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Die Greifswalder Domuhr soll wieder laufen

Greifswald Die Greifswalder Domuhr soll wieder laufen

Etwa 60000 Euro sind nötig, damit sich die Zeiger an der Nikolaikirche wieder drehen

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Jan Denger vor dem über 100 Jahre alten Uhrwerk, das seit dem Jahr 2000 im Turmuntergeschoss steht.

Quelle: Eckhard Oberdörfer

Greifswald. Seit etwa einem Jahr drehen sich die Zeiger der Domuhr in der Hansestadt Greifswald nicht mehr. „Wenn die Uhr steht, steht alles still“, zitiert Dompfarrer Matthias Gürtler Stimmen von Besuchern. Das soll nicht so bleiben. Die Kirchengemeinde will das am Turm aufgestellte Gerüst nutzen, um die über 100 Jahre alte Uhr reparieren zu lassen.

Eine grobe Schätzung geht von 60000 Euro Kosten aus. Eine Metallrestauratorin soll die genauen Kosten bestimmen. Die jetzige Uhr stammt von der renommierten Firma Weule aus dem Harz. Sie wurde 1908 eingeweiht. Die nötigen 5100 Mark zahlte damals die Stadt, die großes Interesse an einer genauen und sichtbaren Uhr hatte, an der sich alle Greifswalder orientieren konnten. Damals hatte noch nicht jeder Greifswalder einen Zeitmesser.

Die Instandsetzung des Turms gehört zum siebten Bauabschnitt der laufenden Domsanierung. Die Uhr ist kein Teil des Vorhabens. „Da geht es nur um Dach und Fach“, begründet der Pfarrer. Die Kirchgemeinde hofft nun auf Spenden. Knapp 5000 Euro sind schon zusammengekommen, ein Fünftel der Summe bezahlte eine Greifswalderin, berichtet Gürtler. Um die große Summe zusammenzubekommen, müssten auch Stiftungen angesprochen werden.

„Von weiteren Reparaturen hat uns unser Uhrmachermeister Udo Griwahn abgeraten“, erzählt Matthias Gürtler. „Das habe keinen Sinn mehr und kostet auch immer so 300 bis 500 Euro.“ Durch den starken Wind an der Küste seien auch die Zeiger lose und müssten wieder richtig befestigt werden.

Die Turmuhr fasziniert auch Jan Degner. Er studiert Deutsch, Geschichte und Geographie auf Lehramt an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität. Im Rahmen seines Studiums hat er sich mit der Geschichte des Zeitmessers der Nikolaikirche befasst, Archive besucht und einen Aufsatz darüber geschrieben. „Das war auch mentalitätsgeschichtlich interessant für mich“, erzählt Degner. Vermutlich gab es um 1440 eine erste Uhr, hat er herausgefunden. Gesichert ist deren Existenz für das Jahr 1650, als der Wismarer Barthold Liebelt eine Turmuhr anfertigte. Damals war der Turm eingestürzt.

Am Ostgiebel wurde ein großes Zifferblatt angebracht, das mit der Turmuhr in Verbindung stand. „Auf einem Bild von 1860 sieht man es noch“, sagt Degner. Auch heute könne man die Stelle noch vom Markt aus erkennen. Auch am Turm befand sich bereits im 17. Jahrhundert ein Zifferblatt. Ende des 19. Jahrhunderts war der historische Zeitmesser in die Jahre gekommen. 1889 schrieb der Greifswalder Magistrat gar dem Pfarrer, dass mehrere Reisende zu spät zum Zug gekommen waren. Denn die Uhr am Dom ging gegenüber der am Bahnhof nach. Die Stadtväter baten die Kirche um gut und schon von weitem sichtbare Zifferblätter.

Bei der Neuanschaffung plädierte der Gemeindekirchenrat für die international anerkannte Firma Weule, die Uhrmacher für die Firma Rochlitz aus Berlin, die den Handwerkern ihre Stellungnahme durch 900 Mark Provision „erleichterte“. Die Kirchengemeinde entschied sich für Weule, der auch noch 15 Jahre Garantie gab.

In den 1980-er Jahren erfolgte eine Umstellung des Antriebs und seit Anfang der 1990-er Jahre wird die Uhr über Funk gesteuert.

Spendenkonto, Iban: DE41150616380000011908

Zeitgeschichten

Die großen Uhren an den Kirchen der Hansestädte sind erst nach dem Sieg gegen Dänemark (Stralsunder Frieden von 1370) entstanden, in Greifswald wird eine Uhr an St. Nikolai um 1440 beim Ausbau des Geläuts vermuttet.

1908baute die Firma Eule eine neue Uhr für 5417 Mark ein, aus diesem Jahr stammen auch die heute noch vorhandenen Zifferblätter, 1945 zwecks Anpassung an die UdSSR, eine Stunde vorgestellt.

Von Eckhard Oberdörfer

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