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Die Wolgaster Volksbank seit 1919 neben der Post präsent

Wolgast Die Wolgaster Volksbank seit 1919 neben der Post präsent

Genossenschaftsbank blickt auf 150 Geschäftsjahre und eine bewegte Geschichte zurück. Nach der Gründung firmierte die Vorschuß-Verein GmuH in der Schusterstraße (Teil 1).

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Der Wolgaster Pferdemarkt um 1928. Bevor die Vorschuss- und Sparbank 1919 in das Gebäude an der Steinstraße 11 einzog, firmierte hier Kaufmann Gustav Winguth mit einer Kolonialwarengroßhandlung mit Schankkonzession — auch „Börse“ genannt.

Quelle: Tom Schröter

Wolgast. Die Volksbank Wolgast eG feiert in diesem Jahr 150-jähriges Bestehen. Eine Festrede zum Firmenjubiläum steht auf dem Programm der Generalversammlung heute Abend im Heringsdorfer Maritim-Hotel Kaiserhof. An dieser Stelle soll bereits vorab auf die Anfänge des Kreditinstituts eingegangen werden. Als Grundlage dient im Wesentlichen ein Gedenkblatt, dass der Vorstand der Vorschuß- und Spar-Bank eGmbH Wolgast im Jahr 1938 zum 75. Jubiläum herausgegeben hat.

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Dieses Foto entstand um 1920 und zeigt damalige Vorstandsmitglieder und Mitarbeiter der Vorschuss- und Sparbank. Im Vordergrund sind Direktor Carl Graf und Kontrolleur Max Beltz zu sehen.

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Mitte des 19. Jahrhunderts litten Handwerk und Kleinhandel unter der zunehmenden Konkurrenz des Kapitals und der Fabrikindustrie. Der Jurist Hermann Schulze rief in Delitzsch mit der Schuhmachergenossenschaft eine neue unternehmerische Rechtsform ins Leben. Deren Prinzipien — Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Solidarhaftung — übertrug er auch auf Vorschuss- und Kreditvereine, über die sich insbesondere der Mittelstand ohne Staatshilfe mit dem nötigen Geld für wichtige Investitionen versorgen konnte.

Auch in Wolgast stieß der Gedanke Schulzes auf fruchtbaren Boden. Eine Kommission unter Leitung des Apothekers Dr. Theodor Marsson erarbeitete entsprechende Satzungen, so dass am 8. April 1863 in einer öffentlichen Versammlung die Genossenschaft Vorschuß-Verein zu Wolgast eGmuH gegründet wurde. 60 Mitglieder traten der Firma sofort bei, so dass die Kasse am 1. Juni 1863 mit einem Betriebskapital von 1389 Talern eröffnet werden konnte. Der Sitz der Genossenschaft befand sich zunächst im Gebäude in der Schusterstraße 22, in dem sich heute eine Zahnarztpraxis befindet.

Aus der Vorstandswahl ging Marsson als Vorsitzender hervor. Weitere Funktionen bekleideten Kürschnermeister Pöpcke als Kassierer und Steuererheber Segebath als Kontrolleur. Im Aufsichtsrat saßen Färbereibesitzer Papcke, Kaufmann Röstell, Malermeister Zillmann, Kaufmann Walter, Konsul Brodt, Schuhmachermeister Müller, Böttchermeister Zosky, Kaufmann Schmidt und Magistratssekretär Pommerenke.

Die Neugründung entwickelte sich gut. Schon Ende 1864 standen in der Kartei 122 Mitglieder, denen aus dem Jahresgewinn zehn Prozent auf das dividendenberechtigte Guthaben gezahlt werden konnte. In den Folgejahren führte die Wolgaster Genossenschaft alle Geschäftszweige des Bank- und Genossenschaftswesens ein. Als Vorsitzende fungierten bis 1938 nacheinander Apotheker Marsson, Rechtsanwalt Schömann, Bürgermeister Lendel, Kaufmann Beyer, Kaufmann Winguth sowie Rechtsanwalt und Notar Sorsche.

