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„Die Bäume hatten ästhetischen Wert“

„Die Bäume hatten ästhetischen Wert“

Auf Usedom gibt es derzeit zahlreiche Baumfällungen / OZ sprach mit Forstamtsleiter Adolphi übers Ausforsten

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Diese Baumfällungen am Wasserschloss Mellenthin erregen derzeit die Gemüter einiger Insulaner.

Quelle: privat

Mellenthin/Neu Pudagla Zahlreiche Leser regen sich derzeit über gefällte Bäume auf der Insel Usedom auf. Zuschriften aus Mellenthin, Zinnowitz, Zempin und Ückeritz haben die OSTSEE-ZEITUNG bisher erreicht. Daher fragte die OZ beim Inselforstamt in Neu Pudagla nach und sprach mit Leiter Felix Adolphi über das Ausforsten und über gesetzliche Richtlinien.

OSTSEE-ZEITUNG: Auf Usedom gibt es dem Anschein nach zahlreiche Baumfällarbeiten. Wird Ihr Amt über solche Vorgänge wie in Mellenthin informiert?

Adolphi: Auch bei uns fragen die Bürger kritisch nach, wenn sie gefällte Bäume sehen. Hier hängt es davon ab, ob es sich um Fällungen im Wald oder Fällarbeiten außerhalb des Waldes handelt.

Für den Wald auf Usedom sind wir als Forstamt behördlich zuständig. Die Bäume am Wasserschloss Mellenthin gelten nicht als Wald. Ich gehe davon aus, dass diese aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt wurden. Die Bäume hatten einen ästhetischen Wert, da wird nicht leichtfertig gefällt worden sein, zumal sich hier der Eigentümer an Vorgaben der Baumsatzung der Gemeinde und die Auflagen der Unteren Naturschutzbehörde halten muss.

OZ: Wie sind die gesetzlichen Vorgaben — ab wann darf oder muss ein Baum gefällt werden?

Adolphi: Das richtet sich außerhalb des Waldes nach der Baumsatzung der betroffenen Gemeinde. Normalerweise können dort nur Bäume gefällt werden, wenn der Bürger einen Antrag stellt. Im Wald richtet sich das Verfahren nach dem Landeswaldgesetz. Man muss auch einen Wald mit jungen und dünnen Bäumen pflegen, also durchforsten, damit dort später Holz in guter Qualität heranwächst und geerntet werden kann. Dabei darf man aber nie zu viele Bäume entnehmen. Schon allein damit der Wald weiter als Erholungsort genutzt werden kann, als Lebensraum für Tiere und Pflanzen dient und weiter den nachwachsenden Rohstoff Holz produziert, muss immer eine ausreichende Anzahl an Bäumen stehen bleiben. Wer sich als Waldbesitzer nicht sicher ist, was er darf und was nicht, sollte sich an das Forstamt wenden.

OZ: Werden Bäume auch aus Sicherheitsgründen gefällt?

Adolphi: Das kommt vor. Jeder ist dafür zuständig, dass von seinem Eigentum keine Gefahr ausgeht. Außerhalb des Waldes ist an Alleen stets der Baulastträger, also an einer Kreisstraße der Kreis, an einer Gemeindestraße die Gemeinde verantwortlich. An Straßen, die durch den Wald verlaufen, muss der Waldeigentümer, also auch wir als Forstamt gewährleisten, dass die Waldbäume nicht auf die Straße fallen können. Zweimal im Jahr werden Bäume auf ihre Standsicherheit geprüft und Handlungsnotwendigkeiten festgelegt. Da wird dann überlegt, ob es reicht, einen Ast abzunehmen oder ob der ganze Baum gefällt werden muss.

OZ: Wann genau werden die Bäume dann gefällt?

Adolphi: Im Wald fällt man Laubbäume im unbelaubten Zustand im Winterhalbjahr und Nadelbäume ganzjährig. Aber auch diese versuchen wir im Winter zu ernten, damit wir das Konfliktpotenzial mit den Urlaubern in der Sommersaison so gering wie möglich halten.

OZ: Werden die gefällten Bäume wieder ersetzt?

Adolphi: Nicht unbedingt. Nach einer Durchforstung stehen ja noch viele Bäume auf der Fläche, die weiter wachsen sollen. Wenn wir einen hiebsreifen Bestand ernten, müssen wir uns vorab stets Gedanken darüber machen, wie wir die Fläche danach in Verjüngung bringen. Am besten läuft das über Naturverjüngung, wo sich aus den Samen der Altbäume wie Buche und Ahorn die nächste Waldgeneration von alleine ansiedelt. Wenn wir zum Beispiel Kiefern oder Eichen pflanzen wollen, dann brauchen diese viel Licht. So kann es auch mal größere Freiflächen geben, denn alte Bäume stehen oft in Konkurrenz mit den Jungpflanzen. Die Auswahl der Baumarten richtet sich dabei stets nach dem Standort, also dem Waldboden und dessen Nährstoff- und Wasserverfügbarkeit, und klimatischen Aspekten.

OZ: Was können Bürger tun, wenn sie Angst haben, dass zu unrecht ein Baum gefällt wurde — oder gefällt werden soll?

Adolphi: Kritisch nachfragen ist der richtige Weg — im Forstamt, wenn es sich um Waldbäume handelt oder eben bei der Unteren Naturschutzbehörde, bezogen auf Bäume, die im Freiland, in Gemeinden oder an Alleen stehen. Wenn uns eine entsprechende Anfrage vorliegt, dann müssen wir dem schon von Amts wegen nachgehen.

Von Kay Steinke

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