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Usedom Die Enkel wollen es von denen wissen, die es erlebt haben
Vorpommern Usedom Die Enkel wollen es von denen wissen, die es erlebt haben
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00:00 22.03.2013
Heringsdorf

Die Premiere gelang. Mit einem zweiteiligen Auftaktabend auf Usedom starteten am Mittwoch die 5. Usedomer Literaturtage in die diesjährige Saison.

„Es ist das erste kleine Jubiläum“, begrüßte der Intendant Thomas Hummel den sehr gut besuchten Saal im Heringsdorfer Hotel Esplanade. Zwar gehe das Festival 2013 mit Geschichte und Geschichten in der Mitte Europas auf eine literarische Spurensuche, doch gerieten dabei die östlichen Nachbarn nicht aus dem Blick. „Das ist uns ein besonderes Anliegen“, so Hummel. Dr. Karin Lehmann vom Kurbetrieb der Kaiserbäder äußerte gegenüber den versammelten Gästen: „Sie erleben etwas Einmaliges.“ Glücklich und stolz sei sie, dass die Gemeinde Heringsdorf dies von Anfang an unterstützt habe.

Nicht allein auf Vortrag und Gespräch beschränkte sich die von Andreas Kossert moderierte Doppellesung mit Tatjana Gräfin Dönhoff und Arno Surminski. „Auf diesen Abend habe ich mich sehr gefreut“, gestand der Historiker. Zur Sprache kamen dabei nicht nur der Winter von 1944/45, die Flucht der Deutschen vor der anrückenden Roten Armee und die lange nicht bekannt gewesene Ermordung jüdischer Frauen am Strand von Palmnicken.

Nach der Vorstellung der Autoren gab es einen Auszug aus dem erfolgreichen Fernsehzweiteiler „Die Flucht“. Auf die Frage, warum bis heute das Interesse am Thema der Flucht nicht abgerissen sei, antwortete Tatjana Gräfin Dönhoff: „Die Zeit war reif. Die Enkelgeneration will es heute von denen wissen, die es erlebt haben. Es ist die letzte Gelegenheit.“ Nach 1968 sei dies eine neue Welle.

Historiker hätten sich zwar bislang mit Flucht und Vertreibung auseinandergesetzt, aber in der breiten Bevölkerung sei dies nicht behandelt worden. „Das war lange Zeit ein Tabu“, so die freie Journalistin und erinnert sich an das Schweigen in der eigenen Familie. „Der Schmerz des Verlustes war so groß und dauerte beispielsweise bis zum Ende des Lebens meines Großvaters an“, erzählte Dönhoff. „Ostpreußen ist eine unerschöpfliche Quelle meines Schreibens und Denkens. An Haus und Hof habe ich nicht so sehr gehangen, wie an meinen Eltern und Verwandten“, sagte Arno Surminski, der mit seinem Werk einen Kanon der Literatur über Ostpreußen schuf. Dessen Eltern sind 1945 in die Sowjetunion deportiert worden.

Im Jazzclub Centrala in Swinemünde ergänzte Schriftsteller Tomasz Rozycki in der ersten Nachtlesung der Literaturtage die Geschehnisse nach dem 2. Weltkrieg um die Zwangsumsiedlung polnischer Bürger aus dem heutigen ukrainischen Galizien. Sie kamen in die leeren, voll eingerichteten schlesischen Wohnungen von Vertriebenen. „Ich wollte aufrichtig mit der Geschichte meiner Stadt Opole umgehen und einen Klagegesang auf eine verschwindende Generation anstimmen.“ Klar sei dabei auch: Eine Rückkehr ist nicht möglich.

Uwe Roßner

Usedom Zitat gross a rl - Zitat

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