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Usedom Ein verschenktes Kapitel Historie
Vorpommern Usedom Ein verschenktes Kapitel Historie
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02:20 04.01.2018
Jürgen Krafts Sammlung umfasst nicht nur viele originelle Bademodenstücke, sondern auch Texte, Anzeigen, Fotos und Faksimiles aus den Zeitungen des letzten Jahrhunderts, die sich mit dem Thema befassten. Quelle: Foto: S. Sauer

Im eigenen Lande gilt der Prophet häufig nichts. Auch in den Kaiserbädern? Es scheint so, denn der dortige Bademodensammler vor dem Herrn, Jürgen Kraft (54, im Haupterwerb Fahrschullehrer), blieb völlig außen vor, als der Eigenbetrieb jetzt eine Ausstellung über „Badeleben, Bademoden um 1900 & Ortsgeschichte“ zusammenstellte. Noch bis zum 6. Januar ist die Schau in der Heringsdorfer Villa Irmgard zu sehen.

In der Villa Irmgard wird noch bis zum 6. Januar eine Schau zum Badeleben und zu -moden um 1900 gezeigt. Der Experte im Ort blieb unbeteiligt.

Zu ihrer Bewertung gehen nun – nahezu zwangsläufig – die Meinungen auseinander. Während Dr. Karin Lehmann, für Kultur in den Kaiserbädern maßgeblich verantwortlich, von reichlich Lob durch die Urlauber zu berichten weiß, hält Kraft mit seiner vernichtenden Kritik nicht hinterm Berg. „Angesichts der riesigen Sammlung an historischen Bademoden, an Zeitungsausschnitten und anderen Faksimiles ist es geradezu ein unentschuldbares Versäumnis, davon nicht Gebrauch zu machen.“ Leider habe ihn niemand angefragt, was ihn maßlos ärgert.

Lehmann hingegen verweist auf die außergewöhnlichen Umstände, unter denen die Schau sehr kurzfristig entstehen musste. „Ein fest eingeplanter Maler sagte von heute auf morgen aus Krankheitsgründen ab, so dass wir sehr schnell zu handeln hatten“, blickt sie auf den Spätherbst zurück. Deshalb habe man auf Texttafeln, die bereits vorlagen, unter anderem zur Bade- und Zwickelordnung, zurückgreifen müssen. „Ich weiß, es war ein Kompromiss, aber Anderes hätten wir in der Kürze der Zeit nicht zustande gebracht.“ Zudem gelte es hervorzuheben, dass bis dato ausschließlich Kunstausstellungen im engeren Sinne in besagter Villa gezeigt wurden. Nun erlaube eine erst jüngst beschlossene Satzung, sich auch anderen Gebieten und Gegenständlichkeiten wie Fotos zuzuwenden. Insofern hält sie es künftig „durchaus für möglich“, mit Dritten enger zu kooperieren. Allerdings seien die Planungen für 2018 schon unter Dach und Fach. Im Gespräch sei hingegen, Teile der privaten Bademodensammlung ins neu zu gestaltende HdE an der Ahlbecker Promenade als Dauerausstellung zu integrieren. Karin Lehmann: „Das muss aber gewiss noch mit den Gemeindeverantwortlichen abgestimmt werden.“ Eine Perspektive, die Jürgen Kraft nicht unbedingt jubeln lässt, denn „erste Gespräche dazu mit einem externen Partner waren alles andere als professionell geführt.“ Ihm bleibt weiter unklar, warum die Kaiserbäder mit ihrem „Pfund“ Bademode nicht viel intensiver wuchern. Er spricht von Alleinstellungsmerkmal und großartigen Shows, die es unter anderem auf der „Bridge of Fashion“ gegeben habe. Warum so etwas nicht modifiziert wiederbeleben?

Während Kraft anderenorts, etwa in Freiburg, nahe Chemnitz und in Hessen kräftig am Zustandekommen von Expositionen mitgewirkt hat, plant er vor Ort vorerst weiter mit seinem Partner Dirk Mund. Eine Kopplung von traditioneller Strandkorbherstellung (als Weltkulturerbe?) und historischer Usedom-Bademode sei überaus verheißungsvoll. Da sogar Vertreter der MV-Regierung wie Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider jüngst mehrfach davon gesprochen hätten, stärker mit eigenen Traditionen zu punkten, sehen Kraft und Mund ihr Projekt als einen erfolgversprechenden Weg an, erste Rückschläge im Tourismusgeschäft zu kompensieren. Das zur Zeit in Insolvenz befindliche Korbwerk (es wird intensiv an einer Auffanggesellschaft gearbeitet) biete dafür eine geeignete Hülle an einem intakten Standort neben der neuen Heringsdorfer Polizeidienststelle an. Hierbei vom Land und besonders vom Wirtschaftsministerium finanziell unterstützt zu werden, bleibt Ansinnen der beiden kreativen Köpfe.

Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann jedenfalls hat die Museumspläne bei einer Stippvisite für gut und praktikabel befunden.

Steffen Adler

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