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Usedom Ein Trauerspiel: Friedhof von Karsibor gammelt vor sich hin
Vorpommern Usedom Ein Trauerspiel: Friedhof von Karsibor gammelt vor sich hin
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00:01 25.10.2017

Der Denkmalfriedhof auf der Insel Karsibor (Kaseburg) wird in den touristischen Flyern und Werbebroschüren der Stadt stets als eine Tourismusattraktion von Swinemünde beworben. Nahezu alle Reiseführer erwähnen ihn voller Begeisterung. Im Jahre 2003 kam es hier sogar zu einem Treffen von Katholiken und Protestanten, geleitet von Bischof Jan Stefan Gatecki und Pastor Günther Schulze. Zu diesem Zeitpunkt hatte man den Eindruck, dass der Friedhof zu einem einzigartigen Ort auf der Insel Usedom werden könnte. Leider ist der Friedhof stark verfallen. Beschädigte Gräber, bewachsene Quartiere, herumliegende Äste und eine schiefe Umzäunung sorgen für ein trauriges Bild. Man merkt, dass der Zustand des Friedhofs von Jahr zu Jahr schlechter wird.

Die Gräberstätte wurde 2004 in die Denkmalliste aufgenommen. Das bedeutet, dass sie nun unter Schutz steht und besonderer Fürsorge bedarf. Diese Aufgabe hat die Stadt zu erfüllen, weil es auch ihr Gelände ist. Die Stadtbeamten behaupten, die wissenschaftliche Gesellschaft „Karol Estreicher“ würde sich um den Friedhof kümmern, doch leider hat lange niemand mehr von der gehört.

Zweimal im Jahr – immer vor den Sommerferien und vor dem Feiertag der Allerheiligen – wird der Friedhof von den Schülern der Schule im Ortsteil Warszow aufgeräumt. Dank der Unterstützung der Stadt, bringt der Stadtbus die Schüler kostenfrei zum Friedhof und wieder zurück. „Wir hoffen, dass wir mal in Zukunft mit der deutschen Seite, oder einer Institution, die für den Erhalt deutscher Nekropolen auf dem Gebiet Polens zuständig ist, uns gemeinsam um eine teilweise Restaurierung dieses Friedhofs bemühen können“, betont Robert Karelus, der Pressesprecher des Swinemünder Stadtpräsidenten.

Das Problem liegt darin, dass der gute Willen und die Aufräumarbeiten zweimal jährlich alleine unzureichend sind. Gefragt sind konkrete Entscheidungen und Aktivitäten. Man muss sich um den Friedhof umfassend kümmern, sonst bleiben in wenigen Jahren nur noch Beschreibungen in den Reiseführern als Erinnerung.

Dabei gibt es genügend Helfer. Ryszard Moroch, ein Lehrer und Geschichtsfreund von der Grundschule Nr. 2 in Swinemünde kommt jedes Jahr mit seinen Schülern auf den Friedhof, um ihn aufzuräumen. Auf diese Art und Weise vollführen die Kinder eine gute Tat und lernen etwas von der Geschichte der Insel Karsibor und der Stadt Swinemünde. Ryszard Moroch kann es sich nicht vorstellen, dass ein solcher Denkmalschatz verfällt. „Die nächste Aufräumaktion haben wir für 27. Oktober geplant. Mit Vergnügen schließen wir uns jeder Aktion an, die dabei hilft, den Friedhof zu retten“, versichert Ryszard Moroch. Eine ähnliche Erklärung gibt Kazimierz Nowicki ab, Abgeordneter und Vorstand der Vereinigung Karsibor – einer Organisation, die sich für die Entwicklung der Insel, der Kultur und des Tourismus stark macht.

„Gerne würden wir helfen, aber als Vereinigung verdienen wir kein Geld. Eigentlich müsste die Stadt mehr Interesse an der Insel zeigen, denn nicht nur der Friedhof, sondern auch viele Wanderwege bedürfen Modernisierungsmaßnahmen“, meint Kazimierz Nowicki.

Unsere Redaktion hat sich mit der Denkmalschutzbehörde der Wojewodschaft in Stettin in Verbindung gesetzt. Das ist eine Institution, die den Eigentümer eines Denkmals bestrafen darf, falls er seine Pflichten grob vernachlässigt. Wir haben dort das Fotomaterial, welches den aktuellen Stand des Friedhofs dokumentiert, übergeben.

„Wir werden versuchen, eine Vor-Ort-Besichtigung vorzunehmen und den Stand des Friedhofs zu begutachten. Wenn sein Zustand in der Tat so schlimm ist, werden wir an die Gemeinde als rechtlichen Eigentümer des Grundstücks herantreten, mit dem Ziel, konkrete Maßnahmen zu ergreifen“, reagiert Tomasz Wolender vom Büro der Denkmalschutzbehörde Stettin gegenüber der OZ.

Die Geschichtsfreunde von Karsibor und Swinemünde, mit denen wir gesprochen haben, erklärten ihre Bereitschaft, bei der Restauration des Friedhofs zu helfen. Es bedarf nun einer Initiative und Initialzündung zur Aufnahme von Aktivitäten. Vielleicht sollte es ein polnisch-deutsches Projekt werden? Der Friedhof entstand Mitte des 19. Jahrhunderts. Das älteste Grab wird auf 1856 datiert.

Radek Jagielski

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