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EKZ: Filetstück im Kaiserbad hat neuen Eigentümer

Heringsdorf EKZ: Filetstück im Kaiserbad hat neuen Eigentümer

Berliner Immobilienfirma kauft altes Einkaufszentrum in der Heringsdorfer Ortsmitte / Bisheriger Besitzer gibt nach zehn Jahren entnervt auf / Bauvoranfrage liegt vor Gericht

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Die Heringsdorfer Ortsmitte mit der Promenade, dem maroden Einkaufszentrum (EKZ/links) sowie der ehemaligen Spielbank (rechts).

Quelle: Henrik Nitzsche

Heringsdorf. Der größte Schandfleck im Heringsdorfer Ortszentrum hat einen neuen Eigentümer. Die Fluck & Landt Immobilien GmbH aus Berlin hat das Einkaufszentrum (EKZ) gekauft. Das bestätigte gestern Götz Fluck, geschäftsführender Gesellschafter der Gesellschaft. Sein Plan ist es, „dort eine markante und neue Bebauung hinzubekommen“.

Gut zehn Jahre lang hat das die HD Projektentwicklungs GmbH aus Berlin probiert, die der Ortsmitte mit einem Hotel, Gaststätten, Geschäften, Arztpraxen und Wohnungen ein neues Gesicht geben wollte.

„Heringsdorf hätte dort die Chance gehabt, etwas Prägendes und Modernes zu bekommen. Doch die Kommune ist leider gespalten, Mehrheiten zu bekommen ist schwierig. Das Klima in der Gemeinde ist auch nicht gut. Viele agieren hintenherum und das ist nicht förderlich“, rechnet HD-Geschäftsführer Herbert Dzial mit der Kommune ab. Von all den Auseinandersetzungen und juristischen Spielchen sei er genervt gewesen, gab er gestern am Telefon zu. Zudem habe sein Unternehmen in Berlin derzeit genug Projekte am Laufen. Deshalb hatte er sich schon länger mit dem Gedanken getragen, das Objekt zu verkaufen.

Ein möglicher Käufer hätte auch die Gemeinde Heringsdorf sein können, wie der stellvertretende Bürgermeister Marcus Strömich gestern bestätigte. Über die gemeindeeigene Wohnungsgesellschaft wurde im April 2016 geprüft, ob ein Kauf der Immobilie zu finanzieren ist, „um gestalterisch noch besser auf das Projekt Einfluss zu nehmen“, so Strömich. Angesichts der schwierigen finanziellen Lage der Gemeinde – sie befindet sich in der Haushaltssicherung – habe man sich aber gegen das gemeindliche Vorkaufsrecht entschieden.

Was in der Vergangenheit alles war, will Götz Fluck gar nicht wissen. Als neuer Eigentümer tritt er aber in die Rechte des Vorgängers, betont Strömich. Und bezieht sich dabei auf die bestehende Klage der Gemeinde gegen den Landkreis Vorpommern-Greifswald.

Die Firma HD hatte nämlich vor zwei Jahren mit einer Bauvoranfrage für eine abgespeckte Version einen erneuten (und letzten) Anlauf gewagt. Die Ablehnung der Kommune – Kritik gab es beispielsweise an der Größe der Kubatur und am ungeklärten Verkehrsfluss – ersetzte der Kreis, der danach den gemeindlichen Widerspruch ablehnte. „Daraufhin haben wir im Dezember 2014 beim Verwaltungsgericht Greifswald gegen den Kreis Klage eingereicht“, so Strömich. Die Entscheidung vom Gericht stehe zwar noch aus, jedoch ist aus Sicht von HD-Chef Herbert Dzial das Baurecht so gut wie sicher. „Das hat mir ein Richter gesagt“, so Dzial, der von einem „würdigen Nachfolger“ spricht.

Der neue Eigentümer sieht die Rechtslage entspannt. „Es macht keinen Sinn, eine Planung gegen eine Gemeinde durchzusetzen“, sagt Fluck. Zu seinem Konzept – „auf jeden Fall will ich die Ärzteschaft mit einbauen“ – wollte er sich detailliert noch nicht äußern, zur Kaufsumme auch nicht. „Ich weiß, dass das Objekt als Fremdkörper empfunden wird. Das ist aber eine spezielle Lage mit enormem Potenzial“, so Götz Fluck, der mehrere Immobilien in Berlin, Leipzig und Dresden habe.

Chronologie

September 2006: Das Einkaufszentrum (EKZ) im Herzen des Kaiserbades erwirbt die HD Projektentwicklungs GmbH Berlin.

April 2007: Im Heringsdorfer Bauausschuss wird über die Pläne des Investors beraten. An der Stelle des EKZ soll ein Medical-Wellness-Hotel mit Arztpraxen, Restaurants und Läden gebaut werden.

Mai 2007: Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan wird gefasst

Januar 2009: Zu den Planungsunterlagen zum Projekt gibt es Kritik an der Höhe der geplanten Gebäude.

2010: Drei Nachbarn reichen gegen den Bebauungsplan eine Normenkontrollklage beim Oberverwaltungsgericht Greifswald ein. Die Gemeinde hatte daraufhin dem Investor eine leicht abgespeckte Variante abgerungen.

November 2011: Der daraufhin geänderte Bebauungsplan für die Ortsmitte fällt in der Gemeindevertretersitzung aber durch. Damit hat der alte B-Plan Bestand, gegen den geklagt wurde.

2013 wird die bereits fertige Planung vom Oberverwaltungsgericht gestoppt, weil die Kritik an der Kubatur der geplanten Gebäude anhält.

Januar 2014: Der Berliner Investor wagt neuen Anlauf: Die Bruttogeschossfläche wird verringert, bei der Höhe der Gebäude werden Abstriche gemacht. Mit der abgespeckten Version stellt HD beim Kreis eine Bauvoranfrage. Die Gemeinde hat inzwischen einen Aufstellungsbeschluss für einen neuen Bebauungsplan beschlossen.

Oktober 2014: Streit geht weiter: Der Kreis befürwortet die Bauvoranfrage. Die Gemeinde geht in Widerspruch, der vom Kreis abgewiesen wird.

Dezember 2014: Gemeinde klagt gegen den Kreis. Eine Entscheidung steht aber noch aus.

März 2016: HD verkauft an die Berliner Fluck & Landt Immobilien GmbH

Chance für einen Neuanfang

Drei Bebauungspläne in acht Jahren, Workshops und Termine vor Gericht – um das Heringsdorfer Filetstück zwischen Kurhotel und Maritim-Hotel wird seit Jahren gestritten und gerungen. Kein Wunder, dass es im Volksmund heißt: „Da passiert doch nie etwas.“ Ob mit dem neuen Eigentümer der hässliche Kasten endlich verschwindet, bleibt abzuwarten. Der alte Investor hat sich entnervt zurückgezogen. Für die Gemeinde ist das die Chance für einen Neuanfang. In den politischen Gremien sollte man sich auf Augenhöhe mit dem Eigentümer auf ein Projekt verständigen, das alle Seiten mittragen können.

Ansonsten springt bald der nächste Bauherr frustriert ab und das Kaiserbad, das in der Champions League der Bäder an der Ostsee mitspielen will, präsentiert seinen Gästen auch weiter eine Ortsmitte an der Promenade, die zwischen den schicken Villen im Stil der Bäderarchitektur und der Seebrücke deutlich abfällt.

Henrik Nitzsche

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