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Dehoga: „Gastronomie ist besser als ihr Ruf“

Zinnowitz Dehoga: „Gastronomie ist besser als ihr Ruf“

IHK und Arbeitsagentur sehen gute Entwicklungschancen in der Branche / Verband: „Durch das Trinkgeld verdoppelt sich das Gehalt.“

Zinnowitz. Auf der Insel Usedom fehlt es an Fachkräften in der Gastronomie. Dieser Fakt ist nicht ganz neu, aber der kürzlich veröffentliche Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit machte den Ernst der Lage erneut deutlich. Demnach sind nach offiziellen Statistiken rund 200 Stellen in der Branche auf Usedom und in der näheren Umgebung unbesetzt.

Nach einem OZ-Beitrag in der vergangenen Woche meldeten sich sich viele Nutzer im sozialen Netzwerk Facebook zu Wort. Sie monierten fehlenden Wohnraum, die nicht zugesicherten Ruhepausen und die nicht ausreichenden Löhne. Doch ist die Gastronomie wirklich so hart und ungerecht?

„Finanziell auf jeden Fall nicht“, sagt Peter Drechsler, Vorsitzender der Dehoga in Ostvorpommern. „Es liegt ganz an einem selbst. Wenn man freundlich, kompetent und zuvorkommen erscheint, dann erwirtschaftet man viel Trinkgeld. Und dadurch kann der Lohn durchaus verdoppelt werden“, sagt er. Er sieht seine Branche oft in den Medien falsch dargestellt. „Andere Berufszweige wie zum Beispiel Verkäufer, sind oft schlechter dran“, erklärt er. Aber er bedauert es, dass auf auf Wahlplakaten mit den schlechten Löhnen in seinem Gewerbe geworben wird. „Das stimmt nicht. Wer gut arbeitet, bekommt auch gutes Geld.“

Laut Entgeltatlas der Bundesagentur belegt Mecklenburg-Vorpommern im Bund nur einen hinteren Platz, was die Bezahlung im Gastgewerbe angeht. Im mittleren Durchschnitt verdient eine Fachkraft im Gastgewerbe 1369 Euro brutto. Spitzenreiter in der Erhebung ist Hessen mit 1700 Euro.

Klaus-Peter Köpcke, operativer Leiter der Bundesagentur für Arbeit in Greifswald, kennt die Situation auf dem Arbeitsmarkt. „Es wäre eine Fiktion zu glauben, dass es bald keinen Fachkräftemangel mehr gibt“, sagt der 40-Jährige. „Die Probleme gibt es leider in jeder Branche“, bedauert er. Der Wettbewerb in der Gastronomie sei groß. „Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten. Und jeder Arbeitgeber buhlt um das beste Personal“, sagt er. Er versichert aber auch, dass die Branche jede Menge Weiterbildungsmöglichkeiten bietet. „Für viele Arbeitnehmer müssen Familie und Beruf vereinbart werden. Das ist oft nicht immer leicht“, sagt er.

An ein baldiges Ende des Fachkräftemangels glaubt auch Peter Drechsler nicht. „Die Gier nach Geld und Erweiterung der bestehenden Hotelanlagen ist größer als das Sättigungsgefühl“, sagt er. Er blickt damit auf die Hotelanlagen, die noch auf Usedom gebaut werden sollen. Er denkt da nur an die Kaiserbäder und Karlshagen. „Das Personal, welches in den Häusern arbeiten soll, muss ja auch irgendwoher kommen“, sagt er. „Wir müssen die Langzeitarbeitslosen von der Couch holen und sprichwörtlich an die Hand nehmen“, sagt er. „Dann klappt es auch mit der Integration auf dem Arbeitsmarkt“, erklärt er.

Vor Kurzem laß er von einem Holländer, der in seinem Hotel Arbeitslose zu Kellnern, Köchen und Co. ausbildete. „Sie wurden immer motivierter und hatten Spaß bei der Arbeit. So etwas sollte uns auch gelingen“, plädiert er.

Ellen Grull, Leiterin der Aus- und Weiterbildung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Neubrandenburg, erklärt, dass junge Arbeitnehmer in der Gastronomie unheimlich gute Entwicklungschancen haben können. „Der Grundstein für eine gute Zusammenarbeit zwischen der Gastronomie und den künftigen Azubis kann im Schulalter gelegt werden. Es bestehen wunderbare Schulpatenschaften – auch auf Usedom“, weiß sie. Durch Praktika können die Schüler in den Beruf schnuppern.

Einen Schritt weiter als noch vor zwei Wochen ist mittlerweile der Zinnowitzer Unternehmer Jörg Borchardt. Sein Hilferuf in der OSTSEE-ZEITUNG fruchtete. „Ich habe einen Mitarbeiter bekommen“, sagt er. Eigentlich wollte er sein Geschäft einen Tag in der Woche schließen. Doch nun, wieder besser besetzt, öffnet er wieder täglich.

Hannes Ewert

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