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Usedom Der Korbmacher von Usedom
Vorpommern Usedom Der Korbmacher von Usedom
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02:24 11.09.2018
Roland Gottschling fertigt in Garz als einziger Korbmacher auf Usedom Körbe. Quelle: Foto: Christin Tute
Garz

In einer kleinen Hütte auf dem Grundstück in Garz fertigt Roland Gottschling Körbe. In einem der zwei Räume seiner Werkstatt arbeitet er an einem Brett. Dieses stellt er schräg vor sich. Mit einem Nagel befestigt er den Boden seines Arbeitsstücks. Dann wird geflochten. „Ich bin der einzige Korbmacher auf Usedom“, sagt der 75-Jährige.

Vor fast 60 Jahren machte der gebürtige Garzer eine Ausbildung in der Strandkorbfabrik im Kaiserbad Heringsdorf. Drei Jahre lernte er dort das Flechten. „Angefangen haben wir damals mit Weidenflechten, dann haben wir mit Rohr gearbeitet“, erzählt der Rentner. Das Rohr sei viel robuster als die Weide und deswegen auch viel langlebiger. Auch heute arbeitet er noch mit dem Material in verschiedenen Farben. Konkurrenz gibt es kaum noch, vor allem nicht auf der Insel. „Ich mach das selbst nur noch zum Spaß“, sagt Roland Gottschling.

Seine Eltern schickten ihn nach Heringsdorf, um nach einer Lehrstelle zu fragen. Es klappte und die saubere Arbeit gefiel ihm. „Das Flechten an sich gefällt mir, aber auch die Ware und dass man was geschaffen hat“, sagt er. Damals habe es noch viele Korbmacher gegeben. „Zwölf Mann waren wir in der Werkstatt“, sagt der Garzer. „Einige davon haben die Kappen für die Strandkörbe gemacht, andere die Seitenteile“, erzählt er. Als Lehrling habe er alles machen müssen und dadurch das Flechten verinnerlicht. 18 Jahre lang arbeitete der typische Pommer gerne in dem Betrieb. Doch irgendwann sei die Fabrik bankrott gegangen, sein Gehalt wurde weniger und er musste sich nach etwas anderem umsehen.

Also machte der heute 75-Jährige sich als Korbflechter selbständig und war auf einmal der einzige seiner Zunft auf der Insel. Denn nun stellte er keine Strandkörbe mehr her, sondern fertigte Körbe und Kiepen. Seine Werke seien sehr gefragt gewesen, besonders in der ersten Zeit sei er viel los geworden, erzählt Roland Gottschling. Viele Kunden seien direkt zu ihm gekommen, doch er sei auch über die Insel gefahren, um seine Körbe zu verkaufen. „Dann sind es immer weniger geworden, nun kommt kaum noch jemand hier her“, sagt Roland Gottschling. Aber manchmal verirre sich doch jemand. Mit seinen Körben fährt er deswegen häufig auf Märkte.

Zwei Stunden braucht er ungefähr für einen Korb. „Das hängt aber von der Größe ab“, erklärt der Rentner. Für die kleineren Körbe benutzt er feineres Rohr, für die Kiepen gröberes. „Wenn ich richtig reinhaue, schaffe ich etwa eineinhalb Körbe am Tag, aber ich arbeite ja nicht auf Leistung“, sagt er. Vor allem komme es ihm auf die Qualität seiner Werke an. „Natürlich kann man auch einen Korb in zehn Minuten flechten, aber dann leidet die Qualität“, erklärt der Garzer. Seit zehn Jahren ist er in Rente und flechtet zur Freizeitbeschäftigung. Seine Frau habe ihm schon öfter gesagt, er solle endlich aufhören, doch Roland Gottschling denkt nicht daran. „Wenn ich könnte, würde ich Tag und Nacht arbeiten“, sagt der Korbflechter.

Vor einigen Jahren sei er schwer gestürzt. Seitdem schmerze seine Schulter und er könne nicht so gut und lange sitzen. Doch das Flechten funktioniere zum Glück noch. Solange es noch geht, möchte er auch weiter seine kleinen Werke aus Rohr herstellen. Diese können auf Märkten oder direkt bei ihm in Garz, in der Roland-Kracht-Straße 2 gekauft werden.

Christin Tute

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