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Usedom Ein Heim und ein Mann für Luise
Vorpommern Usedom Ein Heim und ein Mann für Luise
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00:00 13.12.2017
Voigtsdorf/Greifswald

Hunger macht unaufmerksam. Die Lektion dürfte „AB66“ alias Luise nun gelernt haben. Allerdings hätte es sie schlimmer treffen können. Immerhin hat sie es nun warm und trocken und vor allem muss sie keinen Hunger mehr leiden. Luise, die Störchin, ging am Sonntag dem Voigtsdorfer Sven Nölting ins sprichwörtliche Netz. Jetzt lebt die Storchendame, die zuvor in Grimmen und Kirch Baggendorf für Erstaunen sorgte, im Greifswalder Tierpark.

Luise war als Babystorch im vorigen Jahr aus dem Nest gefallen und von Hand aufgezogen worden. In den Süden aber zog sie, anders als ihre Artgenossen, nicht. Stattdessen schlug sich Luise im kalten Deutschland durch. Und auch dieses Jahr machte Adebar keine Anstalten, im Herbst in wärmere Gefilde zu ziehen. „Konnte sie auch gar nicht“, sagt Frank Tetzlaff, Cheftierpfleger des Tierparks Greifswald und in der Region als Storchenexperte bekannt. „Das Zugverhalten wird im ersten Jahr geprägt. Fliegt ein Storch, aus welchen Gründen auch immer, dann nicht mit seinen Artgenossen weg, geht diese Information für das Tier für immer verloren. Es zieht nie wieder“, erklärt Tetzlaff. Luise, auf deren Beringung AB66 zu lesen ist, ist solch ein Fall. Bereits im Oktober wunderten sich viele Grimmener, dass Adebar sich noch immer in der Trebelstadt aufhielt. Im November wechselte Luise abermals ihren Standort, flog nach Kirch Baggendorf. Dort fiel das Tier Bernd und Christiane Uecker auf. „Natürlich haben wir uns wie alle anderen auch gewundert, weshalb der Zugvogel um diese Jahreszeit noch hier ist“, erzählt Christiane Uecker. Die tierliebe Frau, vor allem als Igelmutter bekannt, holte sich Rat beim Storchenexperten Frank Tetzlaff. „Mit Fisch füttern und versuchen einzufangen“, sagte er. Und Ueckers versuchten es. Bernd Uecker, Chef des Anglervereins Sportfischer Trebeltal, zog mit seiner Angel los, um Adebar ein paar Leckerbissen aus dem Wasser zu ziehen. „Fast vier Wochen lang war der Storch in Kirch Baggendorf und es gelang uns, ihn mit Futter anzulocken“, erzählt Christiane Uecker. Am ersten Advent hatten sie es fast geschafft. Die Störchin kam nah genug, Christiane Ueckers Sohn Robert packte zu. Jedoch nicht fest genug und die Storchendame entwischte dem 30-Jährigen. „Danach ließ sie sich in Kirch Baggendorf nicht mehr blicken“, erzählt Christiane Uecker.

Weit geflogen aber war Adebar nicht. Kurz darauf erhielten Ueckers nämlich einen Anruf von Sven Nölting aus Voigtsdorf. „Der Storch ist hier, guckt gerade zur Terrassentür rein“, meldete er. Und dass er nun seinerseits versuchen würde, ihn anzulocken. Sven Nölting taufte das Tier, welches er mit Fleischfetzen fütterte, „Luise“. Ob es der Handaufzucht oder doch dem Hunger geschuldet war – Luise kam auf dem Vordach von Nöltings Häuschen bis zum Küchenfenster gestakst, um sich ihre Ration Fleisch abzuholen. Das war Sven Nöltings Chance. Der passionierte Angler bewaffnete sich mit einem Kescher, bezog Position und als Luise sich einen weiteren Brocken vom Fensterbrett holte, schnappte die Falle zu. „Ich hab ihn“, meldete der 45-jährige Voigtsdorfer Tierfreund am Samstagvormittag nach Kirch Baggendorf. Kurze Zeit darauf fuhr Christiane Uecker bei Sven Nölting vor und holte Luise, die mittlerweile gut in eine Decke eingepackt worden war, ab, um sie zu Frank Tetzlaff zu bringen.

Der Greifswalder Cheftierpfleger staunte nicht schlecht, als Christiane Uecker am 9. Dezember mit Luise bei ihm auftauchte. Erste Untersuchungen des Storchenexperten ergaben, dass Luise dank der Pflege der Kirch Baggendorfer und Voigtsdorfer Tierfreunde wohlauf war. Frank Tetzlaff besah sich auch Luises Flügel und stellte dabei fest, dass die rechte Schwinge des Schreitvogels irgendwann einmal beschnitten worden war. „Luise kann zwar trotzdem fliegen, aber leider keine weiten Strecken mehr“, so sein Fazit. Damit erklärt sich auch, weshalb der Vogel bereits im vorigen Jahr nicht den Weg nach Afrika antrat – die Verletzungen, so stellte der Storchenexperte nämlich fest, seien bereits älter, stammten keinesfalls aus diesem Jahr. Frank Tetzlaff hat Luise vorerst in der Quarantäne-Station untergebracht, später soll sie auf dem Gelände des Greifswalder Tierparks leben dürfen. Dort gibt es derzeit einen einzelnen Storchenmann. „Der hat sich schon immer an die Storchendame rangemacht, was dem anderen Herren gar nicht gefiel“, erzählt Tetzlaff lachend.

Claudia Noatnick

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