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Usedom Ein Leben für das Handwerk
Vorpommern Usedom Ein Leben für das Handwerk
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00:00 28.06.2016
Der Zinnowitzer Hans-Dietrich Manthey mit seinem Meisterbrief. Quelle: Beate Rother

„Holz ist nur ein einsilbiges Wort, aber dahinter steckt eine Welt von Wundern und Märchen“ dieser Spruch von Theodor Heuss ziert nicht nur das Haus der Familie Manthey. Er scheint gleichzeitig das Lebensmotto des Seniorenpaares wiederzuspiegeln. Zahlreiche aufwendige Holzarbeiten am und in ihrem Anwesen zeugen von einer ganz besonderen Beziehung des Tischlermeisters zu diesem Rohstoff. In Vorbereitung auf die gestrige Feier des 60. Meisterjubiläums von Hans-Dietrich Manthey nutzte der Siebenundachtzigjährige gern die Gelegenheit, Stationen seines Lebens Revue passieren zu lassen. Im Oktober des Jahres 1928 im hinterpommerschen Falkenburg geboren, wurde Hans-Dietrich im Kreise seiner sechs Geschwister zwar streng erzogen, erhielt aber auch seitens seines Vaters Wilhelm eine zielgerichtete Förderung. So absolvierte er während des zweiten Weltkrieges in Posen sein Studium in der Fachrichtung Raumgestaltung. Die Wirren des Krieges mit der anschließenden Flucht verschlugen ihn nachfolgend nach Güstrow und anschließend auf die Insel Usedom. Hier baute er schon 1945 mit seinem Vater den Tischlerfachbetrieb, welcher bereits seit 1871 bestand wieder auf. An die bewegten Jahre des Aufbaus nebst Hausbau, Heirat und den tödlichen verunglückten Vater erinnert sich der Jubilar noch sehr genau. Nun hieß es für den achtundzwanzigjährigen selbst den Meistertitel zu erwerben. Also reiste der Wahlinsulaner mit dem sperrigen Reißbrett und vielen weiteren Utensilien per Bahn nach Rostock, wo er die Meisterprüfung bei der Handwerkskammer vor 60 Jahren „mit Auszeichnung“ bestand. Sein Meisterstück, ein furnierter Eichenschrank mit Vitrine und schmückenden Einlegearbeiten zeugt im häuslichen Wohnzimmer noch heute von dem Können des Tischlermeisters. Sprüche wie: `Des Handwerks goldener Boden ist der Friede` verbergen sich als Intarsienarbeiten, welche der Prüfling damals mittels Messertechnik anfertigte, im Innenleben des Meisterstücks. „Man muss die Struktur des Holzes genau kennen“, sieht er als grundlegendes Fachwissen für jeden Tischler. „Etwas selbst entstehen lassen, war für mich immer die größte Freude“, gesteht der Hundefreund, dessen Cairn-Terrier-Hündin Granne von der Küste nun sein Pflegebett bewacht. Die vielen Jahrzehnte, in denen der Holzfachmann seinen Handwerksbetrieb mit fleißiger Unterstützung seiner Frau führte, durchschnittlich zwölf Mitarbeiter beschäftigte und insgesamt 36 Lehrlinge durch ihre Ausbildung begleitete, haben sein Leben geprägt.

Etwas selbst entstehen lassen, war für mich die größte Freude.“Hans-Dietrich Manthey

Vom Innenausbau über die Anfertigung von Büromöbeln, Tischen, Stühlen und Sitzgruppen bis zur Spezialisierung auf den Treppenbau – bei allem ist Hans-Dietrich Manthey seiner eigenwilligen Art treu geblieben. Auch als Obermeister der Einkaufs- und Liefergenossenschaft des Holzverarbeitenden Gewerbes mit Sitz in Wolgast-Fähre hat der erfahrene Mann in der Region seine Spuren hinterlassen. In seiner Bescheidenheit bringt er zwar Verständnis dafür auf, wenn jeder Handwerker sein Handwerk hoch hält. Dennoch würde er sich wieder für den Tischlerberuf entscheiden, wenn er nochmal die Wahl hätte.

Beate Rother

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