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Usedom Events reißen dickes Minus in den Haushalt
Vorpommern Usedom Events reißen dickes Minus in den Haushalt
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19:54 29.11.2018
Der Techniker-Beach-Cup im Volleyball im August kam die Gemeinde teuer zu stehen. Quelle: FotoS: Hannes Ewert
Zinnowitz

Den Vortrag über die wirtschaftliche Situation der Zinnowitzer Kurverwaltung mussten die Gemeindevertreter am Dienstagabend erstmal sacken lassen. Ein Defizit von satten 720 000 Euro steht im Vergleich zum Vorjahr zu Buche. Hauptgrund: die Kostenexplosion bei den Veranstaltungen. Nun ist der Eigenbetrieb auf zusätzliches Geld der Gemeinde Zinnowitz angewiesen, um nicht in Zahlungsschwierigkeiten zu kommen. Kopfschütteln und Enttäuschung waren die Reaktion der Gemeindevertreter. Niemand konnte so wirklich verstehen, wie es zu der Situation kommen konnte.

Nordamts-Kämmerer Marco Biedenweg erklärt, dass die Kommune bei solchen Angelegenheiten in der Ausgleichspflicht steht. „Die Gemeinde Zinnowitz kann so etwas noch verkraften“, erklärt Biedenweg. Bereits im Jahr 2016 hatte die Kurverwaltung ein Minus von 70 000 Euro. Dies hing damals allerdings mit getätigten Investitionen zusammen.

Carsten Nichelmann, der derzeit den Eigenbetrieb vorübergehend leitet, war die Situation am Dienstagabend sichtlich unangenehm. „Wir brauchen eine Million Euro für die nächsten zwei Jahre, sonst sind wir irgendwann zahlungsunfähig“, erklärte er und brachte die prekäre Situation knallhart auf den Punkt. Und eine neue sprudelnde Geldquelle ist nicht in Sicht. „Die Einnahmen sind jedes Jahr durch die Kurtaxe relativ konstant. Dieses Mal waren es sogar 26 000 Euro weniger als üblich“, erklärt er.

Bürgermeister Peter Usemann (UWG) ist entsprechend sauer über die finanzielle Situation. „Uns wurde im Eigenbetriebsausschuss wohl nicht die ganze Wahrheit über die Zahlen gesagt. Wir hätten energischer nachfragen sollen. Man geht ja davon aus, dass dort fähige Mitarbeiter sitzen, die sich auskennen“, sagt er. „Nicht umsonst hat sich die Gemeinde von der ehemaligen Kurdirektorin Christine Beyer getrennt“, so Usemann. Auf der anderen Seite erklärt er, dass die Kosten für viele anfallende Sachen in der Gemeinde in die Höhe gegangen sind. Ob Promenaden- und Strandreinigung, Konzerte oder Feste – die Preise stiegen. „Die Einnahmen bei der Kurtaxe sind jedes Jahr ähnlich. Es ist nicht wie bei einem privaten Unternehmen, wenn man Ein- und Ausgaben selbst steuern kann. Hier sind die Einnahmen jedes Jahr ähnlich“, sagt er.

Der große finanzielle Knall in der Kurverwaltung kam allerdings mit dem Volleyball-Event „Techniker-Beach-Cup“ im August. „Für eine gewisse Summe wurde uns eine entsprechende Leistung angeboten. Mit Erwähnung im Fernsehen und so weiter. Alles schön und gut, aber die Rahmenbedingungen wurden uns erst im nächsten Schritt klar“, so Usemann. So sollte die Kurverwaltung die Unterkünfte für die Athleten bezahlen – eine unvorhergesehene Ausgabe, die nicht einkalkuliert war. „Da kommt ganz schnell viel Geld zusammen. Wir haben davon einfach nichts gewusst“, erklärt er.

Dass die Haushaltslage des Eigenbetriebes ins Defizit rutscht, war aufgrund der geplanten Investitionen abzusehen. „Wir haben den neuen Rettungsturm am Strand gebaut, dazu kam der Ausbau der Konzertmuschel und der Anbau der Kurverwaltung. „Aber dass wir so ins Minus rutschen, hätte ich nicht erwartet“, sagt Usemann.

Das Gemeindeoberhaupt hofft, dass durch Carsten Nichelmann, der auch die Sportschule leitet, nun in den kommenden Wochen und Monaten mehr Ordnung in die Kurverwaltung kommt. Den „Techniker Beach Cup“ soll es nächstes Jahr nochmal geben. „Allerdings werden die finanziellen Rahmenbedingungen vorher ganz genau geprüft“, so Usemann. Vom „Snow-Volleyball“ wird es im kommenden Jahr keine weitere Auflage geben. „Wir konzentrieren uns auf ’Eis in Flammen’ und werden einen Wettbewerb im Eisstockschießen machen“, sagt das Gemeindeoberhaupt.

Bei der Premiere des „Snow-Volleyballs“ wurden mehrere Lkw-Ladungen Schnee aus Oberwiesenthal nach Zinnowitz gefahren, um eine Winteratmosphäre zu erzeugen. Hinzu kam ein gigantisches Festzelt, in dem abends gefeiert wurde.

Eigenbetriebsausschussleiter Ralf Schwarzenberg traf das große Finanzloch genauso hart. „Ein fiktives Beispiel: Uns wurde erklärt, dass ein Fußballturnier 5000 Euro kostet. Also haben wir dem zugestimmt. Dass allerdings noch die Sicherheit, die Technik und die Übernachtungen der Spieler in den umliegenden Hotels hinzukommt, wussten wir nicht. Und das waren in der Regel die kostspieligen Sachen, die den Gesamtpreis in die Höhe getrieben haben. Es gab Zeiten, da hat fast jeder Künstler im Hotel geschlafen und bekam es auch noch bezahlt“, erklärt er. Seit mehr als 20 Jahren sitzt Schwarzenberg im Gemeindeparlament und erlebte schon acht Bürgermeister. „Ich habe mich immer dafür stark gemacht, dass etwas im Ort passiert. Die meisten Konzerte waren ein voller Erfolg. 2019 wird es statt zwei Auftritte wohl nur ein Konzert geben“, erklärt er.

Hannes Ewert

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