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Usedom Die Notfallrettung soll grenzenlos werden
Vorpommern Usedom Die Notfallrettung soll grenzenlos werden
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00:00 26.01.2018
Deutsche und polnische Rettungsdienste wollen bei der Notfallversorgung in der Grenzregion stärker miteinander kooperieren. Quelle: Fotos: Peter Binder/kilian Dorner/stephann Jansen/dpa
Greifswald

Hunderte deutsche Touristen pendeln täglich nach Polen, polnische Köche und Kellner arbeiten in deutschen Hotels auf der Insel Usedom. Bricht sich der deutsche Urlauber in Polen ein Bein oder erleidet der polnische Koch einen Unfall, wird die Notfallversorgung mitunter schwierig. Deutsche und polnische Rettungsdienste wollen künftig stärker miteinander kooperieren und bei Bedarf auf der jeweils anderen Seite der Grenze tätig werden.

„„Vor allem die Luftrettung ist ein Problem. Deutsche Hubschrauber dürfen nicht in den polnischen Luftraum fliegen und umgekehrt.“Lutz Fischer, Leiter Rettungsdienst V-G
„„Administrative und technische Fragen lassen sich klären. Die größten Barrieren gibt es in den Köpfen der Menschen.“Prof. Steffen Fleßa Gesundheitsökonom an der Universität Greifswald

„In der deutsch-niederländischen und der deutsch-österreichischen Grenzregion funktioniert das seit Jahrzehnten gut“, sagt der Leiter des Rettungsdienstes des Landkreises Vorpommern-Greifswald Lutz Fischer. Ähnliches wollen nun sieben Forschungseinrichtungen und Rettungsdienste aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und der polnischen Wojewodschaft Westpommern in der deutsch-polnischen Grenzregion auf den Weg bringen.

„Vor allem die Luftrettung ist ein Problem.“ Bislang dürfe der polnische Hubschrauber nicht in den deutschen Luftraum fliegen und umgekehrt.

Am Donnerstag startete mit einer Konferenz in Greifswald das auf drei Jahre angelegte und mit zwei Millionen Euro geförderte Projekt „Integrierter grenzüberschreitender Rettungsdienst Pomerania/Brandenburg“. Zwar arbeite man schon seit Jahren zusammen, nun sei eine dauerhafte Vernetzung der Rettungsdienste in der Boden- und Luftrettung das Ziel, sagt Projektleiter und Professor an der Unimedizin Greifswald, Konrad Meissner. Dazu müssten rechtliche Normen abgestimmt, Sprachbarrieren abgebaut und Standards erarbeitet werden, wie die Leitstellen in Stettin und Greifswald künftig miteinander kooperieren sollten.

Die Verflechtung im deutsch-polnischen Grenzraum sei gestiegen, der Tourismus wachse – all das führe zu einem Anstieg medizinischer Notfälle, verdeutlicht Meissner. Oftmals müssten deutsche und polnische Patienten noch an der Grenze in einen anderen Rettungswagen umgelagert werden.

Ein Kooperationsvertrag zwischen der Wojewodschaft Westpommern und dem Landkreis Vorpommern-Greifswald über die grenzüberschreitende Notfallversorgung sei bereits in der Endabstimmung. „Das Projekt soll diesen Vertrag mit Leben füllen“, sagt der Sozialdezernent des Kreises Dirk Scheer (parteilos). „Wir nehmen damit eine Vorreiterrolle ein.“

In dem Projekt geht es zunächst um rechtliche und organisatorische Standards. Darüber hinaus wollen deutsche und polnische Rettungsdienste in einem Simulations-Training die grenzüberschreitende Versorgung von Notfallpatienten üben. Dazu kommt ein Simulations-Rettungsfahrzeug zum Einsatz, in dem Handlungsabläufe gemeinsam trainiert werden. Zudem sollen die Retter das fremdsprachliche Fachvokabular sicher anwenden können – und entsprechend geschult werden.

Auf einen Zeitpunkt, wann die Rettungsdienste so kooperieren wie die Kollegen im niederländischen und österreichischen Grenzraum, will sich keiner der Projektpartner festlegen. Der Greifswalder Gesundheitsökonom Steffen Fleßa bringt aber einen weiteren Aspekt in die Diskussion: die medizinische Grundversorgung, auch wenn „der Weg dahin noch weit“ sei.

Auf der polnischen Seite der Insel Usedom in Swinemünde arbeitet ein Krankenhaus, unter anderem mit Geburts- und Kinderstation. Es könnte als Inselkrankenhaus fungieren und damit vor allem im Sommer Probleme lösen, wenn deutsche Rettungswagen sich durch Urlauberstaus nach Wolgast oder Greifswald quälen müssen. Administrative und technische Fragen ließen sich klären, sagt Fleßa. „Die größten Barrieren gibt es in den Köpfen der Menschen.“

Martina Rathke

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