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Usedom Die Retter verlassen die Strände
Vorpommern Usedom Die Retter verlassen die Strände
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00:00 15.09.2018
Frederik Naujoks (l.) und Olaf Steinert holten Mitte Juli einen hilflosen Windsurfer aus der Ostsee vor Ückeritz.
Zinnowitz

/Koserow. Heute Abend um 18 Uhr dreht Christian Baller zum letzten Mal in dieser Saison den Schlüssel des Rettungsturmes in Zinnowitz um und geht nach Hause. Ein letztes Mal blickt der Wachleiter nach mehr als 120 Tagen Dienst auf dem Wachturm auf die Ostsee. Dann endet die Zeit der Rettungsschwimmer auf den Türmen. Im Mai 2019 sind die ehrenamtlichen Helfer wieder zur Stelle.

Vom Pflaster bis zum Jetski-Unfall: An der Ostseeküste Usedoms gab’s im Sommer viel zu tun

„Es war eine außergewöhnlich ruhige Saison“, so Baller. Für ihn war es bereits die 26. Strandsaison in Folge. „In diesem Jahr hat sich das Menschenaufkommen aufgrund des guten Wetters besser verteilt. In den vergangenen Jahren drängten sich die Urlauber an guten Tagen alle auf einmal an den Strand“, erklärt er. Er erkennt dies unter anderem daran, dass in diesem Jahr immer eine Gasse zwischen den Strandkörben und den Badenden frei war. „Es gab mal Jahre, da kamen wir mit dem Rettungsquad nicht durch.“

Auf rund 7300 Wachstunden kommen er und sein Team. „52 Männer und Frauen haben hier im Sommer ihren Dienst verrichtet“, sagt er. Große Personalsorgen hatte Baller allerdings nur in der Vorsaison. „Die Ferien haben dann noch nicht begonnen und viele Rettungsschwimmer sitzen auf der Schulbank“, sagt er.

198 Mal mussten die Retter in Zinnowitz erste Hilfe bei den Badegästen leisten. „Von der Zecke bis zum Pflaster war alles dabei“, sagt er. Bei elf Vorkommnissen musste auch der Rettungsdienst angefordert werden. „In den meisten dieser Fälle wegen Herzkreislaufproblemen bei älteren Besuchern“, erklärt Baller. In zwei Fällen musste auch der Rettungshubschrauber kommen. Ein Mal stürzte ein 15 Jahre alter Junge beim Fahren mit einem Jetski (die OZ berichtete), beim anderen Mal verletzte sich ein Mann am Sportstrand beim Heben von Gewichten. In beiden Fällen konnte nach kurzer Zeit Entwarnung gegeben werden.

In Koserow sorgten insgesamt 13 Wasserretter für die Sicherheit am Strand. Dieses Jahr mussten die ASB-Rettungsschwimmer zu vier Wasserrettungen, rund 45 Quad- und 30 Jetski-Einsätzen ausrücken – 14 Mal kam ein Rettungswagen zum Einsatz. Eine Person musste reanimiert werden. Insgesamt kommen die Männer und Frauen auf 272 Erste-Hilfe-Leistungen in 1116 Wachstunden.

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) überwacht Strandabschnitte in Trassenheide, Zempin, Ückeritz und Kölpinsee. Laut Pressesprecher Thorsten Erdmann wurden mehr als 24000 Wachstunden ehrenamtlich geleistet. „Wir haben in allen Orten 756 Mal leichte erste Hilfe leisten müssen“, sagt er. Das sei nach seinen Worten so viel wie lange nicht mehr. In zwei Fällen mussten die Rettungsschwimmer Badegäste aus den Fluten retten. „42 Mal war sogar schwere erste Hilfe notwendig. Das kommt zum Beispiel bei Allergien und Brüchen in Frage“, erklärt er. Zwei Mal fand auch eine Herz-Lungen-Wiederbelebung statt.

Die Ehrenamtlichen verteilten während der Badesaison von Mai bis September rund 1000 Kindersucharmbänder. „Diese bestehen aus hautverträglichem Silikon. So kann im Fall einer Vermisstenmeldung schneller gehandelt werden.“ 55 Mal mussten trotzdem Kinder gesucht werden, in 44 Fällen waren Erwachsene verschwunden. „Wir hatten in diesem Sommer volles Programm. Da es kaum Tage gab, an denen es regnete, waren die Rettungsschwimmer permanent im Einsatz. Ihre Freizeit, also die Zeit nach 18 Uhr, nutzten sie dann für Rettungsübungen“, so Erdmann. Drei Badegäste konnten in dieser Saison nur noch tot aus dem Wasser geholt werden. „In zwei der drei Fälle waren es unbewachte Strände beziehungsweise der Vorfall ereignete sich außerhalb der Wachzeit“, so Erdmann.

In Karlshagen mussten die Helfer vom Deutschen Roten Kreuz 74 Mal erste Hilfe leisten. Ein Mal wurde eine Person erfolgreich reanimiert. 25 Mal wurden Kinder gesucht und sieben Mal rückte der Rettungswagen an. Insgesamt kommen die Strandretter auf rund 6000 Wachstunden. Wie Leiter Olaf Mesing berichtet, rücken die Rettungsschwimmer heute ab, sind aber noch bis Ende September vor Ort, um abzubauen.

30 Badetote

In Mecklenburg-Vorpommern kamen in diesem Jahr 30 Menschen beim Baden ums Leben. „Elf Fälle ereigneten sich direkt an der Ostsee. In der Statistik tauchen auch Badeunfälle in kleineren Seen auf“, erklärt Thorsten Erdmann, Sprecher der DLRG.

Die Rettungsschwimmer in den Kaiserbädern bewachen bis Ende September die Strandabschnitte. Dort liegt eine Statistik für diese Badesaison noch nicht vor.

Hannes Ewert

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