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Usedom Ehemalige Seeleute suchen musikalischen Nachwuchs
Vorpommern Usedom Ehemalige Seeleute suchen musikalischen Nachwuchs
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00:00 07.05.2016
Zu den Proben treffen sich die Männer des Shantychores Insel Usedom in der Seeklause Trassenheide. Quelle: Hannes Ewert

So stellt man sich einen Shanty-Chor vor: Rüstige Rentner mit weißem Rauschebart singen in blau-weiß-gestreiften Hemden und rotem Halsband Seemannslieder.

Bis zu 70 Auftritte absolviert das Ensemble im Jahr / Höhepunkt ist unter anderem ein Shantychortreffen in Lübeck-Travemünde mit 40 Chören

Sie berichten von Freiheit, Heimat, Sehnsucht und der Liebe zum Meer. Seit 2008 ziehen die teils ehemaligen Seeleute vom Shantychor Insel Usedom durch die Lande und verbreiten ihre Botschaft an ihre Zuhörer. Doch die Männer zwischen 60 und 83 Jahren haben ein zunehmendes Problem: Es fehlt der sangesfreudige Nachwuchs. Derzeit tragen 38 Mitglieder ein Repertoire von 170 Seemannsliedern vor. Vor acht Jahren startete der Chor mit 14 Männern.

„Es gibt kein Mindestalter, um unserem Chor beizutreten“, sagt Peter Schlak, der Vorsitzende des Vereins. „Wichtig ist nur eine Stimme. Und die hat ja jeder. Und wer eine Stimme hat, der kann auch singen“, sagt er und lacht. Der 78-Jährige leitete vor seiner Zeit auf Usedom einen Chor in Geesthacht, seiner Heimatstadt in Schleswig-Holstein. „Leider kommt es immer wieder vor, dass die Herren es körperlich nicht mehr schaffen oder — so traurig es auch ist — sterben.“

Ein Mal in der Woche kommen die Mitglieder in der Trassenheider „Seeklause“ zusammen, um sich auf kommende Auftritte vorzubereiten. „Wir stimmen auch weihnachtliche Lieder an. Davon haben wir etwa 70 Stück im Programm“, sagt Ursula Hallaschk. Die 66-Jährige ist als musikalische Leiterin die einzige Frau in der männerdominierten Riege. Früher arbeitete sie als Sopranistin an Opernhäusern. „Meine Familie ist sehr musikalisch. Und ein Schlag Liebe zur See ist auch dabei, denn einige aus der Familie sind auch zur See gefahren“, berichtet sie.

Die heutigen Mitglieder haben alle irgendetwas mit der See zu tun. „Sie waren früher Kapitäne, Matrosen, Köche oder Offiziere. Man kommt so auch zusammen und redet über alte Zeiten. Das gehört dazu“, sagt Vorsitzender Schlak.

Den letzten Auftritt hatte das Ensemble auf dem Traditionssegler „Gorch Fock“ in Stralsund. „Demnächst sind wir auf dem Lämmermarkt in der Stadt Usedom. Im Jahr kommen etwa 60 bis 70 Auftritte zusammen“, sagt Ursula Hallaschk.

Durch die Auftritte finanziert sich der Chor. „Davon kaufen wir beispielsweise neue Technik. Wir sind ein gemeinnütziger Verein — also nicht gewinnorientiert“, sagt Schlak.

„Trainiert“ wird übrigens immer in Alltagskleidung. „Nur zu den eigentlichen Auftritten holen wir unsere Uniformen heraus. Insgesamt haben wir drei verschiedene zur Auswahl“, berichtet Schlak.

Wer Lust hat, bei den Männern, die alle von der Insel Usedom und dem näheren Umland kommen, mitzusingen, der kann gerne jeden Donnerstag um 17.30 Uhr in der „Seeklause“ Trassenheide vorbeikommen.

Shanty und Co.

Ein Shanty ist laut Definition eine Form des Seemannsliedes. Bei vielen gehört dies zum Seemannsbrauchtum.

Mitte des 19. Jahrhunderts tauchte dieser Begriff zum ersten Mal auf. Er leitet sich vom Wort „shant“ — also dem Singen — ab.

In der Regel siedeln sich diese Chöre in Küsten- und Hafengebieten an.

Vom 24. bis 26. Juni 2016 findet in Lübeck-Travemünde das größte

Shantyfestival statt.

Von Hannes Ewert

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