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Usedom EKZ – eine (un)endliche Geschichte
Vorpommern Usedom EKZ – eine (un)endliche Geschichte
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00:05 10.02.2018
Ein Schandfleck im Herzen des Kaiserbades - das alte Einkaufszentrum (EKZ) an der Heringsdorfer Promenade. Quelle: Foto: Henrik Nitzsche
Heringsdorf

Wenn es um das Heringsdorfer Ortszentrum geht, könnte man von den unzähligen Visionen, Konzepten und Bauanträgen locker eine Buchreihe auf den Markt bringen. Papier ist geduldig. Auch mit dem neuen Eigentümer des Einkaufszentrums (EKZ), der Fluck & Landt Immobilien GmbH aus Berlin, ist in die hässliche Kaiserbad-Mitte noch keine Bewegung gekommen. „Wer weiß, ob in den nächsten fünf Jahren was passiert“, sagt Frank Kirsten vom Berliner Eigentümer.

Bebauung Ortsmitte soll im März in die Heringsdorfer Ausschüsse / Brandschutzkonzept in Arbeit

Ideen, wie das EKZ, auf dessen graue Fassade nur noch der Schriftzug „Kaiserhof Atlantic“ an glorreiche Hotelzeiten erinnert, nach einem Neubau mal aussehen könnte, haben die Hauptstädter mehreren Vertretern der Gemeinde im kleinen Kreis Ende des Jahres bereits präsentiert. „Hotel, Ärzte, Gastronomie und Wohnungsbau sind die Themen, die für uns wichtig sind“, sagt Kirsten zum Projekt. In der Immobilie, die die Gesellschaft im Frühsommer 2016 erworben hat, gebe es 50 Gewerbeeinheiten. „Etwa die Hälfte davon haben wir verpachtet.“ Um weitere Räume im EKZ vermieten zu können, braucht es ein Brandschutzkonzept für das Haus, das gegenwärtig in Arbeit ist, so Kirsten. „Das hat erst einmal Priorität.“

Mit der ehemaligen Diskothek „Finest Club Usedome“, wo Ende Oktober 2017 die Lichter ausgingen, und dem einstigen Bowling-Kaiser im Obergeschoss stehen allein über 1200 Quadratmeter in dem Haus leer.

„Unsere Mieter haben bis 2020 einen Vertrag“, sagt der Berliner, der von „Geduld“ spricht, wenn es um eine zukünftige Bebauung geht. Aus seiner Sicht stehe sich die Kommune derzeit selbst im Wege.

Dass die Ortsmitte nach den vielen Jahren wieder auf die Tagesordnung in den Gemeindegremien kommt, dafür will sich Bauausschussvorsitzender Harald Linde einsetzen. Für Mitte März kündigt er eine gemeinsame Sitzung des Umwelt-, Tourismus- und Bauausschusses an – hinter verschlossenen Türen. „Das EKZ ist nur ein Baustein der Ortsmitte. Wir brauchen endlich einen Rahmenplan für den städtischen Innenbereich. Dazu gehört auch ein Verkehrskonzept.“

Ein Bebauungsplan gibt es für das Ortszentrum derzeit nicht. Der letzte B-Plan wurde vom Oberverwaltungsgericht kassiert. Bestand habe aus Sicht von Linde lediglich eine rechtskräftige Bauvoranfrage des vorherigen Eigentümers des EKZ, der HD Projektentwicklungs GmbH aus Berlin. „Das wird aber keine Rolle spielen, da die neuen Eigentümer ihre eigenen Vorstellungen umsetzen wollen“, sagt Linde.

Mitte des vergangenen Jahres hatte er seine Visionen für das Zentrum des Seebads vorgestellt. Sein Traum: Heringsdorf sollte in der Weltliga der Kurbäder mitspielen! Im Fokus aller Überlegungen stehen die künftige Gestaltung des EKZ und der benachbarten Türme von Kurhotel und Kurklinik.

„Es braucht den Mut für Investitionen“, so Linde. „Und für Kompromissbereitschaft“, entgegnet Kirsten. Ziel des Bauausschussvorsitzenden ist es, zum Ortszentrum noch in diesem Jahr eine Beschlussvorlage in die Gemeindevertretung einzubringen, „um endlich mal voranzukommen“.

„Heringsdorf hätte im Zentrum die Chance, etwas Prägendes und Modernes zu bekommen“, hatte Investor Götz Fluck nach dem Kauf der Immobilie betont.

Viele Pläne und Klagen

April 2007: Im Heringsdorfer Bauausschuss wird über die Pläne des Investors beraten. An der Stelle des EKZ soll ein Medical-Wellness-Hotel mit Arztpraxen, Restaurants und Läden gebaut werden.

Mai 2007: Der Aufstellungsbeschluss für den B-Plan wird gefasst.

2010: Drei Nachbarn reichen gegen B-Plan Klage beim Oberverwaltungsgericht Greifswald ein. Gemeinde ringt dem Investor abgespeckte Variante ab.

2011: Der geänderte Bebauungsplan fällt in der Gemeindevertretersitzung durch. Der alte B-Plan hat Bestand, gegen den geklagt wurde.

2013 wird die fertige Planung vom Oberverwaltungsgericht gestoppt, weil die Kritik an der Kubatur der geplanten Gebäude anhält.

Januar 2014: Der Berliner Investor wagt neuen Anlauf: Bruttogeschossfläche wird verringert, bei der Höhe der Gebäude werden Abstriche gemacht. Mit der abgespeckten Version stellt HD beim Kreis eine Bauvoranfrage. Gemeinde beschließt aber neuen Bebauungsplan.

Oktober 2014: Streit geht weiter: Kreis befürwortet die Bauvoranfrage, Gemeinde geht in Widerspruch, der vom Kreis abgewiesen wird.

Dezember 2014: Gemeinde klagt gegen den Kreis.

März 2016: HD

verkauft an die Berliner Fluck & Landt Immobilien GmbH

Henrik Nitzsche

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