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Die Themen liegen auf der Straße

Bansin Die Themen liegen auf der Straße

Der Bansiner Maler José Garcia y Más arbeitet in diesen „verrückten Zeiten“ politischer denn je. Nicht jeden freut das.

Bansin. Die Welt scheint aus den Fugen. Gefragt sind da durchaus auch – ja vielleicht sogar gerade – Künstler. Euro-Krisen und Brexit, Nationalismus und Trump, Kriege und Terror, Elend und Flucht. „Die Themen liegen massenhaft auf der Straße“, beschreibt José Garcia y Más sein Arbeitsumfeld. Und da kommt es ziemlich passend, dass der 71-Jährige seine gesundheitlichen Probleme der jüngeren Vergangenheit überwunden hat, wieder ohne Einschränkungen malen kann.

Es geht ihm in etwa wie den Kabarettisten; je tiefer die Widersprüche, je schmerzhafter die Verworrenheit der Verhältnisse, desto größer der Zwang, die Lust und die Leidenschaft, sie künstlerisch abzubilden. Nun ist das für Garcia nichts Neues, gehört Kanzlerin Merkel doch bereits seit Jahren zu jenen Macht-Menschen der politischen Welt, an denen er sich mit Vorliebe reibt. Denkt man nur an das Bild der auf der Toilette sitzenden Uckermärkerin, deren heruntergelassenen Slip die US-Flagge ziert. Solch unmissverständliche Botschaften gefallen nicht jedem. Und so folgt manchem anfangs interessierten Gespräch mit Galeristen später ein Garcia schon fast peinlich anmutendes Schweigen der Gegenseite. Ein Ausdruck der Angst? Obrigkeitsdenken bis zur -hörigkeit ist jedenfalls kein im Aussterben begriffenes Phänomen. Schon gar nicht in Deutschland mit preußischer Geschichte, wo militärisches Engagement bis heute immer wieder aufs Neue Fürsprecher in der vermeintlichen Elite findet.

Andere Zeitgenossen suchen hingegen gerade wegen seiner klaren künstlerischen Sprache wie politischen Aussage den Kontakt zum Spanier. „Heute morgen kam per Mail die Anfrage eines norwegischen Sozialdemokraten, der sich von José ein Cover für sein Buch wünscht“, berichtet Renate Garcia von hoffnungsvoll stimmenden Kontakten. „Ich bin der press officer“, umschreibt sie ihren nahezu unbegrenzten Wirkungskreis. 80 Portale im Netz „füttert“ sie mit Arbeiten ihres Mannes, leidenschaftlich, ruhelos. Dabei helfen ihr die guten Englisch- und Literaturkenntnisse ebenso wie ihre Aufgeschlossenheit. „Die Gene dafür sind von meinem Vater, der auch so gern kommuniziert und Kontakte gepflegt hat.“ Er war Kreisdirektor in NRW.

Sie ist wie ihr Mann dankbar, wenn seine Bilder in attraktiven Bänden verewigt sind. Etwa in Kai Langhans’ „Willy Brandt und die bildende Kunst“. Verkäufe und damit Einnahmen sind das Eine. Die Akzeptanz der Arbeit, das Interesse daran, der Dialog darüber, Kontroversen eingeschlossen – hier steckt hingegen das Wesen. Dass dies auch im Falle Garcias’ wie des Propheten gelegentlich im eigenen Lande weniger wert erscheint, als in der Ferne, gehört zu den Gesetzmäßigkeiten menschlichen Zusammenlebens.

„Doch wir jammern nicht“, stellt der Maler klar. Schon ab morgen ist er – mit Gabriela Beck-Schäfer – bei einer deutsch-polnischen Exposition in Swinemünde vertreten, für den Oktober ist eine Einzelausstellung in der Galerie für moderne Kunst in Vorbereitung. Für 2018 ist das deutsch-spanische Paar bereits in Gesprächen mit der Chefetage des Peenemünder Historisch-Technischen Museums.

Hier auszustellen, wie es Leiter Michael Gericke und Kurator Dr. Philipp Aumann in Aussicht gestellt haben, sei etwas ganz Besonderes.

Detlef Stapf hat in seinem jüngsten Katalogtext verallgemeinernd über Garcias Arbeiten und deren politischen Stellenwert so geurteilt: „Sein großes Thema ist die Entzauberung des endlosen Geschwätzes über moralische Werte als kitschiges Gewand schamloser Interessen.“ Ein Satz zum Verdauen. Eine These, deren Belege sich der interessierte Zeitgeist jeden Tag aufs Neue suchen kann. Und er wird fündig; egal ob im Radio, TV oder auf Nachrichtenportalen im Netz. Es braucht freilich Wissen und den Mut zum selbstständigen Denken. Der freundliche Maler mit dem herzlichen Lachen weiß beides zu benutzen.

Steffen Adler

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