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Usedom „Die Sprache erleichtert Vieles“
Vorpommern Usedom „Die Sprache erleichtert Vieles“
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07:44 23.04.2018
Wolgast

Sind die beiden jungen Leute echte Sprachgenies oder mindestens besonders sprachbegabt? Man möchte meinen, auf jeden Fall, denn ein Gespräch mit dem aufgeschlossenen Paar erweist sich – nicht zuletzt durch seine erstaunlichen wie vielfältigen Sprachkenntnisse – selbst in schwierigen Themenfeldern als Gewinn. Doch das vermeintliche kleine Wunder erklärt sich relativ schnell: Konstantin Achramjew (27), der in der Ukraine geboren ist, hat schon als Übersetzer gearbeitet, spricht neben Russisch und Englisch auch Deutsch. Und seine Partnerin, Anastasia Piksaeva (25), gebürtige Russin, kann sich auf französisch und englisch weitestgehend problemlos verständigen.

Anastasia Piksaeva und ihr Mann Konstantin Achramjew haben in Wolgast intensiv Deutsch gelernt. Die Noten der Abschlussprüfung sind zwar noch unbekannt, doch so oder so: Das Lernen geht für sie weiter. Quelle: Foto: Steffen Adler

Jetzt, nach nur fünf Monaten Deutsch-Ausbildung in der Wolgaster Niederlassung der Aus- und Fortbildungsgesellschaft für Wirtschaft und Verwaltung (SBM) und einem Praktikum, ist ihr Deutsch bereits erstaunlich. Klar, die Kommunikation mit Konstantin – auch außerhalb der täglichen Lektionen – hilft ihr ungemein. Die größte Motivation aber dürfte für beide sein: Sie wollen sich so rasch wie irgend möglich in Deutschland integrieren. „Und dabei macht das Beherrschen der deutschen Sprache eben Vieles leichter, Manches wird überhaupt erst dadurch wirklich ermöglicht“, beschreibt der 27-Jährige die Situation.

Gemeinsam mit Syrern, Kurden und Afghanen haben die beiden Asylbewerber mit einer Aufenthaltsgestattung für Deutschland wochentäglich von 9 bis 14 Uhr die Sprache der Gastgeber gebüffelt. Weiteres Vokabeln lernen am Nachmittag und Abend inklusive.

Um im Anschluss daran eine Ausbildung und/oder Arbeit zu finden, braucht es allerdings noch weit mehr: vor allem eine Erlaubnis der zuständigen Ausländerbehörde und die Hilfe der Arbeitsagentur sowie einen „motivierten Arbeitgeber“, erläutert Konstantin. Wie die Aussichten dafür stehen? Eine Gewissensfrage. „Man muss sich halt bemühen, und das tun wir.“

Anastasia hat im zweiten Teil ihres Praktikums einen Beitrag verfasst, der sich Aspekten der Migration und Integration im 21. Jahrhundert widmet. Ihre akademische Ausbildung aus Veliki Nowgorod wird dabei offenbar. Im Fokus steht genau die oben beschriebene Sprachausbildung als unerlässlich, um – egal wo – mit den Menschen des Gastgeberlandes zu kommunizieren, ihre Kultur kennenzulernen und das gesellschaftliche Leben zu verstehen. Zitat: „Mit dem Beherrschen der deutschen Sprache öffnet sich der Migrant dem Verständnis der deutschen Seele.“ Die Reduzierung der Deutschkurse auf Menschen mit Aufenthaltstiteln sieht Anastasia jedoch als Gefahr an, dass Kommunikation unmöglich gemacht wird, Missverständnisse entstehen können und neuer Hass gegenüber Migranten aufflammt.

Steffen Adler

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