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Usedom Diese Motive kommen aus dem Dunkeln
Vorpommern Usedom Diese Motive kommen aus dem Dunkeln
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00:00 19.04.2013
Wolgast

Der Moment ist magisch. Das Motiv ist schon da, aber man sieht es noch nicht. Ein leeres Blatt Papier gleitet in eine Flüssigkeit und nach wenigen Sekunden wird das Bild sichtbar. „Früher hatte jeder eine Dunkelkammer. Für uns ist es etwas ganz Besonderes, zu sehen, wie analoge Bilder entstehen“, sagt Melissa Weiß (15), Schülerin am Runge Gymnasium in Wolgast.

Die Bilder sind gut geworden, sagt sie. Nur manchmal sei das Gesicht nicht sichtbar oder jemand habe die Augen zu. „Man sieht ja das Ergebnis nicht sofort nach der Aufnahme.“

Für die Schüler ist es Alltag: Heute reicht ein Klick mit dem Smartphone oder iPad oder wie sie alle heißen, die technischen Möglichkeiten. Um ein Bild in Sekundenschnelle aufzunehmen, anzusehen und im Zweifel gleich wieder zu löschen. „Fotografiert wird ganz viel“, sagt Torsten Krause, „aber Papierbilder gibt es immer weniger.“ Der Fotograf aus Bugewitz brachte den Workshop, den er „Von Angesicht zu Angesicht“ nannte, an die Schule. Man solle nicht glauben, dass die Jugendlichen sich auf der modernen Technik ausruhen wollen. Sie seien interessiert bei der Sache und verstehen die Handhabung schnell. „Im Grunde funktioniert es wie mit digitalen Aufnahmen, nur viel langsamer“, sagt Krause. In dieser Woche nutzten zwölf Schülerinnen die Möglichkeit, die fast vergessene Technik auszuprobieren.

Marie Rempfer (14) war zunächst misstrauisch. Sich selbst fotografieren lassen? Ein komisches Gefühl. Im Workshop ging es um Körpersprache. Nonverbale Kommunikation sollte auf dem Bild transportiert werden. „Kleidung, Schmuck, Haltung oder Mimik sagen auch ohne Sprache viel aus“, sagt Torsten Krause. Die Schüler sollten sich überlegen, was sie ausdrücken wollen. Als die mobilen Fotostudios aufgebaut waren, schauten sie verlegen oder traurig, erschreckten sich oder schienen plötzlich überrascht zu sein — oder auch angeekelt. Die Liste der Möglichkeiten war lang. „Am Ende gingen uns fast schon die Ideen aus“, sagt Jil-Laurel Patragst (14), denn ein Film mit 36 Aufnahmen will erst mal gefüllt werden. „Aber es hat sich total gelohnt“, schwärmt Marie dann doch. Zum Schluss hielten alle Mädchen ein großes Schwarz-Weiß-Bild im A3-Format von sich in den Händen. Doch der Weg dahin war lang. Die Filme mussten im Dunkeln aus den Kameras geholt und Negative entwickelt werden. In der Dunkelkammer wurden die Negative, viele Mini-Bilder, auf Fotopapier sichtbar gemacht. Um die schönsten Motive auszuwählen. Das Beste wurde belichtet. Und schließlich kamen auf dem weißen Blatt, wie durch Zauberei — mit Hilfe verschiedener Entwicklerflüssigkeiten — die Porträts zum Vorschein.

Die Ergebnisse werden heute in den Fluren des Runge Gymnasiums ausgestellt. „Dann sehen wir uns jeden Tag“, sagt Marie — von Angesicht zu Angesicht.

Irene Burow

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