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Usedom Demo am Jahrestag der Hiobsbotschaft
Vorpommern Usedom Demo am Jahrestag der Hiobsbotschaft
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00:00 28.10.2016

In einem immensen Kraftakt bereitet die Bürgerinitiative für ein Kreiskrankenhaus mit allen seinen Abteilungen (BI) für den 3. November die voraussichtlich letzte Großdemonstration dieses Jahres vor. Mehrere hundert Teilnehmer sollen dann nach dem Willen des Veranstalters mit einem Protestmarsch in Wolgast vom zentralen Platz der Jugend bis zum Kreiskrankenhaus der Öffentlichkeit ein weiteres Mal klar machen, dass sie nicht aufgeben. „Es bleibt das Ziel, die am 3.11. vor genau einem Jahr von Sozialministerin Birgit Hesse verkündete Schließung von drei Stationen am Kreiskrankenhaus als alternativlose Entscheidung rückgängig zu machen, weil sie falsch war“, so BI-Vorstandsmitglied Walter Klingner aus Mölschow.

Dass es in den zurückliegenden Wochen etwas ruhiger um die BI geworden war, hat seine Gründe nicht nur im nachvollziehbaren Kräfteverschleiß. Nach der Landtagswahl am 4. September gingen neue Einladungen zu Gesprächen an namhafte Vertreter einflussreicher Parteien in MV heraus. Nicht alle Erwartungen wurden erfüllt, so warten die Vorständler der BI um Anke Kieser (CDU) und Dr. Brigitte Knappik weiter auf eine Einladung in die Staatskanzlei. Immerhin hatte Regierungschef Erwin Sellering (SPD) am Rande des Usedomer Musikfestivals eine solche Unterredung in Aussicht gestellt. Doch bislang blieb es bei einem Treffen mit Sozialministerin Birgit Hesse (ebenfalls SPD), die zugesagt haben soll, eine alternative Konzeption der Initiative für eine kleinere Kinderabteilung zu prüfen.

Im Dialog waren die Protestler derweil mit dem Links-Politiker Torsten Koplin und in der Vorwoche mit Professor Ralph Weber. Der AfD-Mann und Wissenschaftler an der Greifswalder Uni hatte Anfang September im hiesigen Wahlkreis 30 das Direktmandat gewonnen und sich im Vorfeld öffentlich dafür ausgesprochen, die Schließung mehrerer Abteilungen der Klinik revidieren zu wollen. Jetzt will ihn die BI offenbar in die Pflicht nehmen. Nachdem die OSTSEE- ZEITUNG von der Beratung mit Weber in einer Wolgaster Gaststätte am 20. Oktober ausgeschlossen worden war und auch anschließend nur wenige und äußerst spröde Informationen erhielt, sprechen die Protestler jetzt von einem „sehr zufrieden stellenden Gespräch“ mit dem AfD-Mann. Erst wenn sämtliche Unterredungen gelaufen sein werden, solle die Öffentlichkeit mehr über die verhandelten Inhalte erfahren, hieß es in einer gestern verbreiteten Pressemitteilung. Mit Lars Bergemann (Die Linke) sieht dies indes sogar ein führender Denker der BI kritisch. Transparenz und Offenheit seien von Anfang an wichtige Prinzipien der Arbeit gewesen.

Für die Demo am kommenden Donnerstag soll Ralph Weber jedenfalls zugesagt haben, ein Statement vor den Teilnehmern abzugeben. Das trifft laut BI auch zu für den neuen Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU), Wolgasts Bürgermeister Stefan Weigler (parteilos), MdL Jeannine Rösler (Die Linke) und Silke Gajek (Bündnis 90/Grüne). Weitere Anfragen seien noch unbeantwortet. Nicht auf der Liste der Redner steht der künftige Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD). Auf Anfrage unserer Redaktion machte er sein Interesse an der Problematik geltend, aber auch den Umstand, dass für ein erstes gegenseitiges Kennenlernen „eine Protestkundgebung kein geeigneter Rahmen“ sei. Der politische Senkrechtstarter aus Torgelow hatte sich vor der Wahl an keiner Protestaktion zugunsten des Wolgaster Krankenhauses beteiligt, stehe jedoch „zeitnah zu einem Gespräch in interner Runde zur Verfügung“, versicherte er. Seiner Meinung nach sei in Sachen Kreiskrankenhaus vor allem in der Kommunikation zwischen den Beteiligten „einiges schief gelaufen“.

Unterdessen haben BI-Sympathisanten inselweit große Holzkreuze am Fahrbahnrand aufgestellt. Sie sind mit Kuscheltieren bestückt und symbolisieren den Kampf von Müttern der Region um die Wolgaster Kinderstation. „Geburtsort Bundesstraße 111 – Nicht mit uns!“ ist darauf zu lesen – eine Anspielung auf die weiten Wege zur Entbindung nach Anklam oder Greifswald. Die Kreuze ernten nicht nur Zustimmung, vermitteln sie doch Uneingeweihten und vor allem Touristen den Eindruck, dass es auf Usedom womöglich zu Todesfällen gekommen sei; was laut Uni-Medizin-Vorstand Dr. Thorsten Wygold in keinem einzigen Falle im Zusammenhang mit der Schließung der drei Abteilungen nachzuweisen gewesen sei.

Die seit dem 15. Oktober in der Kölpinseer Reha-Klinik Klaus Störtebeker eingerichtete, zusätzliche kinderärztliche Bereitschaft sieht der Vorstand der BI als „ein untaugliches Provisorium“. Sie berge Ansteckungsgefahren. Zudem könne man nicht auf die erforderlichen Fachkräfte und Ausrüstungen für eine Kindernotfallversorgung zurückgreifen. Damit sei freilich nicht die Kompetenz der Kölpinseer Angestellten angezweifelt.

Für die Demonstration am 3. November haben sich übrigens bereits Feuer- und Jugendfeuerwehren sowie THW-Mitglieder angemeldet. Für teilnehmende Kinder sollen kleinere Feuerwerke die Wartezeit verkürzen. Das zuständige Amt muss noch zustimmen.

Steffen Adler

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