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Usedom Ein Küstenschutz der Superlative
Vorpommern Usedom Ein Küstenschutz der Superlative
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00:00 28.04.2016
Greifswald

Möwen kreischen, ein Hagelschauer vertreibt Touristen von der Kaikante, während Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) völlig unspektakulär in einem nahezu leeren Raum auf einen in Holz eingelassenen Bildschirm tippt. Kein Knirschen einer Stahlkonstruktion, kein Motorengeräusch, kein Hupen oder Pfeifen. Völlig lautlos hebt sich der schwarz glänzende Hauptverschluss im Zeitlupentempo aus dem Ryck. Das Drehsegment — einzigartig in seiner Bauweise — es funktioniert. Das 32 Millionen Euro teure Sperrwerk in Wieck geht in Betrieb.

„Das ist schon ein Stein“, sagt Frank Mikkat, der ihm da gestern vom Herzen gefallen sei. Als Abteilungsleiter beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) lange Zeit Projektverantwortlicher, erinnert er sich noch gut an die Auseinandersetzungen zu Beginn der Planungsphase. Das ist nahezu 20 Jahre her. „Von Monsterbauwerk war da die Rede. Davon, dass die Segler nicht mehr auf die Dänische Wieck kommen“, berichtet Mikkat von den Anfeindungen. Nach etlichen Verzögerungen begannen 2011 schließlich die Erdarbeiten. Mit vielen Herausforderungen — auch für den Ingenieur Thorsten Quast, in dessen Händen auf der Baustelle die Projektleitung lag. „So etwas wie den Drehsegmenteinhub vergisst man nicht“, sagt der 44-Jährige stolz. Als das 108 Tonnen schwere und 21 Meter lange Teil im Sommer 2014 millimetergenau in die Halterung eingesetzt wurde, hielten Bauleute und Schaulustige den Atem an.

Das alles ist Geschichte. „Die Hürden sind genommen, die Tests erfolgreich verlaufen“, sagt Christian Lettner, Geschäftsführer des Ingenieurbüros hpl aus Berlin. Der Planer betrachtet das Sperrwerk nicht nur als Schutz für Leib und Leben, sondern auch als „architektonische Herausforderung“, die nicht alle Tage auf dem Schreibtisch landet. Ähnlich sieht das Henning Schrewe, Direktionsleiter der bauausführenden Züblin AG.

Um so unscheinbarer ist das, was die Gäste der feierlichen Inbetriebnahme gestern in Augenschein nehmen konnten. Die Schaltzentrale enthält nicht mehr als den Schreibtisch mit Bildschirm und einem Stuhl. Künftiger Arbeitsplatz von Sebastian Geldschläger und weiteren zwölf StALU-Mitarbeitern, die künftig Bereitschaftsdienst schieben. Heißt: Das Sperrwerk ist bei normalem Wetter nicht besetzt.

„Im Fall einer Sturmflut werden zwei von uns vom Hochwassermeldedienst informiert und kommen her“, sagt Geldschläger.

Auch wenn Greifswald in jüngster Zeit von einer dramatischen Sturmflut verschont blieb, lässt Till Backhaus keinerlei Zweifel an der Notwendigkeit des Bauwerks aufkommen. Deren Sicherheit rechtfertige auch die Kosten für das gesamte Küstenschutzprojekt, die mit 42 Millionen Euro deutlich über dem Planansatz liegen. Petra Hase

OZ

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