Die Generalversammlung fasste 1911 den Beschluss zur Umwandlung der bisher unbeschränkten in eine beschränkte Haftung. Fortan hieß die Firma Vorschuß- und Spar-Bank Wolgast eGmbH. Das 50-jährige Bestehen wurde 1913 feierlich begangen. Zunächst versammelten sich die Gäste zu einem Festessen im Konzerthaus an der Chausseestraße, dann folgten Kaffeetafel, Konzert, und Tanz im Anlagenlokal Belvedere mit anschließendem Feuerwerk.

Um das Kassenlokal in zentraler Lage zu platzieren, verkaufte die Genossenschaft 1919 ihr angestammtes Domizil in der Schusterstraße und erwarb das Eckgrundstück in der Steinstraße 11 am damaligen Pferdemarkt. Zuvor betrieb hier Kaufmann Gustav Winguth etwa ab 1880 eine Spezereien- und Kolonialwarengroßhandlung mit Schankkonzession, die von den Wolgastern „Börse“ genannt wurde und zu der gewölbte Wein- und Bierkeller unter dem seinerzeit daneben befindlichen Garten gehörten. Im Gebäude befand sich fortan auch die Wohnung des Bankdirektors.

Den Ersten Weltkrieg überstand das Geldinstitut unbeschadet. Dagegen konnte es der Hyperinflation 1922/23 nicht standhalten. „Als die Milliarden und Billionen Ende 1923 auf ihren wahren Wert umgestellt wurden, standen wir dem Nichts gegenüber“, heißt es in der Chronik. Der über die Zeit gerettete Vermögensbestand der Bank beschränkte sich auf deren schuldenfreies Grundstück. Am 1. Januar 1924 wies die Eröffnungsbilanz in Aktiva und Passiva 44 980,87 Goldmark aus. Bald ging es wirtschaftlich wieder aufwärts. Von Ende 1924 bis Ende 1930 stiegen die Spareinlagen von 43 000 auf 892 000 Reichsmark.

Die Ausleihungen summierten sich 1930 auf über 1,25 Millionen Reichsmark, wobei das Geld ausschließlich der einheimischen Wirtschaft zugeführt wurde und so Handel, Handwerk und Landwirtschaft neuen Schwung verlieh. Der Aufstieg war nicht von langer Dauer. Die Wirtschaftskrise des Jahres 1931 brachte der Bank insbesondere durch die allgemeine Entwertung des Haus- und Grundbesitzes neue Probleme. (wird fortgesetzt)

Aus der Chronik: Einige Zahlen und Fakten

505 Mitglieder gehörten Ende 1937 zur Vorschuß- und Spar-Bank eGmbH Wolgast. Diese setzten sich zusammen aus selbstständigen Handwerkern (177), selbstständigen Kaufleuten und Fabrikanten (76), Landwirten und Pächtern (157), Angehörigen freier Berufe (40), Angestellten und Arbeitern (18) und Anderen (37).

Die Zahl der Genossenschaftler schwankte im Laufe der Jahre stark. Ihre bis dahin höchste Mitgliederzahl erreichte die Bank im Jahr 1926 mit 813. Weitere Vergleichszahlen: Jahr 1873/352 Mitglieder, 1888/494, 1913/402, 1924/712, 1931/736, 1934/614.

1764 Taler betrug die Summe der Mitgliederguthaben zum Ende des Gründungsjahres 1863. Die Entwicklung dieser Einlagen war enorm. 1873 standen bereits 16 496 Taler zu Buche. Weitere Vergleichszahlen: Jahr 1913/111 693 Reichsmark, 1925/60 600, 1929/ 169 000, 1933/157 000, 1937/123 000

Mit der Einführung des Kontokorrent- und des Überweisungs- und Scheckverkehrs erhöhte sich der Arbeitsaufwand. Während im Jahr 1913 etwa 9000 Posten bearbeitet wurden, waren 1926 bereits rund 60 000 und 1937 etwa 92 000 Posten zu bewältigen, was mehr Personal erforderte.

Tom Schröter

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