin zu blättern, einen Hauch von Druckerschwärze wahrzunehmen. „Das teilen viele Kunden mit mir.“ Selbst als Hörbücher auf den Markt kamen und man das Buch schon für tot erklären wollte, und später E-Books Einzug hielten, haben Literaturfreunde dem gedruckten Buch die Treue gehalten. „Das läuft parallel und das wird auch so bleiben“, sagt Regina Krüger überzeugt. Auch davon, dass so kleine, inhabergeführte Buchläden die Konkurrenz der eher anonymen Paläste nicht fürchten müssen. „Buchhändler sind ja viel mehr als Buchverkäufer. Kunden wollen beraten werden und sie unterhalten sich auch gern über das Gelesene. Das setzt natürlich voraus, dass man selbst viel und gerne liest und einen guten Überblick über Neuerscheinungen behält.“

Der alljährliche Besuch der Leipziger Buchmesse ist ihr ein Bedürfnis gewesen. Hier konnte die Insulanerin wichtige Kontakte zu Verlagen knüpfen. Ebenso froh war sie über Buchbesprechungstage, die der Deutsche Börsenverein in Hamburg oder Berlin organisiert. Bei diesen Gelegenheiten sind nicht selten Autorenlesungen in Usedomer Kirchen und Hotels verabredet worden.

Dass diese Veranstaltungen nicht alle lukrativ waren, deutet sie nur an. Trotzdem erinnert sich die Buchhändlerin mit Freude an so manchen schönen Abend, der sie und ihre Leser auf andere Weise bereichert hat. Anders als zu DDR-Zeiten, als den Buchhandlungen begehrte Neuerscheinungen im wahrsten Sinne des Wortes zugeteilt wurden, konnte man nach der Wende aus dem Vollen schöpfen. „Vor allem habe ich mich über die Fülle an Regionalliteratur gefreut, die plötzlich auf dem Markt erschien. Solche Autoren wie Carola Stern und Hans Werner Richter wurden neu aufgelegt“, nennt Regina Krüger Beispiele einer neuen Offenheit. Ein einschneidendes Erlebnis sei 1994 die von ihr organisierte Lesung mit Ingo Hasselbach gewesen. Die Heringsdorfer Kirche sei bis auf den letzten Platz gefüllt gewesen, als der Neonazi-Aussteiger über seine Beweggründe sprach. Dass deswegen nicht nur die Kirche, sondern auch ihr Privathaus unter Polizeischutz gestellt werden mussten, sagt viel über jene bewegte Zeit aus.

Und nun? Man muss auf Regina Krüger nicht ganz verzichten. Sie wird ein engagierter Mensch bleiben. So möchte sie zum Beispiel in Usedom und Heringsdorf bei Lesewettbewerben weiter in der Jury mitarbeiten. „Kinder fürs Lesen zu begeistern und ihnen damit eine neue Welt zu erschließen, wird mir immer wichtig sein.“ Und auch in der Strandbuchhandlung in der Ahlbecker Seestraße wird man sie gelegentlich noch antreffen. Sie hat zum Abschied noch ein Zitat, diesmal von Leonardo da Vinci, auf Lager: „Das Ende eines Dinges, ist der Anfang eines anderen.“

Ingrid Nadler

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