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Ein kreativer Kopf und Netzwerker

Heringsdorf Ein kreativer Kopf und Netzwerker

Brian Seifert schließt nach 15 Jahren sein Kult-Restaurant „Kulm-Eck“. Nun kocht er im Bansiner „Hotel zur Post“

Heringsdorf. Das war’s dann also. Das Licht im „Kulm-Eck“ ist aus. Brian Seifert hat die letzten Gäste in seinem Restaurant bewirtet – Schwarzwurzelsuppe, Jakobsmuscheln, Ostseefisch auf Rote Beete. Das Menü steht noch an der schwarzen Tafel. Darunter „Last order, please!“ – „Die letzte Bestellung“ bitte.

Nach gut 15 Jahren macht der gebürtige Berliner sein kleines Kult-Restaurant unterhalb des Heringsdorfer Kulmberges dicht. „Mein Kopf muss frei sein fürs Kochen. Die Buchhaltung wird immer schwieriger. Man braucht einen Partner, der einem das abnimmt und den Rücken frei hält. Den hatte ich nicht. Deshalb ist jetzt der Punkt gekommen, die Selbständigkeit aufzugeben“, nennt der 46-Jährige Gründe für die Schließung. „Ich bin Koch, so habe ich mich auch immer gefühlt.“

Und als Koch wollte er weg vom Mainstream – „deshalb habe ich von Anfang an auf Bioprodukte und Wildkräuter gesetzt.“ Am 19. Mai 2001 stand Seifert das erste Mal für seine Gäste in der Küche. „18 Uhr haben wir aufgemacht. Nach einer Stunde kam der erste Gast“, erinnert sich der bodenständige Typ. Der den Urlaubern mit der eher versteckten Lage des Lokals eine gute Alternative zur Gastronomie in der ersten Reihe sein wollte. „Mein Anspruch war aber auch, Einheimische für eine neue Küche zu begeistern.“ Die sehr stark auf Aromen ausgelegt war. Das ist aufgegangen. Zur Stammklientel zählt er heute viele Insulaner.

„Deutsche Schauspieler waren auch hier, Politiker oder Moderatoren. Ich habe bewusst keinen großen Rummel bei den Promis gemacht. Sie wollten ihre Ruhe, die haben sie hier gefunden“, sagt Seifert, der zur Jahrtausendwende auf die Insel kam, aber nicht auf Usedom sesshaft werden wollte.

Er arbeitete in der Küche des damaligen „Kempinski“ in Bad Saarow. 1998 kam ein Freund zu ihm und sagte „Komm Brian, wir gehen nach Usedom“. „Mein Plan war, als Koch hier eine Sommersaison zu arbeiten. Von der Gastronomie vor Ort war ich schon enttäuscht.“ Deshalb wollte er nach der Saison zurück nach Berlin – gekommen ist er aber nur bis Balm. Er heuerte im Golfhotel an, später im Heringsdorfer „Esplanade“, um dann im „Kulm-Eck“ zu landen. Um in dem kleinen Lokal unter der großen Eiche zu den Usedomer Köchen zu gehören, die mit Kreativität und Mut der kulinarischen Seite der Insel viele Facetten geben.

Brian Seifert war dabei, als „Grand Schlemm“, die „Ambiance-Nächte an der Heringsdorfer Seebrücke“ oder die „Laurentiusnacht am Strand“ aus der Taufe gehoben wurden. Live-Kochen am Strand war angesagt.

Im „Kulm-Eck“ sind viele Ideen entstanden. Abends und nachts, wenn er mit seinen Kollegen vom Köcheclub, wie Tom Wickboldt, Rene Bobzin, Hark Pezely oder Detlef Mangelow wieder einmal am runden Tisch saß und das Netzwerk auf Hochspannung war. Den runden Tisch wird er seinem Nachfolger – „es gibt mehrere Interessenten“ – aber nicht überlassen. „Den bekommt Emin Doganay (führt einen Groß- und Einzelhandel auf Usedom d.R.), der mich von Anfang an riesig unterstützt hat. Das ist ein Mensch mit einem großen Herzen“, sagt Brian Seifert, der zwei Jungs hat (8 und 10 Jahre), die bei ihrer Mutter leben.

Als Koch wird er der Insel erhalten bleiben. Der gebürtige Berliner wird ab 1. Februar Küchenchef im Restaurant „Zur alten Post“ im Kaiser Spa Hotel Zur Post in Bansin. Auf ihn wartet eine große Küche mit modernen Geräten. Auch das war zuletzt ein Punkt, der Seifert an seinem Tun im „Kulm-Eck“ immer mehr zweifeln ließ. „Im Kopf war immer mehr drin, doch ich hatte nicht die technischen Möglichkeiten in meiner kleinen Küche. In Bansin steht alles, was man sich nur wünschen kann.“ Seinen „Kulm-Eck“-Style will er aber mitnehmen. Dann werden die Gäste in der alten Post sicherlich auch bald auf der Karte den „Wildkräutersalat mit schwarzen Nüssen“ finden. Das war ein echter Klassiker im „Kulm-Eck“.

Henrik Nitzsche

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