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Die Insel trauert um Egon Richter

Die Insel trauert um Egon Richter

Weggefährten erinnern an einen „aufrechten Mann“, „unabhängigen Kopf“ und zu wenig gewürdigten Schriftsteller

Bansin Die Nachricht vom Tod Egon Richters hat auf Usedom Trauer und Bestürzung ausgelöst. Der Bansiner Schriftsteller war am Dienstag im 84. Lebensjahr seinem schweren Leiden erlegen. In seinem Heimatort Bansin wurde der Schriftsteller auch wegen seines politischen Engagements, seiner Ehrlichkeit und seines Einsatzes für die Belange der Gemeinde geschätzt.

Vor der Wende war Egon Richter Gemeindevertreter. Auch nach 1990 hat er kaum eine Gemeindevertretersitzung versäumt. Er war einer von drei Initiatoren der Gemeindefusion mit Bansin und Heringsdorf.

„Egon war immer dabei und hat bei jeder Sitzung mitgekämpft“, sagt Lutz Piehler, Bansiner Bürgermeister und späterer Verwaltungschef des Amtes am Schmollensee, zu dem Bansin zählte. Die Männer verband eine 45-jährige Freundschaft. Egon Richter war Gründungsmitglied des Usedomer Kunstvereins (1991) und des Bansiner Inselklubs (1967), dessen erster Vorsitzender und Ehrenmitglied er zuletzt war und dem jetzt seine Tochter Kerstin vorsteht.

Hellmut Heinz , Vorstandsmitglied im Inselklub, bezeichnet Egon Richter als „geistiges Sprachrohr“ des Klubs: „Als Bansiner habe ich natürlich alle seine Bücher gelesen. Vor allem sein erstes Buch, ,Ferien am Feuer’ hat mich beeindruckt. Ich finde, dass seine schriftstellerische Arbeit in Bansin nicht genug gewürdigt wird. Egon Richter verdient eine höhere Wertschätzung.“

Persönlich rechne er Richter hoch an, dass dieser in brenzlichen Situationen der Wendezeit seine Persönlichkeit eingebracht habe und solange es ihm möglich gewesen sei, ein kritischer Begleiter der Gemeindepolitik war.

Ricarda Horn, langjährige Vorsitzende des Usedomer Kunstvereins, sagt: „Egon Richter war auf seine Weise ein unabhängiger Kopf. Als Mitglied des Kunstvereins hat er geholfen, den kulturellen und künstlerischen Anspruch der Insel zu verteidigen. Ich habe viele seiner Bücher gelesen. Sie verdienen eine höhere Würdigung, als es gegenwärtig der Fall ist.“

Als Schriftsteller nach der Wende unterrepräsentiert – das sagt auch Dr. Lutz Piehler über seinen verstorbenen Freund. Viel zu oft werde dessen Name nur im Zusammenhang mit dem berühmten Onkel, Hans-Werner Richter, genannt. „Egon war viel mehr als Neffe. Sein eigenes Schaffen sollte heute deutlicher im Vordergrund stehen, wenn es um öffentliche Anerkennung in seiner Heimat geht. Ich trauere aber auch um einen intelligenten, demütigen Mann, der politisch engagiert und ein echter Sozialist – kein Kommunist – war. Er war ein friedlicher Mann, der aufbrausen konnte und sehr konsequent war. Auf Egon konnte ich mich immer verlassen.“ Umso mehr schmerze ihn die zuletzt unwürdige Zeit des langen Krankenlagers, während der Egon Richter die wichtigste Waffe eines Schriftstellers genommen worden sei – die Sprache.

Martin Bartels , der mit der Familie eng verbundene Pastor im Ruhestand, sagt: „Egon Richter hat in seinem langen Leben nie bekommen, was er eigentlich verdient hätte. Am wenigsten hat er sein unsäglich schweres Krankenlager über zwei Jahre lang verdient. Seine Jugend nahm ihm der Krieg und die Nachkriegszeit. Ein Start in der jungen Bundesrepublik misslang – trotz seines berühmten Onkels.

Die DDR-Karriere sollte er dann nach der Wende büßen. Das ist ungerecht, denn er war immer – wie man so sagt – eine ‚ehrliche Haut‘. Er suchte stets das Gespräch mit Andersdenkenden, schrieb in der DDR-Zeit ungewöhnliche Romane wie ,Der Tod des alten Mannes’, in dem das Sterben eines alten Genossen das Thema war, das sonst keine Rolle spielen durfte. Oder eine Biographie über die Königin Luise, die leider in den Wirren der Wendezeit unterging. Ich hoffe sehr, dass Egon Richter nach seinem Tod auf der Insel Usedom und besonders im „Richter-Haus“ in Bansin die Anerkennung erfährt, die er verdient hat. Ich verliere in ihm einen stets angenehmen und aufgeschlossenen Freund und Gesprächspartner.“

Angelika Gutsche

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