Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Usedom Ein Politthriller aus Peenemünde
Vorpommern Usedom Ein Politthriller aus Peenemünde
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 11.03.2013
Blick in die Br�cke: Holger Neidel (Mitte) von der Marinekameradschaft Dranske f�hrte die Mitglieder des Freundeskreises durchs Schiff.
Peenemünde

Die Raketenkorvette „Hans Beimler“ lag 20 Jahre in Peenemünde. Jetzt, 2011, soll sie nach Dänemark überführt werden. Mit dem Schlepper voraus verlässt die „Beimler“

den Hafen im Inselnorden. In Höhe Kap Arkona kapert ein Teil der Crew das Schiff, versenkt den vorausfahrenden Schlepper — die Korvette verschwindet in den Weiten der Ostsee. Bundespolizei und Marine starten eine großangelegte Suchaktion. Niemand von ihnen ahnt, dass ein verheerender Terroranschlag droht.

Fiktives aber auch ein Stück Realität hat Hans-Jürgen Rusch in seinen neuen Politthriller „Gekapert“ gepackt. Das Buch ist jetzt im Gmeiner-Verlag erschienen. Es stellt ein herausragendes Exponat des Historisch-Technischen Museums Peenemünde in den Mittelpunkt — ein Schiff aus der Tarantul-Reihe und ein Zeugnis des Kalten Krieges. „In naher Zukunft wollen wir dieser Zeit eine neue Ausstellungsabteilung widmen. Dazu passt die ,Beimler‘“, sagte am Sonnabend Museums-Kurator Christian Mühldorfer-Vogt bei der Buchpräsentation am Ort des Geschehens. Für Autor Rusch ein bewegender Moment: „Ich fühle mich mit Peenemünde verbunden.“ Das liegt aber nicht nur daran, dass Rusch von 1980 bis 1984 bei der 1. Flottille der Volksmarine stationiert war. „Ich interessiere mich für diese Schiffsreihe und für die Marine“, so der Mann aus Achim bei Bremen.

Da kam 2010 der Anruf von Holger Neidel (Marinekameradschaft Dranske), einst Kommandant auf einem Schwesterschiff der „Beimler“, gerade recht: „Die Tarantul sollte nach Dänemark überführt werden. Er bat mich, mit einem Roman ein literarisches Andenken zu setzen.“ Rusch sagte zu, die Peenemünder die Überführung nach Protesten allerdings wieder ab. Das Raketenschnellboot der einstigen Volksmarine (Kosten 77 Millionen DDR-Mark) blieb auf Usedom und wurde jetzt zum Hauptschauplatz des Romans. Der, so Rusch, auf die Unsicherheit an deutschen Seegrenzen und die Gefahr des Terrorismus hinweisen soll. „Vieles ist überspitzt, aber ich will die heutige Sicherheitslage abbilden. Denn noch immer gibt es bei uns kein Seesicherheitsgesetz.“

Dass von der Erstauflage, die bei 4000 Stück liegt, 500 Exemplare im Museum bleiben, bewertet Mühldorfer-Vogt als Startkapital für den Erhalt des Schiffes. „Die Tarantul muss dringend saniert werden.

Den Erlös aus dem Verkauf der Bücher im Museum nutzen wir dafür“, kündigt der Kurator an.

Weil das allein aber nicht reicht, wurde am Sonnabend der Freundeskreis „Hans Beimler“ gegründet. Mit dabei sind ehemalige Marineangehörige, Technikinteressierte und natürlich auch Rusch. „Im Spätsommer wird sich hier eine Gruppe treffen, um das Schiff zu streichen. Wir werden dafür sorgen, dass die ,Beimler‘ eine Zukunft hat“, verspricht der Autor. Von den einst fünf Raketenschnellbooten in NVA-Diensten sind nur noch zwei erhalten geblieben. Die „Hiddensee“ liegt in einem Museum zwischen Boston und New York, die „Beimler“ in Peenemünde. In Polen, Rumänien und Indien sind diese Schiffe aus sowjetischer Produktion sogar noch im Dienst der Marine, sagt Rusch.

Ob die Tarantul allerdings auf der Ostseite des Peenemünder Hafens bleibt, ist fraglich. Im Zuge der Sanierung der Hafenpromenade muss das Schiff weg. „Wo es künftig liegt, wissen wir noch nicht“, so Mühldorfer-Vogt. Sicher ist aber, dass die Korvette nach gut zwei Jahren wieder der Öffentlichkeit zugänglich ist. Am Sonnabend war Premiere: Besucher konnten die Kajüten oder die Brücke des 56 Meter langen Schiffes in Augenschein nehmen. Zu verdanken haben es die Museumsbetreiber einem findigen Marinekameraden. In Polen entdeckte der Mann die richtigen Glühbirnen mit der entsprechenden Fassung, so dass die Beleuchtung an Bord wieder funktioniert. Ohne Licht hätte die Tarantul 2011 gar nicht auslaufen können und Rusch nichts zu schreiben gehabt...

Zur Person
Hans-Jürgen Rusch wurde 1957 in der Niederlausitz geboren. Er wuchs auf Rügen auf. Nach dem Abitur studierte er Schiffsbetriebstechnik und Elektrotechnik. Als Offizier fuhr er auf einem Gefechtsversorger und arbeitete anschließend an der Offiziershochschule in Stralsund als Dozent und Fachgruppenleiter. Nach der Wende quittierte Rusch den Dienst in der Armee und zog 1991 mit seiner Familie in das niedersächsische Umland von Bremen. Bislang hat er sieben Bücher — unter anderen „Stahlsarg“, „Neptunopfer“ und „Späte Rechnung“ veröffentlicht.

„Gekapert“ ist im Gmeiner-Verlag

erschienen (11,99 Euro).

ISBN: 978-3-8392-1373-5

Die Tarantul muss dringend saniert werden.“Christian Mühldorfer-Vogt, Kurator

Henrik Nitzsche

Handball/Fußball — Der anhaltende Schneefall machte einige Plätze unbespielbar. So fielen die Partien des FC Insel Usedom (Männer/Frauen) aus. Andere Teams traten die Reise zu den Spielorten nicht an (u.

11.03.2013

Ückeritzer planten in der „Klönstuw“ das Jahr und lauschten den Inselgeschichten von Gerhard Dallmann.

11.03.2013

Trotz der Niederlage ist Hohendorfs Trainer Borck mit der Teamleistung zufrieden.

11.03.2013