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Usedom Dei Ückeritzer Waldgeister vertell‘n hüt allens up Platt
Vorpommern Usedom Dei Ückeritzer Waldgeister vertell‘n hüt allens up Platt
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00:00 03.04.2014
Emmi Preuß hört ganz genau hin, ob Annalena, Jannis und Nikolas (v.l.) die plattdeutschen Wörter richtig aussprechen. Quelle: Angelika Gutsche

Die Pflege plattdeutschen Brauchtums hat in Ückeritz eine gute Tradition. Im Verein „Uns Plattdütsch Runn‘“ treffen sich seit 22 Jahren zumeist ältere Bewohner des Ostseebades, um die Sprache zu pflegen und Programme aufzuführen.

Der Nachwuchs scheint gesichert. Die Volkssolidarität hat der örtlichen Kita mit „Dei lütten Waldgeister“ nicht nur einen plattdeutschen Namen gegeben — mindestens einmal pro Woche wird in der großen Gruppe von Erika Kruse „up Platt vertellt“ und gespielt.

Die Anfänge reichen auf die Initiative von Monika Labahn, eifrige Bücherschreiberin und Programmgestalterin von „Uns Plattdütsch Runn“, zurück. „Das war 2000 und betraf zunächst die Hortkinder“, sagt über die Anfänge Erika Kruse, die jetzt mit Unterstützung ihrer früheren Kollegin Emmi Preuß (74) die Brauchtumspflege in der Kita fortsetzt. „Der Besuch in der Kita macht mir Freude. So kann ich ein bisschen helfen, damit die Sprache unter den Jüngsten zumindest etwas weiter lebt“, sagt „Tante Emmi“, wie sie die Kinder nennen.

Die Vier- bis Siebenjährigen sind mit Eifer dabei. „Das klingt manchmal ganz schön ulkig und macht Spaß“, sagt die sechsjährige Annalena.

Gerade dreht sich alles um den Frühling, „dat Fröhjohr“, wie die Gruppe weiß. Was ihre „Krusi“ sie auch fragt — die Antwort kommt perfekt auf Platt. Zum „Fröhjohr“ gehören „Blaumen, Osterhosen, Blüten unn Knospen mit Bläderspitzen“. Gedichte, wie das vom April, „dei nich weit, wat hei will“, und Ratespiele, wie „Pinkepanke, Schmitt is kranke, wo sall hei woh‘n? Unner oder boben“ sind kurzweiliger Zeitvertreib und spielerisches Lernen der mitunter schwierigen Wörter. Mächtig gekichert wird, wenn die Kinder paarweise über einen fiktiven Jahrmarkt schlendern und „Nix geiht över de Gemütlichkeit — ei jo — kiek eis dor“ singen.

„Zu Anfang finden sie das immer nur ulkig. Aber später sind sie stolz, wenn sie die Alten verstehen oder selbst ein bisschen erzählen können“, hat Erika Kruse seit 2000 an vielen Kindern beobachtet.

Allerdings gibt es auch in den Familien von Charlotte, Tony, Kilian, Nikolas, Amelie, Bennet und den anderen immer weniger Mitglieder, die plattdeutsch reden. Nicht ohne Stolz sagt Erika Kruse:

„Unsere Kinder können das zumindest verstehen.“

Die Sprachinitiative der Kita hat einen schönen Nebeneffekt. Im Miteinander des Ortes ist sie Mittel zum Zweck. „Nicht zuletzt geht es uns darum, die Generationen des Ortes über die regional verwurzelte Sprache zu verbinden“, schildert die Erzieherin. Bei den regelmäßigen Besuchen im Heimatverein und in der Plattdeutschen Runde kommen sich ältere Ückeritzer und die Kinder näher. „Die Alten empfinden es als besonderes Geschenk, wenn wir sie bei Zusammenkünften und Festen besuchen, ihnen Programme auf Plattdeutsch vorführen und sie mit den Kleinen reden können. Oft leben die eigenen Kinder und Enkel weit entfernt und da sind die Kontakte zur jüngeren Generation des Ortes willkommen.“

Keine Plattsnacker
Aus anderen Regionen zugereiste Verehrer des Plattdeutschen bringen gern den Begriff des „Plattsnackers“ ins Spiel. Doch wie man weiß, ist Platt nicht Platt und die Rechtschreibung umstritten. Die regionalen Unterschiede sind enorm. Deshalb hier die Klarstellung eines gebürtigen Pommern und Usedomer Freundes des regionalen Plattdeutschens: „Bi uns ward nich snackt, bi uns ward red´t“.



Angelika Gutsche

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