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Die Eiserne Hochzeit des Schmieds

Benz Die Eiserne Hochzeit des Schmieds

Rosemarie (86) und Hans (89) Schellenberg haben heute vor 65 Jahren in Benz geheiratet.

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Die Schmiede, die Hans Schellenberg 1962 von Rosemaries Vater, Robert Fick, übernahm , war das Herzstück des Familienlebens. In dritter Generation führte er sie zu einem anerkannten Betrieb, den neben größeren Arbeiten auch manches Kunstwerk, wie Kerzenhalter, verließ.

Quelle: Angelika Gutsche

Benz. Wenn Rosemarie Schellenberg heute mit ihrem Hans zum Mühlenfest geht, ist er schnell von älteren Damen aus dem Dorf umgeben und der Hahn im Korb. „Damit kann ich leben“, sagt die 86-Jährige. Ihr Hans, mit dem sie heute Eiserne Hochzeit feiert, ist mit 89 Jahren der älteste Mann im Dorf und sie ist glücklich, ihn noch an ihrer Seite zu haben. Dabei hätte sie früher nicht im Traum daran gedacht, dass ihnen ein so langer gemeinsamer Lebensweg vergönnt sein würde. Schon gar nicht in jenen Jahren, als Schicksalsschläge ihr Leben trübten.

Bei jedem Benzer Mühlen- fest ist er als ältester Mann im Dorf der Hahn im Korb. Aber damit kann ich recht gut leben.“Rosemarie Schellenberg

Rosemaries lange Zöpfe waren mir in der Schule gleich aufgefallen. Sie war ein richtig nettes Mädchen“.Hans Schellenberg

In Benz und Umgebung sind die Schellenbergs eine Institution. Ihr arbeitsreiches Leben spielte sich in der alten Schmiede ab, die Rosemaries Großvater 1899 erbaut hatte. Hans war bis zur Wende der Schmiedemeister in dritter Generation. Neben seiner Frau, die die Buchhaltung erledigte, gab es neun Angestellte. Die Spuren ihrer Arbeit waren im ganzen Dorf zu sehen – Zäune, Geländer, Überdachungen, Wasserinstallationen in vielen Eigenheimen und so manches schmiedeeiserne Kunstwerk. Selbst Autos wurden hier repariert. Rosemarie Schellenberg erinnert sich an tschechische Gäste, deren Auto ihr Mann am Wochenende reparierte, so dass sie sicher nach Hause kamen. Nicht lange danach kam ein Kasten hochgeschätztes Bier als Dankeschön zurück.

Nicht weit von der Werkstatt entfernt waren sie sich als Kinder in der alten Schule gegenüber der Benzer Kirche zum ersten Mal begegnet. „Ihre langen Zöpfe waren mir gleich aufgefallen. Sie war ein richtig nettes Mädchen“, erinnert sich der Rentner. Allerdings blieb die Zuneigung des Sohnes Pudaglaer Landwirte zunächst unbeantwortet.

Erst später, als es Hans nach Wehrdienst und Internierung in die alte Heimat seiner Eltern nach Thüringen verschlagen hatte, wo er Schmied wurde, begegneten sich die beiden wieder. Hans war zum Urlaub auf die Insel seiner Kindheit gefahren und erkundigte sich bei einem Freund, was denn aus „Röschen“ geworden sei. Jetzt interessierte auch sie sich für ihn. „Mir kam zu Hilfe, dass die Volkswerft Arbeitskräfte suchte. Da schulte ich zum zweiten Mal um, wurde Schiffbauer und war meiner Rosemarie nahe.“ Drei Jahre gingen sie miteinander. Hans nennt das rückblickend heiter „dreijähriges Probelaufen“. Nach dem obligatorischen Verlobungsjahr wurde geheiratet.

Wenn Hans Schellenberg von der ersten Zeit seiner Ehe erzählt, ist er des Lobes voll über seine Schwiegereltern, mit denen das junge Paar 30 Jahre friedlich unter einem Dach lebte. „Sie haben uns auf die Beine geholfen. Meine Schwiegermutter war eine bemerkenswerte Frau“, sagt der 89-Jährige. Auch seine Frau blickt voller Dankbarkeit auf diese Zeit erfüllten Familienlebens zurück: „Man saß abends zusammen, erzählte oder spielte miteinander. und meine Mutter sorgte für unsere Tochter, damit ich in der Schmiede arbeiten konnte“. „Und wenn es doch Probleme gab, schlichtete meine Schwiegermutter“, ergänzt Hans Schellenberg noch immer dankbar.

Zu dieser Zeit war Benz ein Handwerkerdorf, Hans Schellenberg Wehrleiter, Gemeindevertreter und Obermeister der Berufsgruppe Schlosser und Schmiede und die Benzer Schmiede anerkannt. Die Landwirtschaftsbetriebe brauchten sie.

Als nach der Wende ein Betrieb nach dem anderen aufgelöst wurde, drehte der Wind. Die Schellenbergs mussten ihre Mitarbeiter nach Hause schicken. Eilig verkaufte Hans Material, um wenigstens das Eigentum zu sichern. „Als wir 1992 schließen mussten, waren wir 61 und 63 Jahre alt. Wir hätten gern noch länger gearbeitet“, sagt Rosemarie Schellenberg bedauernd. Der Weitsicht und dem Realitätssinn ihres Mannes schreibt sie zu, dass drei mit Rohmaterial gefüllte Hänger noch verkauft werden konnten.

Ein Großteil der Werkzeuge, die Feuerstelle, der Amboss und einige Maschinen blieben erhalten. Nur eine dünne Tür trennt die häusliche Küche von der alten Werkstatt. Hans räumt hier regelmäßig auf.

Die Werkzeuge sind fein geordnet. Alles sieht aus, als könnte jederzeit das Schmiedefeuer angezündet werden.

„Mancher riet mir, hier ein Museum einzurichten. Aber da wäre ich dann ganz und gar gebunden“, sagt der Senior, der heute auch ohne Schmiedemuseum genug in Haus und Hof zu tun hat. Gerade macht dem Garten die anhaltende Trockenheit zu schaffen. „Ich komme ja kaum noch mit dem Gießen hinterher.“

Was heute am Tage ihrer Eisernen Hochzeit passiert, wird sich zeigen. So richtig gefeiert wird am Samstag gleich nebenan im Ferienpark. „Ab 15 Uhr erwarten wir dort neben der Familie, Tochter Regina und Enkeltochter Viebke, die üblichen Gratulanten. Wir freuen uns, wenn sie diesen besonderen Tag mit uns feiern“, sagt Rosemarie Schellenberg.

Angelika Gutsche

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