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Eine Armlänge reicht nicht: Frauen üben für den Notfall

Zinnowitz Eine Armlänge reicht nicht: Frauen üben für den Notfall

Zinnowitzer Kampfsportler luden zu speziellem Selbstverteidigungskurs ein

Zinnowitz. Eines ist ganz klar: Das Sicherheitsempfinden der Frauen hat hierzulande in jüngerer Zeit arg gelitten. Über die Printmedien und via Internet verbreiten sich nahezu täglich Nachrichten von Überfällen und tätlichen Angriffen auf Personen. Oft sind Frauen Opfer von Gewaltattacken oder sexuellen Übergriffen. „In der heutigen Zeit ist es nicht schlecht, wenn man einen Einblick kriegt, wie man sich im Ernstfall wehren kann“, meint daher Marie Teetzen (32) aus Ückeritz. „Wenn man weiß, dass man ein paar Techniken drauf hat, hat man auch schon ein selbstsicheres Auftreten.“

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Zinnowitzer Kampfsportler luden zu speziellem Selbstverteidigungskurs ein

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Marie Teetzen gehörte zu den 16 Frauen, die am Wochenende beim Zinnowitzer Verein Traditionelles Karate einen Crashkurs in Sachen Selbstverteidigung durchliefen. Robert Lüdtke (32), der seit 2006 Kampfsport betreibt und inzwischen den braunen Gürtel trägt, sowie weitere Vereinsmitglieder demonstrierten den Frauen in einer Halle in der Sportschule Zinnowitz, wie sie körperliche Übergriffe am besten abwehren. „Wir verwenden einige Karate- und Jiu Jitsu-Standardtechniken“, erläuterte Robert Lüdtke. „Und wir konzentrieren uns auf die drei Phasen: Situation erkennen, Situation vermeiden und Situation schnellstmöglich bewältigen.“

Sein Trainerkollege Uwe Feldmann (37) aus Loddin ergänzte: „Es geht bei dem speziell auf Frauen ausgerichteten Kurs nicht darum, die Techniken möglichst sauber anzuwenden und am Ende eine Prüfung abzulegen. Unser Ziel ist es, möglichst effektiv zu agieren, um schnell aus unterschiedlichen Gefahrensituationen heraus- zukommen.“

Sabrina Kolm aus Loddin ließ sich von Kampfsportler Roger Teetzen zeigen, wie man unliebsame männliche Gegner besonders wirksam abwehrt. Die Ohren und die Augen, der Mund, die Gelenke, der Genitalbereich und der Solarplexus am Übergang vom Brustkorb zur Magengrube, so erklärten die Trainer, seien besonders empfindliche Körperstellen, die im Falle eines Falles vornehmlich mit Fingern, Daumen, Handflächen und -ballen sowie Ellenbogen und Knie zu bearbeiten seien. Sabrina Kolm ging von Anfang an engagiert zur Sache und brachte ihr mit einer Pratze bewehrtes Gegenüber mit ihren starken Knie- und Fußtritten sogar ein bisschen ins Wanken. „Ich bin hier, um gewappnet zu sein, falls mal etwas passiert, und um entspannt in eine solche Situation zu gehen“, erklärte die 29-jährige Insulanerin. Ein Stück weiter trainierte Mandy Klöpfer. „Ich denke, es ist gut, wenn man im Notfall ein bis zwei Sachen aus dem Effeff beherrscht, um sich Zeit zu verschaffen“, findet die Zinnowitzerin. „Ich arbeite im Schichtdienst, komme erst nach 22 Uhr nach Hause, wenn es draußen schon dunkel ist, und gehe regelmäßig im Wald joggen...“

Als Robert Lüdtke die 16 Kursteilnehmerinnen fragte, ob jemand von ihnen schon einmal in eine derart missliche Lage geriet, meldete sich niemand. „Zum Glück“, kommentierte der Trainer. Die Idee für das Kursangebot sei im Kreise der Vereinsmitglieder geboren worden. „Wir wollten etwas für die Frauen tun“, so Lüdtke. „Und wir wollen auf diese Weise auch um Mitglieder für unseren Verein werben.“

Der Zinnowitzer betonte, dass es in dem Selbstverteidigungskurs um eine Reaktion auf drohende körperliche Gewalt gehe. „Handelt es sich dagegen um einen Raubüberfall und der Täter will nur Geld, dann lautet meine persönliche Empfehlung: Geld rausgeben und fertig.“

Tom Schröter

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