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Usedom Der Tunnel kommt: Viele Bürger hätten aber lieber eine Brücke
Vorpommern Usedom Der Tunnel kommt: Viele Bürger hätten aber lieber eine Brücke
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00:00 27.07.2018
Die italienische Firma Astaldi ist am Bau unter der Swine beteiligt. In Polen errichtete das Unternehmen bereits einen Berg-Tunnel (Bild). Quelle: Foto: Gddkia / Archiv
Swinemünde

Alle Gelder und Genehmigungen sind da: Der Bau des Tunnels unter dem Fluss Swine ist nur eine Frage der Zeit. Doch nun werden öffentlich Bedenken an dem Projekt lauter. Zu groß und eventuell auch nicht sicher genug, bei der Durchfahrt unter Wasser, so einige Bedenken.

Die große Swine-Unterführung ist beschlossen, doch nun werden Bedenken laut

Viele Anwohner von Swinemünde hatten schon zu Beginn der Pläne hinterfragt, warum der Tunnel anstelle einer Brücke für die Querung gewählt wurde. Im Zusammenhang mit zahlreichen Fragen der Anwohner und Journalisten organisierte die Stadt nun eine Versammlung zu dem Großvorhaben. Ein Vertreter des italienischen Bauunternehmens, der Firma Astaldi, die den Tunnel realisieren soll, nahm an der Diskussion teil.

Während des Treffens betonte Barbara Michalska, Swinemünder Vizestadtpräsidentin, dass der Tunnel zwischen den Inseln Usedom und Wollin schon vor dem Zweiten Weltkrieg in Betracht gezogen wurde. Seit 1935 forcierte das damalige Hafenbauamt Swinemünde solche Pläne. Im August 1939 starteten geologische Forschungen, die Investition wurde jedoch durch den Krieg gestoppt. Die Kosten schätzten die Verantwortlichen damals auf 20 Millionen Mark. Der Tunnel sollte durch Einsinken vorgefertigter Bausegmente in den Boden geschaffen werden. Seine Länge wurde auf 1220 Meter berechnet, davon 560 Meter unter Wasser. Im Tunnelinneren sollten zwei Fahrbahnen gebaut werden. Die Einfahrt zum Tunnel wurde auf der Höhe des heutigen Bahnhofs markiert. In den 1970er Jahren wurde das Konzept des Tunnelbaus erneut ins Gespräch gebracht, aber von den zu jener Zeit in Swinemünde stationierten Sowjettruppen blockiert. In den Jahren 1988-89 entstand die Idee, eine Brücke zu bauen. Sie sollte 43 Meter hoch sein. Eine Alternative war eine Klappbrücke mit einer Höhe von 18 Metern. Bis heute ist Zbigniew Pomieczynski, ein ehemaliger Stadtrat, heute Unternehmer und Präsident des Vereins „Most dla Swinoujscia“ („Brücke für Swinemünde“), ein Befürworter einer solchen Lösung.

„Wir sind dafür, im Übergangsbereich Karsibór eine mittelhohe Brücke mit beweglichem Brückenelement zu bauen. Auf diese Weise können größere Schiffe den Hafen von Stettin erreichen und die Fahrzeugverbindung nicht lahmlegen. Warum ist die Brücke besser als ein Tunnel? Weil sie im Bau fast dreimal billiger ist und im Betrieb mindestens sechsmal billiger“, sagt Zbigniew Pomieczynski.

Einer Brücke wollen aber die staatlichen Ämter – das Seefahrtsamt in Szczecin und das Militär – nicht zustimmen, weil Swinemünde ein strategisch militärischer und wirtschaftlicher Standort ist. Auch die Regionaldirektion für Umweltschutz stellte fest, dass der Hohltunnel die beste Option für die Umwelt sei. „Uns wurde gesagt: Sehen Sie, was für schöne Brücken in Deutschland stehen. Nur, dass wir eine Auflage von mindestens 80 Metern hätten, um alle Anforderungen zu erfüllen“, argumentiert Barbara Michalska. Eine so große Brücke würde viel teurer im Bau und teurer in der Wartung als der Tunnel wäre, schätzt sie ein. Während des Treffens versicherte die Stadt, dass die Fahrten durch den Tunnel kostenfrei bleiben und absolut sicher sein werden. Der Tunnel werde mit hochmodernen Sicherheitssystemen zum Schutz vor Überschwemmungen, Bränden und anderen Katastrophen ausgestattet.

Swine-Tunnel: 1,8 Kilometer lang, 225 Millionen Euro teuer

Spätestens 2022 soll der Swine-Tunnel fertig sein und dann die beiden Swinemünder Hälften und damit die Inseln Usedom und Wollin verbinden. Bisher verkehren nur Fähren über den Fluss, oft entstehen dort lange Wartezeiten für Auto- und Lkw-Fahrer. Der Swine-Tunnel soll 1,8 Kilometern lang werden, sein Durchmesser zwölf Meter betragen. Es wird je eine Fahrbahn in zwei Richtungen geben.

Die Investition beträgt 225 Millionen Euro. Bauen wird ein italienisches Konsortium. Mit dem Tunnel könnten auch Gäste aus dem deutschen Osten Usedom schneller erreichen. Der genaue Baustart ist noch nicht terminiert, es sind aber alle Genehmigungen da, die Finanzierung steht.

Radek Jagielski

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