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Usedom Die etwas andere Schule: Hier sind Praktiker gefragt
Vorpommern Usedom Die etwas andere Schule: Hier sind Praktiker gefragt
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09:40 08.03.2016
Sergej Liefeldt (r.) zeigt den Schülern des Produktiven Lernens, Richard Wiedemann (16) und Alan Göttlich (l.), einen Schaltplan. Quelle: Henrik Nitzsche

Auf Schule hatte er kein Bock. Häufig blieb er sitzen. „Ich war faul“, gibt Sergej Liefeldt zu. Die Zukunft sah für ihn nicht rosig aus. Jahre später, Sergej ist heute 21 und Auszubildender in der Wolgaster Elektrofirma von Bernhard Janeck. Im Februar 2017 will Sergej seine Prüfung machen. Der gebürtige Kasache ist dann Elektroniker für Gebäudetechnik.

Auf Schule hatte er kein Bock. Häufig blieb er sitzen. „Ich war faul“, gibt Sergej Liefeldt zu. Die Zukunft sah für ihn nicht rosig aus.

Geschafft hat das der schüchterne, junge Mann durch eine spezielle Form der Schulausbildung, die die Wolgaster Kosegartenschule seit gut acht Jahren anbietet. Das sogenannte Produktive Lernen — das heißt, zwei Tage Schule, drei Tage in einem Praktikumsbetrieb. Bei Sergej, der heute in Wolgast lebt, hat es funktioniert. Um mit ihm über seine Erfahrungen zu sprechen, hat Ramona Tesch, Lehrerin an der Kosegartenschule, eine Unterrichtsstunde in eine leerstehende Wohnung in einem Block in der Neubauer-Straße verlegt. An ihrer Seite hat sie sechs Schüler, die ähnlich wie Sergej ihre Schwierigkeiten in der Schule hatten und haben. Sie wählen nun den Weg des Produktiven Lernens. Einer von ihnen ist Richard Wiedemann. Der 16-Jährige aus Alt Sallenthin ist im zweiten Jahr des Produktiven Lernens. Zwei Tage ist er in der Schule, drei Tage auf dem Reiterhof in seinem Wohnort. Ab 2017 will er Pferdewirt lernen. Ohne das Angebot in der Kosegartenschule wäre er wohl nicht soweit gekommen. „Ich habe es nicht so mit Hausaufgaben. Das Lernen fällt mir schwer“, sagt Richard, der staunt, welchen beruflichen Weg Sergej Liefeldt gegangen ist.

Ramona Tesch hat gegenwärtig acht Schüler in ihrer Klasse. „Es waren auch schon mal 14“, sagt sie.

Über 100 junge Leute zwischen 14 und 18 Jahren hätten diese Chance in den vergangenen Jahren wahrgenommen. Viele haben so ihren Hauptschulabschluss geschafft und danach einen Ausbildungsplatz bekommen. Im vergangenen Jahr konnten zwei Schüler mit dem Produktiven Lernen sogar ihren Realschulabschluss machen. „Das war eine Premiere“, betont Ramona Tesch.

Wenn ihre Schützlinge nicht in der Schule sind, arbeiten sie in Betrieben. Einer ist in der Malerfirma aktiv, ein anderer in der Kfz-Werkstatt. „Die Schüler sind Praktiker. Das ist für sie leichter“, so die Lehrerin.

Alan Göttlich (16) beispielsweise ist in einer Küche tätig. Der Zinnowitzer will Koch werden. Mit Schaltplänen für die Verteilung oder das Verlegen von Kabeln hat er nicht viel am Hut. Dennoch lässt er sich das von Sergej in Ruhe erklären. Der Kasache, der 2001 mit seinen Eltern nach Deutschland kam, macht den Schülern Mut: „Ihr müsst auch für die Prüfung lernen. Ich bin froh, einen Ausbildungsplatz gefunden zu haben. Ihr selbst müsst es aber wollen.“

Auf die Frage, was er denn verdiene, antwortet sein Chef: „Seit März bekommt er 700 Euro brutto“, sagt Bernhard Janeck, der Sergej als willigen Typen beschreibt, der nach seinem Praktikum in der Firma „am Ball geblieben ist. Und das trotz seiner Sprachschwierigkeiten“, so Janeck.

Ursprünglich wollte Sergej mit Handwerk gar nichts zu tun haben. Doch Praktika in der Kindertagesstätte oder als Florist während seiner Schulzeit waren seine Sache nun auch nicht. Bis Ramona Tesch die handwerklichen Fähigkeiten von Sergej bei einem Projekt mit Holz in der Schule entdeckte.

Und heute: Da weiß der gebürtige Kasache sehr gut, mit Schraubenzieher und Spannungsprüfer umzugehen.

Drei Schulen im Landkreis

Das Produktive Lernen ist ein besonderes Bildungsangebot im Rahmen der flexiblen Schulausgangsphase. Es ermöglicht den Teilnehmern, im Laufe von mindestens zwei und maximal vier Jahren, den selbst angestrebten Schulabschluss zu erreichen.

Voraussetzungen: Mindestens 14 Jahre alt und Abschluss der 7. Klasse.

Was ist anders?

— Drei Tage Praxis in einer Firma deiner Wahl, zwei Tage Unterricht. Das Schuljahr wird in Trimester eingeteilt.

Schulen im Landkreis, die Produktives Lernen anbieten: Kosegartenschule Wolgast, Kollwitz-Schule Anklam, Caspar-David-Friedrich-Schule Greifswald

Tag der offenen Tür in der Wolgaster

Kosegartenschule: 7. April, 17 Uhr

Von Henrik Nitzsche

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