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Zinnowitz Ein Haus voller Unfrieden

Zinnowitz: Im Gnitzer Weg herrscht seit Monaten ein rauer Ton / Mieter und Vermieter liegen nach einer Fäkalhavarie im Clinch

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Ein Bild vom September 2017: Jean-Jacques und Birgit Nsaka sowie Henry Haase eine Woche nach der Havarie.

Quelle: Foto: Henrik Nitzsche

Zinnowitz. Wenn einige Bewohner aus dem Gnitzer Weg 1a auf ihren Vermieter Mario Riewe aus Schönhausen bei Neubrandenburg treffen, kann es laut werden – sehr laut sogar. Seit September herrscht zwischen zwei von vier Mietparteien des Hauses und dem Vermieter ein rauer Ton. Ein klärendes Gespräch? Kaum vorstellbar. Beide Seiten bevorzugen es, über Rechtsanwälte, Gutachter, Ämter und Behörden zu kommunizieren. Denn seit einer Fäkalhavarie in der Wohnung von Familie Nsaka hängt der Haussegen mächtig schief.

OZ-Bild

Zinnowitz: Im Gnitzer Weg herrscht seit Monaten ein rauer Ton / Mieter und Vermieter liegen nach einer Fäkalhavarie im Clinch

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Im September 2017 hatte die Familie eine Rohrverstopfung in der Küche. Experten mussten ran, um die Kanäle zu reinigen. Es stellte sich heraus, dass literweise altes Fett die Rohre verstopfte. Woher das Fett kam, ist laut Gutachten nicht bekannt. Die Arbeiter setzten möglicherweise den Druck zu stark an, als sie die Leitungen säuberten. Das Ergebnis: Aus der Toilette und der Badewanne am anderen Ende der Wohnung kam das Abwasser samt Fäkalien und Fetten und überflutete einen Großteil der Wohnung. Später bildete sich durch die freigesetzten Bakterien Schimmel. An Normalität war nicht mehr zu denken. Kleidungsstücke, Möbel und anderes Inventar waren reif für den Müll. Die OZ berichtete über den Vorfall, auch ein Fernsehteam filmte in der Wohnung.

Seither herrscht ein erbitterter Streit. Familie Nsaka wirft Vermieter Mario Riewe vor, sich nicht angemessen um den Schaden und die Folgen gekümmert zu haben. Riewe hingegen ist sauer, weil die Nsakas sich nicht korrekt verhalten hätten und die Miete nicht gezahlt wird. Es geht um Gutachten, Nachweise – und viel Geld. Auch die Mietwohnung über ihnen von Familie Haase war vom Schimmelbefall betroffen. Dort gehen seit dem Zeitpunkt die Pflanzen ein, die Mieter leiden nach eigenen Angaben unter gesundheitlichen Problemen. Sie haben bereits einen Schuldigen ausgemacht, der für die Misere verantwortlich ist: Vermieter Mario Riewe. Dieser hat ihnen zum Ende des Vorjahres gekündigt. Trotz gesundheitlicher Probleme haben sie die Wohnung noch nicht verlassen. Grund: Sie finden keinen geeigneten freien Wohnraum in der Nähe.

Die anderen Mieter des Hauses kennen die Probleme ihrer Nachbarn, haben selbst aber keine Beschwerden. „Wir haben keinen Schimmel in der Wohnung, nicht mal ansatzweise“, sagt etwa Anne-Carolin Grimm.

Im Gegensatz zu ihren Nachbarn pflegen sie ein gutes Verhältnis zu ihrem Vermieter.

Seit mehreren Wochen ist die Wohnung von Familie Nsaka unbewohnt. Die Rollläden sind runtergezogen. Das Ehepaar, die beiden Kinder, die beiden Hunde und die Katze haben eine neue Bleibe gefunden. Wo genau, will Birgit Nsaka nur in Abwesenheit ihres Vermieters verraten.

Miete für die Wohnung hat Mario Riewe schon lange nicht mehr gesehen. „Bislang sind Mietrückstände von rund 3200 Euro aufgelaufen. Auch Familie Haase kürzte die Miete erheblich“, erklärt er. Riewe schildert, dass er selbst nur noch für das Haus arbeiten geht, damit die Finanzierung über 20 Jahre zu halten ist. „Ich habe einen normalen Job als Elektriker, aber 1000 Euro muss ich zusätzlich für die Kreditabzahlung aufbringen. Das geht an die Substanz“, erklärt er. „Ich bin tagsüber zwölf Stunden für die Arbeit unterwegs, zu Hause beginnt für mich die zweite Schicht mit dem Haus.“ Wenn Riewe über den Streit spricht, zittern seine Hände. Er blättert in dicken Aktenordnern, die er über den Schriftverkehr mit den Mietern angefertigt hat. Schreiben vom Mieterschutzbund, dem Landkreis, Gutachtern, Anwälten oder Ärzten – es vergeht nicht eine Woche, in der in Riewes Briefkasten nicht ein oder zwei Schreiben landen. „Ich traue mich manchmal gar nicht mehr, den Briefkasten zu öffnen“, sagt er. Regelmäßig kommt Riewe auf die Insel, um nach dem Rechten im Gebäude zu schauen.

Über die Zustände im Haus könnten die Mieter stundenlang berichten. Nach etwa zwei Stunden ist das Gespräch mit der OZ in der Wohnung vorbei. Doch damit nicht genug: Am Reporter-Auto klebt ein Zettel, dass Familie Nsaka noch erheblichen Redebedarf hat. Birgit Nsaka kommt mit ihrem Mann vor die Tür. Im Schlepptau: Henry Haase. Was folgt, ist eine minutenlange Diskussion zwischen dem Vermieter Mario Riewe und den beiden Parteien. Einer wirft dem anderen vor, gelogen zu haben. Am Ende folgte ein lautstarker Monolog von Jean-Jacques Nsaka in Richtung Mario Riewe. Die Nerven liegen blank, ein sachlicher Austausch von Argumenten ist nicht mehr möglich. Riewe ließ ein Gutachten anfertigten, welches den Zustand des Hauses dokumentiert. Nsakas meinten, dass Riewe noch weitere Gutachten bezahlen solle, die den gesundheitlichen Aspekt des Wohnens im Haus beleuchten sollten.

Nach dem hitzigen Wortgefecht gehen alle auseinander. Jean-Jaques Nsaka kündigt an, dass alles vor Gericht lande. Für Riewe ist der Sonnabend gelaufen. Erst fährt er zu einem Freund nach Ahlbeck, dann wieder zurück nach Hause. Er sowie die verbliebenen Mietparteien hoffen auf Frieden im Haus.

Hannes Ewert

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