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Usedom Die Inselstadt in Kleinformat
Vorpommern Usedom Die Inselstadt in Kleinformat
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00:49 24.04.2018
Stadtvertreter Norbert Köhler lässt sich von Gottfried Ehrig und Roland Voth (v. l.) das Stadtmodell erklären. Quelle: Fotos: Ingrid Nadler
Usedom

In der Galerie „Kaleidoskop“ in Usedom zeigt die Fördergesellschaft Usedom-Wolin ein Modell der Inselstadt, wie sie im 14. Jahrhundert ausgesehen haben könnte.

Hobby-Historiker beeindrucken mit Aktivitäten zum Usedomer Stadtjubiläum / Modell wird gezeigt

Den Konjunktiv wählen Gottfried Ehrig und Roland Voth, das sind die „Väter“ dieses beeindruckenden Anschauungsobjektes, weil nicht jedes Detail dokumentarisch belegbar ist. Aber sie kommen der Geschichte vermutlich sehr nah. Dafür hat Gottfried Ehrig viele Stunden in alten Karten und Aufzeichnungen gestöbert, die spärlichen Informationen aus Archiven zusammengetragen und mit seinem Freund Roland Voth jede fragliche Einzelheit abgewogen. Voth ist der Handwerker in diesem emsigen Duo, Ehrig der kritische Forscher und Hobby-Historiker. Sie haben ganz artfremde Berufe: Polizeihauptmeister der eine und pensionierter Agraringenieur der andere. Was sie verbindet, ist das Interesse an Heimatgeschichte und der Wunsch, dieses mit möglichst vielen zu teilen.

Damit man sich gut orientieren kann, ist das Modell mit Lampen ausgestattet. Wer dann noch die bereitliegenden Aufzeichnungen zur Hand nimmt, wird Erstaunliches zur Kenntnis nehmen. Nur zwei Beispiele: Allgemein wird Usedom mit drei Stadttoren dargestellt; dem Anklamer Tor, dem Swinetor und dem Peenetor. Dennoch sind alte Dokumente vorhanden, die ein viertes Tor darstellen. Es war über den Durchgang zwischen der heutigen Sparkasse und dem Norddeutschen Hof erreichbar und die kürzeste Verbindung zwischen Stadt und Kloster Grobe. In Stadtansichten aus dem 16. Jahrhundert wird diese Stelle in der Stadtmauer als nicht mehr genutzt oder zugemauert dargestellt. Eine Erklärung dafür könnte der Umzug des Klosters nach Pudagla sein.

Auch die Bedeutung des Jürgensees dürfte nicht allen geläufig sein. Der See, der durch Verlandungsprozesse inzwischen mehr als die Hälfte seiner ursprünglichen Größe eingebüßt hat, war im Mittelalter ein wichtiger und sicherer Hafen für die Siedlung Usedom. Seine Verbindung zum Usedomer See bildete eine ideale Voraussetzung für Fischerei und Transport.

Das mit viel Fleiß und Akribie erstellte Modell zeigt einmal mehr, welche Bedeutung die Inselstadt als Siedlungs- und Handelsplatz einstmals hatte. Usedom wurde am 23. Dezember 1298, also vor 720 Jahren, das Stadtrecht verliehen. „Man könnte das Modell und nicht zuletzt das Stadtjubiläum zum Anlass nehmen, Historiker der Universität Greifswald und Bodendenkmalpfleger zu einer Podiumsdiskussion einzuladen“, schlägt Stadtvertreter Dr. Norbert Köhler vor, den das uneigennützige Engagement der beiden Usedomer schwer beeindruckt hat. Das Modell kann man sich während der Öffnungszeiten der Galerie donnerstags bis samstags von 10 - 13 Uhr ansehen.

Erfreulicherweise ist die Heimatstube, die sich im letzterhaltenen Usedomer Stadttor befindet, jetzt auch wieder geöffnet. Peter Manthey aus Vossberg hat sich bereit erklärt, die Tür des Anklamer Tores montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr offenzuhalten. Und dann gibt es noch den unermüdlichen Stadtführer Wolfgang Eberhard, der dienstags und donnerstags ab 12.30 Uhr Erstaunliches zu berichten weiß. Einer seiner liebsten Gesprächspartner sei Erwin Putzke, sagt Eberhard. „Ich habe von ihm und anderen schon wieder so viel Neues erfahren“, schwärmt der engagierte Rentner.

In der Aufzählung fehlt noch Dieter Stengel, der seinen „Imbiss am Hafen“ erst Ostern wieder für eine Video-Schau zur Verfügung gestellt hat. Akteur ist wiederum Polizeihauptmeister Voth. Der hat nämlich aus Überlieferungen fünf- bis zehnminütige Filme zur Geschichte des Hafens, der Fischerei und des Schulwesens zusammengestellt. Das Interesse scheint von Mal zu Mal zu wachsen.

Ingrid Nadler

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