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Usedom Restaurator tilgt 150 Jahre alte Bausünden
Vorpommern Usedom Restaurator tilgt 150 Jahre alte Bausünden
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18:35 17.03.2019
Mitarbeiterin Kerstin Wagner reinigt das wertvolle Sterngewölbe von Schmutz und maroder Bausubstanz. Quelle: Tom Schröter
Wolgast

Die St. Gertrud-Kapelle auf dem Alten Wolgaster Friedhof gilt als ein faszinierendes spätgotisches Bauwerk. Zurzeit sind der erfahrene Restaurator Peter Wagner und seine Frau Kerstin mit der Sanierung des Kapelleninnern befasst. Ein Großteil der Arbeiten hat mit Bausünden zu tun, die hauptsächlich während der letzten, in den Jahren von 1864 bis 1869 vorgenommenen umfangreichen Restaurierung begangen worden sind.

„Damals wurden die Innenwände etwa bis hinauf zu den Kapitellen mit einem dicken Betonputz versehen, was fatale Folgen für das mittelalterliche Mauerwerk mit sich brachte“, berichtet Peter Wagner. „Weil eine Regenableitung fehlte, zog die Feuchtigkeit in das hochkapillare Mauerwerk und der Beton verhinderte, dass das Mauerwerk die Nässe wieder abgeben konnte. In der Folgezeit setzten Frostschäden und Salzeinlagerungen der alten Bausubstanz schwer zu.“

Kompressenputz zieht Nässe und Salze an

Seit Oktober vergangenen Jahres wurde der seinerzeit aus ästhetischen Gründen aufgebrachte Beton – im Jahr 1935 wurden die Flächen zusätzlich noch mit einem Zement-Kalk-Gemisch verputzt – aufwendig entfernt. Die durchnässten und durchsalzten Wandabschnitte wurden daraufhin großflächig mit einem speziellen Opferputz, einem Kompressenputz, versehen. „Dieser Kalkmörtel“, so erklärt Wagner, „enthält Hohlglaskügelchen, Zellulose und Mentonit, die dafür sorgen sollen, dass wir die Nässe und die zerstörerisch wirkenden Kristallisationsprodukte aus dem Mauerwerk heraus bekommen.“

„Ein knackig kalter Winter“, da ist sich der 60-jährige Fachmann sicher, „hätte diesen Prozess beschleunigt.“ Aufgrund der relativ milden Witterung müsse der Opferputz nun mindestens noch zwei Monate auf den Wänden verbleiben. Dann soll er entfernt und an seiner Stelle ein reiner Kalkmörtel dünn aufgetragen werden.

Restaurator Peter Wagner verweist auf uralte Wandmalereien unterhalb der Fensternischen. Quelle: Tom Schröter

Bei der Beseitigung des Betons stieß das Ehepaar Wagner auf uralte Malereien und Ritzungen. Dabei handele es sich um nachreformatorische Weihekreuze sowie um zwölf jeweils neben den Fenstern befindliche Kreuzdarstellungen, die laut Peter Wagner aus der Gründerzeit der Kapelle im Jahr 1420 herrühren. Indem die Wände künftig lediglich mit einer dünnen Lage aus Kalkmörtel versehen werden, könnten die Konturen der Kreuze auch nach der Restaurierung sichtbar bleiben. Setzungsrisse im wertvollen Sterngewölbe und Schäden im Mauerwerk würden hingegen professionell verschlossen. Die roten Gewölberippen sollen, ebenso wie zum Beispiel die einstige Altar- und die Kanzelnische sowie der als Blende noch erkennbare Herzogsausgang, sichtbar bleiben und die Begleitmalerei der Gewölberippen wieder vervollständigt werden.

Rundweg um die Kapelle soll entstehen

Das Land und die Stadt finanzieren die insgesamt etwa 300000 Euro teure Restaurierung. Laut Uwe Quosdorf vom federführenden Förderverein sind darin auch die Arbeiten im Außenbereich eingeschlossen. Mehrere große Bäume in unmittelbarer Nähe der Kapelle wurden bereits entfernt. Vorgesehen ist die Anlage eines Rundweges im Abstand von etwa 15 Meter vom Sakralbau. Mehrere Bänke sollen den Pfad säumen. Zudem erhält das Objekt eine neue E-Versorgung, um zum Beispiel künftig eine dauerhafte Klimatisierung des Gebäudeinnern zu gewährleisten. „Das alte Gestühl wird zurzeit vom Tischler aufgearbeitet“, so Quosdorf.

Gemäß dem ausgearbeiteten Nutzungskonzept sollen später in St. Gertrud Beerdigungen, aber auch Trauungen, Konzerte und andere kleine kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Die Wiedereröffnung ist im kommenden Jahr geplant, wenn das 600-jährige Bestehen dieses weit und breit einzigartigen Wolgaster Baujuwels feierlich begangen wird.

Tom Schröter

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