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Usedom Durchatmen auf Usedom
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00:00 22.02.2017
Backen einen Schokokuchen: Dima Boborov (v.l.), Aleja Nikifarawa und Egor Romanenko. Quelle: Fotos: K. Ahlers (2), A. Gutsche (1), H. Ewert (1)
Zinnowitz

Mit einem Schneebesen rührt Aleja Nikifarawa den Kuchenteig. „Das macht Spaß“, sagt die Elfjährige. Zusammen mit zehn weiteren Kindern ist die Weißrussin zum Backen im Zinnowitzer Hotel Preußenhof eingeladen. „Das wird ein Schokokuchen. Den essen wir später“, sagt sie mit strahlenden Augen. Die Kochmütze auf ihrem Kopf ist leicht verrutscht, in ihrem Gesicht kleben Teigreste.

Seit Anfang Februar sind elf Tschernobyl-Kinder zur Kur auf der Sonneninsel / Therapie, Sport und Backen stehen auf dem Programm

Der Ausflug hilft dem Mädchen, abzuschalten und ihre schwere Krankheit kurz zu vergessen. Aleja leidet unter Ichthyose – einer Verhornungsstörung der Haut. Schuld daran ist eine der schlimmsten Katastrophen in der Geschichte der Kernenergie: Vor rund 30 Jahren explodierte in Tschernobyl, nur etwa 100 Kilometer entfernt von Choiniki, der Heimat der Kinder, ein Reaktor. Auch wenn sie damals noch lange nicht geboren waren, bekommen auch sie die Auswirkungen der Strahlung zu spüren.

„Im Sommer brennt und juckt es besonders stark“, sagt Aleja. Auf ihrer Stirn pellt sich die Haut leicht. „Das sieht nicht schön aus“, meint sie. „Die Kleinen leiden außerdem unter Neurodermitis und Atemwegserkrankungen“, erklärt Dolmetscherin und Begleiterin Katja Zinovich. Einige Kinder, wie Aleja, seien bereits 2016 auf Usedom gewesen. „Bei ihr sieht man seitdem eine Verbesserung im Hautbild“, sagt die 29-Jährige. „Der Urlaub in Deutschland tut ihnen gut.“

Möglich machen das der Verein „Den Kindern von Tschernobyl“ und die IFA-Kinderklinik in Kölpinsee, die für Betroffene seit mehr als 15 Jahren im Februar eine vierwöchige Kur organisieren. „Die Ostsee-Luft und die gesunde Ernährung verschaffen Linderung“, sagt die behandelnde Kinderärztin Dr. Anngrit Behrens. „Der Gedanke, in einer verseuchten Gegend zu leben, ist schrecklich. Wir wollen helfen, so gut es geht. Hier können sie sich erholen, bekommen Sporttherapien, können Heilbäder nehmen und werden medizinisch betreut.“ An Heilung sei, so die 40-Jährige, allerdings nicht zu denken.

„Dadurch, dass die Krankheiten genetisch bedingt sind, ist das nicht möglich“, sagt sie.

Viele Kinder sind sogar so krank, dass nicht klar ist, ob sie noch lange leben werden. „Ich begleite die Kinder seit 15 Jahren und immer wieder hört man von früheren Kurgästen, die verstorben sind“, sagt Helfer Ralf Schwarzenberg aus Zinnowitz. „Es ist sehr traurig. Die Kinder sind so tapfer – sie kennen ihr Schicksal. Trotzdem stehen sie hier fröhlich und backen gemeinsam.“

Seit dem 2. Februar sind die Weißrussen bereits in der Region. Unter anderem standen Besuche in „Karls“-Erlebnisdorf in Koserow und im Stralsunder Ozeaneum sowie viele Strandspaziergänge an. „Mir hat es am besten auf der Schmetterlingsfarm gefallen“, erzählt Aleja. „Ich habe viele bunte Falter ganz nah gesehen.“ Auch dem siebenjährige Dima Bobrov gefallen die Aktivitäten. „Ich mag es, wenn wir Sport machen“, sagt er. Dennoch hat er mit Heimweh zu kämpfen. „Ich vermisse meine Mama. Aber hier kann ich besser atmen“, sagt der Junge, der an Bronchial-Asthma leidet, tapfer.

Bevor es für die Tschernobyl-Kinder am Dienstag zurück in die Heimat geht, feiern sie am Wochenende beim Zinnowitzer Karneval. „Ich kenne das von zuhause nicht“, meint Aleja. „Vielleicht werde ich mich verkleiden.“

Bis dahin muss sich die Elfjährige zusätzlich erholen – wie viele ihrer Freunde wurde auch sie von der Erkältungswelle in MV erwischt. „Daher mussten wir den geplanten Ausflug in die Bernsteintherme absagen“, sagt Schwarzenberg. Er ist froh, dass der Preußenhof spontan die Küche zur Verfügung stellte und das Team beim Backen half.

Katharina Ahlers

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